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Ostholstein Deiche statt Hotels: Mehr Platz für den Küstenschutz an der Ostsee
Lokales Ostholstein Deiche statt Hotels: Mehr Platz für den Küstenschutz an der Ostsee
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12:58 13.02.2019
Wer in der ersten Reihe baut, muss damit rechnen, auch mal nasse Füße zu bekommen. Jetzt nur manchmal bei Sturm, in Zukunft vielleicht immer wegen des steigenden Meeresspiegels. Quelle: Peyronnet
Kiel

Wie soll sich das Land weiterentwickeln? Welche Schwerpunkte sollen wo gesetzt werden? Das sind Fragen, die der 2010 entwickelte Landesentwicklungsplan und dessen jetzt geplante Fortschreibung beantworten sollen. Dazu gehört auch die Frage, wann und ob die Schleswig-Holsteiner nasse Füße bekommen. Deshalb wurde eine neue Raumkategorie eingeführt. Sie trägt den etwas sperrigen Namen „Vorranggebiet für den Küstenschutz und die Klimafolgenanpassung im Küstenbereich“.

Der kurz LEP genannte Landesentwicklungsplan setzt sich damit mit der Erderwärmung und ihren Konsequenzen für die Küsten auseinander. „Wir weisen sogenannte Vorranggebiete aus, in denen die Belange des Küstenschutzes gegenüber konkurrierenden Nutzungen Vorrang haben“, sagt Staatssekretärin Kristina Herbst (CDU). „Das gab es vorher nicht.“ Das Ziel sei es, den Generalplan Küstenschutz insbesondere in die Kommunen hineinzutragen, um dort eine Debatte über die Herausforderungen der Zukunft auszulösen. Das Problem sei bei der Bauleitplanung häufig, dass der Küstenschutz erst ganz am Ende komme.

Staatssekretärin Kristina Herbst möchte, dass das Bewusstsein über die Folgen des Klimawandels in den Kommunen geweckt wird. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Die Staatssekretärin erläutert, von welcher Seite aus bei der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans gedacht wird. „Wir gehen von den Herausforderungen aus, zwei der zentralen für das Land sind der Klimawandel und die Energiewende. Darauf müssen wir reagieren.“

Platz für Deiche reservieren

Ganz konkret lautet das Ziel, dem Küstenschutz langfristig Raum zu verschaffen. Wenn Deiche verstärkt werden müssen, muss der Platz dafür da sein – damit nicht in 20 oder 30 Jahren wenn höhere und bessere Deiche gebaut werden müssen, an ihrer Stelle bereits Gebäude stehen. Herbst: „Da sind wir als Raumordner mitgefordert, auf die Belange des Küstenschutzes zu achten.“ Oder wie es im Planentwurf steht: „Durch die Freihaltung dieser Bereiche von neuen baulichen Anlagen und Infrastrukturen kann in diesen Gebieten im Fall einer Sturmflut das Ausmaß von Schäden begrenzt und die Gefährdung von Menschen vermindert oder sogar vermieden werden.“

Es gibt noch ein anderes Ziel: ungeschützte Bereiche zu erhalten, Risikogebiete, wo Überflutungsgefahr in Kauf genommen werden kann. Der Landesentwicklungsplan wolle verhindern, dass dort gebaut wird. Bauwünsche kommen vor allem vom Tourismus. „Wir geben ihm das Signal, dass er sich auf den Klimawandel einstellen muss. Es ist wenig geholfen, wenn in der ersten Reihe touristische Infrastruktur errichtet wird, sich aber niemand die Frage stellt, ob das langfristig nachhaltig ist.“ Es gehe darum, frühzeitig darüber nachzudenken.

Gefahr rechtzeitig erkennen

Das bedeute nicht automatisch, dass in Vorranggebieten gar nichts mehr stattfinden könne, heißt es aus dem Innenministerium. Es sei durchaus das Ziel, Schwerpunkträume für Tourismus auszuweisen, das müsse aber an den richtigen Stellen passieren und nicht dort, wo es Gefährdungspotenzial gebe.

Häuser höher bauen

An der Ostseeküste können in Bebauungsplänen Mindesthöhen festgeschrieben werden, die Neubauten und die Menschen darin vor dem Risiko eines Hochwassers schützen:

Verkehrs- und Fluchtwege auf mindestens Normalhöhennull + 2,50 Meter,

Räume mit Wohnnutzung auf mindestens Normalhöhennull + 3,00 Meter,

Räume mit gewerblicher Nutzung auf mindestens Normalhöhennull + 2,50 Meter und

Lagerung wassergefährdender Stoffe auf mindestens Normalhöhennull + 3,00 Meter.

Es gibt konkrete Beispiele, wo eine Bebauung zum Problem werden könnte: in Kellenhusen. Dort seien Einrichtungen vor dem Deich entstanden. Aus dem Innenministerium heißt es dazu, es sei unsicher, ob das langfristig der richtige Weg sei. Forderung aus Kiel: Es muss eine Gesamtplanung vollzogen werden und nicht jeder nur für sich denken.

Der LEP gibt nur Raumkategorien vor, die sind auf Regionalebene zu konkretisieren. Genauer ausgewiesen werden die Vorranggebiete erst in diesen Regionalplänen.

Susanne Peyronnet

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