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Ostholstein „Definitiv nicht mein Ding“: Pflichtdienst bei der Grömitzer Feuerwehr gefällt nicht jedem
Lokales Ostholstein „Definitiv nicht mein Ding“: Pflichtdienst bei der Grömitzer Feuerwehr gefällt nicht jedem
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13:15 04.11.2019
Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Grömitz nehmen an einer Ausbildung auf dem Gelände der Grundschule teil. Quelle: Georg Wendt/dpa
Grömitz

Den Freiwilligen Feuerwehren in Schleswig-Holstein gehen die Einsatzkräfte aus. Als vierte Gemeinde im Land nach List auf Sylt, Burg in Dithmarschen und Friedrichstadt werden jetzt auch im Ostseebad Grömitz Bürger zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Insgesamt 16 Verpflichtungsbescheide hat die Gemeinde seit dem Sommer verschickt, acht Pflichtfeuerwehrleute haben inzwischen ihren Dienst angetreten.

Etwas verloren steht Thomas Marter in seiner Feuerwehrmontur auf dem Hof der Grundschule Grömitz. Um ihn herum üben Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr den Umgang mit Dreh- und Steckleitern. Im Gegensatz zu ihnen ist Marter nicht freiwillig hier. Er gehört zu den acht Männern, die die Gemeinde Anfang August zum Feuerwehrdienst verpflichtet hat, weil das Personalsoll der Feuerwehr durch Freiwillige nicht mehr gedeckt werden konnte. „Ich bin kein Feuerwehrmann, das ist definitiv nicht mein Ding“, sagt Marter.

Feuerwehr ist nichts für mich“

Seit sechs Jahren wohnt Maschinenbauingenieur Marter mit Ehefrau und Kindern in Lenste, einem Ortsteil der Gemeinde Grömitz. Die Notwendigkeit einer Freiwilligen Feuerwehr leuchtet ihm durchaus ein. „Ich finde es toll, dass es sie gibt, aber für mich ist das eben nichts“, sagt er.

Für den Grömitzer Gemeindewehrführer Björn Sachau ist diese Haltung nicht verwunderlich. „Wenn die Leute Feuerwehr toll fänden, wären sie ja schon freiwillig eingetreten“, sagt er. Aber das Problem der fehlenden Einsatzkräfte sei nun mal da und müsse gelöst werden.

Weil es nicht genügend Freiwillige gibt, verpflichtet Grömitz Bürger zum Dienst in der Feuerwehr. Bei einigen ist die Motivation recht gering.

Bürgermeister unglücklich mit Pflichtfeuerwehr

„Auch ich bin nicht glücklich mit der Pflichtfeuerwehr“, sagt Grömitz' Bürgermeister Mark Burmeister. „Aber wir als Gemeinde sind verpflichtet, den Brandschutz zu gewährleisten, und wenn es nicht genug Freiwillige gibt, müssen wir eben Bürger verpflichten.“

Das Recht dazu gibt ihm das Schleswig-Holsteinische Feuerwehrgesetz, wonach Frauen und Männer vom vollendeten 18. bis zum vollendeten 50. Lebensjahr verpflichtet sind, ehrenamtlich Dienst in der Pflichtfeuerwehr zu leisten, wenn sie gesundheitlich dazu in der Lage sind.

Hintergründe zu Pflichtfeuerwehren in Ostholstein

Die Einführung einer Pflichtfeuerwehr wurde in den vergangenen Jahren in mehreren Orten diskutiert. Vollzogen wurde der Schritt bisher lediglich in Grömitz und Schashagen.

Die Situation in Grömitz hat sich langsam zugespitzt: Bereits im August 2017 appellierte die Gemeinde an ihre Bürger. Die Resonanz blieb aus.

Knapp ein Jahr später wurde die Einführung einer Pflichtfeuerwehr in der Gemeindevertretung diskutiert.

Im Dezember 2018 stand dann fest: Die Pflichtfeuerwehr kommt.

Im Februar 2019 steigt die Zahl der Grömitzer Feuerwehrleute an,doch es fehlen immer noch Kameraden.

Grömitzer
ignorieren verpflichtende Gespräche, legen Atteste vor und legen Widersprüche ein.

Schashagen zieht nach:
In zwei von fünf Orten ist es besonders eng.

Im März 2019
wird die Zwangswehr beschlossen.

Rund 120 Einsätze im Jahr

Mit Löscheinsätzen könnten sich die meisten Zwangsrekrutierten abfinden. Doch der Feuerwehrdienst umfasst weit mehr. „Die Ortswehr Grömitz hat etwa 120 bis 130 Einsätze im Jahr, dabei überwiegen inzwischen die Einsätze zur technischen Hilfeleistung, etwa nach Unfällen oder bei Sturmschäden“, sagt Sachau.

Dazu kommen jeweils zwei Übungsabende im Monat sowie weitere Übungen und Lehrgänge am Wochenende. „Man muss eine Menge Freizeit opfern“, sagt Marter kritisch. Wenn es nicht genug Freiwillige gebe, müsse die Gemeinde eben Feuerwehrleute einstellen, schlägt er vor.

Problem: Viele Berufspendler

Eines der Hauptprobleme nahezu aller Feuerwehren im Land sei die hohe Zahl der Berufspendler, da sie tagsüber für Einsätze nicht verfügbar seien, sagte der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands, Volker Arp.

Das bestätigt auch Matthias Stahl, Wehrführer der Feuerwehr List auf Sylt. „Wir haben noch zusätzlich das Problem, dass wir keine Hilfe von Nachbarwehren anfordern können, weil deren Anfahrt zu lange dauern würde.“ Seine Wehr wurde 2005 zur Pflichtfeuerwehr – der ersten in Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges. „Doch die Motivation der Pflichtfeuerwehrleute ist gut und wir streben an, wieder zu einer Freiwilligen Feuerwehr zu werden“, sagt Stahl.

„Keinen Tag bereut“

Ein Mann, der bereits vor zehn Jahren unfreiwillig zur Feuerwehr kam, ist Jacob Revenstorf. „Ich hab das nur gemacht, weil ich nicht zur Bundeswehr wollte“, sagt er. Doch dann habe er bei der Feuerwehr einen Aufgabenbereich gefunden, der ihm Freude mache, sagt er. „Heute bin ich Ortswehrführer von Grömitz und habe meinen Eintritt in die Feuerwehr noch keinen Tag bereut.“

Von dpa/RND

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