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Ostholstein Den Geheimnissen des Eutiner Schlosses auf der Spur
Lokales Ostholstein Den Geheimnissen des Eutiner Schlosses auf der Spur
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06:00 15.07.2019
Auf den Dachboden, zum Uhrwerk der Schlossuhr, nimmt Museumspädagogin Ulrike Unger Besuchergruppen mit. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

 Das Eutiner Schloss hat eine jahrhundertealte Geschichte. Ursprünglich im Besitz der Lübecker Fürstbischöfe, wurde es später zur Sommerresidenz der Herzöge von Oldenburg. In allen Salons, Gemächern und Zimmern des vierflügeligen Baus spüren Besucher den Hauch der Vergangenheit. Viele Schätze des Hauses präsentiert ihnen die Stiftung Schloss Eutin in ihrer Dauerausstellung. Doch der Blick in einige interessante Räume bleibt Gästen verwehrt, nur die Schloss-Mitarbeiter haben Zutritt. Museumspädagogin Ulrike Unger hat für die LN eine Ausnahme gemacht und einen Blick in die versteckten Ecken erlaubt.

In der „Silberkammer“ wurde Besteck auf Hochglanz poliert

Besucher kennen das Restaurant und Café „Schlossküche“, den Veranstaltungsraum „Alte Küche“ im Erdgeschoss und die Kachelküche im ersten Obergeschoss. „Hier wurden aber nur Kaffee oder Tee für die Herrschaften zubereitet. Das echte Leben tobte im Küchentrakt im Nord-West-Flügel“, sagt Ulrike Unger. Ein großer Kamin, längst zugemauert, wärmte damals wohl dem Küchenpersonal die Finger beim stundenlangen Polieren des Silberbestecks, der silbernen Vasen und Kerzenständer. Der Raum wurde daher im 17. Jahrhundert „Silberkammer“ genannt.

Das Personal schuftete im Verborgenen

Der große Raum sei aber auch Backstube und Speisekammer gewesen, erzählt die Museumspädagogin. An den dicken Eichenbalken, die durch den Raum verlaufen, befinden sich noch Fleischerhaken. Um Schweine, Rinder oder auch Wildbret hochzuhieven, mag die Winde an der Decke gedient haben. Die zubereiteten Speisen – vieles stammte aus dem Küchengarten – wurden über einen Aufgang vom Küchentrakt aus ins Anrichtezimmer im darüberliegenden Stockwerk getragen. Dort drapierten Bedienstete sie ansehnlich auf Platten und Tabletts. Diese wurden von den Tafeldienern in Empfang genommen, die dann den Herrschaften servieren durften. „Das Personal sollte möglichst unsichtbar sein. Das hat schon eine gewisse Tragik, denn die Dienstboten waren essenziell. Ohne sie wäre ein Hof gar nicht am Laufen zu halten gewesen“, sagt Ulrike Unger.

Was die Besucher im Schloss Eutin sonst nicht zu sehen bekommen

Der ehemalige Küchentrakt war in jüngerer Vergangenheit eine Zeit lang als Wohnung vermietet. Heute ist er Aufenthaltsraum für die Schloss-Mitarbeiter, Lager für Prospekte und den Schloss-Shop. Eine Treppe führt von dort in den ehemaligen Bierkeller des Schlosses. Die Museumspädagogin mutmaßt, dass dort selbst gebraut wurde. Seinen Eiskeller hatte das Schloss bei den Winterlinden nahe der Festspiel-Tribüne.

In der Wachstube steht ein Ofen von 1718

Links vom schweren Eichentor mit den Eisenbeschlägen hinter der Schlossbrücke lag die ehemalige Wachstube, die in früheren Zeiten rund um die Uhr besetzt war. Der Ofen, wohl einzige Annehmlichkeit für die Wachposten, trägt das Datum von 1718 und das Wappen des Fürstbischofs Christian August von Schleswig-Holstein-Gottorf (1673-1726). Die Lasur des Ofens ist hell mit rötlichen Einsprengseln. „Das kommt von der Eisenmischung darin“, erklärt Ulrike Unger, „man nennt ihn Ochsenblutofen.“

Museumspädagogin Ulrike Unger vor ihrem Arbeitsplatz, dem Eutiner Schloss. Quelle: Ulrike Benthien

