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Ostholstein Darum gibt es in der Ostsee kaum noch Aale
Lokales Ostholstein Darum gibt es in der Ostsee kaum noch Aale
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11:36 15.08.2019
Fischer Bodo Willert aus Sierksdorf stellt seit 40 Jahren Reusen auf. Selten findet sich ein Aal darin. Quelle: Susanne Peyronnet
Sierksdorf

Für den Fischer Bodo Willert aus Sierksdorf war es kein guter Tag. In 20 Reusen, die er in der Lübecker Bucht aufgestellt hatte, war nicht ein einziger Aal. Das ist nicht ungewöhnlich. „Ich habe die letzten vier Jahre gar nicht mehr nach Aalen gefischt“, sagt Willert. Die Reusen seien nur immer voller Krebse gewesen.

Ein Minus von 43 Prozent

In diesem Jahr hat er erstmals wieder Reusen aufgestellt und ein paar Aale gefangen. Aber die Ausbeute ist mager. Freitag waren es insgesamt 6,5 Kilogramm Aal – in 30 Reusen. Dabei sei jetzt normalerweise Aalzeit in der Lübecker Bucht. Doch die Zahl dieser Fische ist extrem gesunken. Laut dem Institut für Binnenfischerei in Potsdam sind Aalerträge der Erwerbs- und Angelfischerei von 2007 bis 2016 an der Ostseeküste zwischen Schlei und Trave um 43 Prozent zurückgegangen.

Gerade hat der Fischereiverein Sierksdorf-Haffkrug-Scharbeutz, dessen Vorsitzender Willert ist, die Fröhliche Aalwoche gefeiert. Da kam viel Aal auf den Tisch, allerdings kaum einer aus der Ostsee. „Die Aale, die heute in den Geschäften verkauft werden, stammen zu 85 Prozent aus Aquakulturen“, sagt Willert.

Der Aal ist selten geworden in der Ostsee. Quelle: Greenpeace (HFR)

Wie gering die Zahl der Aale ist, belegen die jährlichen Fischereiberichte des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). 2018 wurden in den Häfen an der Ostseeküste im ganzen Jahr gerade mal vier Tonnen Aale angelandet. Zum Vergleich: An Scholle waren es 1200 Tonnen, beim Dorsch 857 Tonnen. Im Jahr zuvor ist der Aal gar nicht extra aufgeführt, das Gewicht der gefischten Aale war so gering, dass es unter „sonstige Konsumfische“ mit abgelegt wurde.

Die Fangmengen seit 2010

So viel Aal wurde in den vergangenen Jahren an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste gefangen:

2010 14 Tonnen

2011 12 Tonnen

2012 10 Tonnen

2013 12 Tonnen

2014 13 Tonnen

2015 15 Tonnen

2016 15 Tonnen

2017 13 Tonnen

2018 14 Tonnen

Darin enthalten sind die recht hohen Zahlen aus der Schlei, die sich zwischen sechs und acht Tonnen bewegen.

Glasaale werden massiv weggefangen

Warum die Aale wegbleiben, darüber kann Willert nur Vermutungen anstellen. „An der Wasserqualität liegt es sicher nicht.“ Zumal alle anderen Fische, wie Scholle, Dorsch oder Meerforellen noch da seien. „Es liegt meiner Meinung nach daran, dass die Glasaale in Spanien, Portugal, Frankreich über Jahre massiv weggefangen wurden. Die gehen in die Aquakulturen, aber auch tonnenweise nach China oder Japan als Potenzmittel, für das viel Geld gezahlt wird.“ Glasaale sind die durchsichtigen Jungfische, die in Europa ankommen und sich auf den Weg zu Flüssen und Binnenseen machen, um dort zu stattlichen Fischen heranzuwachsen.

Zwischen Binnensee und Atlantik

Bis heute ist es nicht gelungen, Aale in Gefangenschaft zu vermehren. Das liegt an ihrem geheimnisvollen Lebenszyklus.

Die Fische halten sich die längste Zeit ihres Lebens in Binnengewässern auf. Sie pflanzen sich jedoch im Sargassosee im Atlantik fort, wo auch ihre Larven schlüpfen. Die wandern von dort aus über 4500 Kilometer zurück nach Europa. Dort kommen sie als durchsichtige Glasaale an. Als Steigaale machen sie sich auf den Weg in Flüsse und Seen.

Dort wachsen sie in bis zu 15 Jahren zu stattlichen Aalen heran, die sich irgendwann zurück auf den Weg in die Sargassosee machen. Dort laichen sie und sterben anschließend.

Aale als Schmuggelware

Die angebliche Potenzwirkung dürfe unter Anglerlatein zu verbuchen sein, erläutert Claus Ubl vom Deutschen Fischerei-Verband. Tatsächlich würden Aale nach Südostasien geschmuggelt. „Da gibt es Gewinnmargen wie sonst nur im Drogengeschäft.“ Die Fische sollten aber nicht die Potenz heben, sondern würde in Aquakulturen groß gezogen, um als begehrte Speisefische auf den Tellern zu landen. Das Problem sei erkannt, der Zoll gehe massiv dagegen vor.

Dass die Ostseefischer wenig bis gar keinen Aal mehr in den Reusen haben, sei auf viele Faktoren zurückzuführen, die letztlich nicht alle erforscht seien. Klar sei: Es kämen nicht mehr genug Glasaale an die europäischen Küsten. Deren Zahl sei bereits vor 50 Jahren deutlich zurückgegangen, sagt Ubl. „Dafür gibt es eine ganze Reihe von Ursachen, die wir nicht erklären können. Es ist vieles rätselhaft.“ Es gebe Wissenschaftler, die vermuten, der Grund für den Rückgang liege irgendwo im Ozean.

In der Ostsee haben die Fischer oftmals gar keinen der Fische in ihren Reusen

Einen Appell, angesichts der Lage keinen Aal mehr zu essen, will Ubl nicht aussprechen. Denn: „Unsere Hauptmaßnahme ist der Besatz.“ Aus dem Erlös des Aalfangs finanzierten Fischer und Angler zu 40 Prozent das Aussetzen von Glasaalen, damit aus ihnen irgendwann große Aale werden, die sich später vermehren. 147 000 Mini-Aale wurden gerade in der Schlei ausgesetzt. Eine teure Angelegenheit: Ein Kilogramm Glasaale kann bis zu 1000 Euro kosten.

Nur für den Eigenbedarf

Bodo Willert fängt Aale, so er denn welche fängt, nur für den Eigenbedarf. Er räuchert sie und gibt sie, falls es mal zu viele sein sollten, an Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn weiter. Beim Fang kommt es nicht nur auf die Zahl der Fische an, sondern auch auf ihre Größe. „Die großen Aale waren eine ganze Zeit gar nicht da, die letzten Jahre waren es wieder mehr“, sagt der Fischer.

Von Susanne Peyronnet

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