Badeöfen und Brennhexe: Relikte der Flüchtlingszeit

An den Zweiten Weltkrieg, die Jahre danach und die zahlreichen Flüchtlinge, die im Schloss Zuflucht fanden, erinnern Überbleibsel im Keller: alte Badeöfen und eine „Brennhexe“ (einfache Heiz- und Kochgelegenheit). „1943 nach der Bombardierung Hamburgs wurden Senioren aus einem kirchlichen Altenheim hier untergebracht, 1946/47 kamen die Flüchtlinge aus dem Osten und wurden einquartiert“, berichtet Ulrike Unger. Ältere Relikte, die im Gewölbe lagern, sind gusseiserne Ofenplatten, alte Türen und Reste des Geländers, das einst die Rabatten vor der Südterrasse abgrenzte. Nur als Teilnehmer der Führung „Verborgene Räume“ dürfen Besucher kurz in den Keller schauen und die Treppe zum Turm erklimmen. Hier steht das imposante Uhrwerk, das einmal pro Woche aufgezogen werden muss und seine lauten Schläge durch ein Schnarren ankündigt.

Viele Schätze schlummern noch in Depots

Das Schloss hat mehrere Depots, in denen Gegenstände verwahrt werden, die thematisch gerade nicht in die Ausstellung passen. Ulrike Ungers Lieblings-Depot liegt im 2. Obergeschoss. Hier lagern Zinn- und Porzellangeschirr, gläserne Lampenschirme, Glutpfannen für die Herde und Kamine, Stuckmodeln (Formen) für ein Relief am Portal, Waschschüsseln und Nachttöpfe sowie Pferdegeschirre. Auch die Instrumente der Hornsammlung können nicht alle in der Ausstellung gezeigt werden. Sie liegen ebenfalls sicher verwahrt in den Regalen, genauso wie zur Sammlung gehörende Porzellanfiguren: Reiter mit Posthörnern auf edlen Rössern und eine Postkutsche.

Führungen durch Schloss und Garten

Der „Rundgang durch die Beletage“ dauert 60 Minuten. Bis September täglich um 11 und 13 Uhr.

„16 Stunden. Weißes Leinen: Aus dem Leben der Dienstboten. Zwischen Festtafel und Waschzuber“, Dauer 60 Minuten, bis Oktober immer dienstags um 17 Uhr.

„Samt & Seide: Ein Ausflug in die Welt der höfischen Mode. Mythen und Wahrheiten rund um Korsett, Reifrock und Riechfläschchen“, 60 Minuten, bis Oktober dienstags 17 Uhr.

„Von Puder, Pasteten und Seidentapeten“, für Familien mit Kindern ab fünf Jahren, 60 Minuten, bis August immer montags, mittwochs und freitags um 14 Uhr; im September und Oktober mittwochs und freitags um 14 Uhr.

„Mit Risiken und Nebenwirkungen: Mörderische Geschichten im Hause Schleswig-Holstein-Gottorf. Morbides und Kurioses“, 60 Minuten, bis September mittwochs um 17 Uhr und sonntags um 15 Uhr, im Oktober sonntags 15 Uhr.

„Die Fürstbischöfe von Lübeck und ihr barocker Schatz: das Antependium“, 60 Minuten, Reformationstag, 31. Oktober, 14 Uhr.

„Verborgene Räume. Vom Kellergewölbe bis zur Turmuhr“, 60 Minuten, bis September montags um 17 Uhr, im Oktober mittwochs um 17 Uhr.

„Die klangvolle Welt des Horns“, die Sammlung Bartels/Hein, 60 Minuten, Termine auf Anfrage.

„Von Orgelklang und Küchengeschwätz. Vom Kirchenraum bis zur blauen Kachelküche“, Themenführung für Sehbeeinträchtigte, 90 Minuten, Termine auf Anfrage.

„Herzogliche Gartenfreuden: Ein Streifzug durch den englischen Landschaftsgarten“ – Durch die Lindenallee zum Eiskeller bis zum Küchengarten, 60 Minuten (120 möglich), bis September freitags 17 Uhr, im Oktober freitags 15 Uhr.

Sie werden das Depot nicht mehr verlassen: vergilbte Namensschilder, die früher erklärten, wer auf welchem Gemälde zu sehen war. Zeitgemäßere Hinweistafeln sind an ihre Stelle getreten. Aber Wegwerfen kommt nicht infrage. Und so bleiben auch hier Erinnerungsschnipsel an Ulrica Friederica, Magdalena Sibilla, Ludovicus Ernestus und viele andere – Menschen, die im Schloss gelebt haben, zu Gast waren oder zur Verwandtschaft seiner Bewohner gehörten. Erinnerungen in verborgenen Ecken.

Ulrike Benthien

Der traditionelle Empfang im Rathaus und der Ausmarsch der Paradeformationen zum Festplatz bildeten den Höhepunkt des zweiten Festtages beim 351. Schützenfest der Eutiner Gilde.

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