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Ostholstein Analog statt digital: Partnersuche an der Bräutigamseiche
Lokales Ostholstein Analog statt digital: Partnersuche an der Bräutigamseiche
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11:58 20.10.2019
Annika Ralf schaut immer wieder einmal bei der Bräutigamseiche vorbei und sichtet neue Briefe. Sie hat sich beim Picknick an der Eiche verlobt. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Bauer sucht Frau. Nicht übers Fernsehen oder über eine von etlichen Single-Plattformen im Internet, sondern ganz klassisch, per handgeschriebenem Brief. „50 Jahre, 1,84 Meter, schlank, mit kurzen Haaren“ ist der Landwirt auf Freiersfüßen, der sich „eine normale, ehrliche Frau“ wünscht und über die Bräutigamseiche im Dodauer Forst sein Glück probiert. Wie er hoffen viele Menschen, dass die oder der Richtige ihren Brief aus dem Baum-Briefkasten herausfischt, zurückschreibt und sie so den Partner fürs Leben finden. Und tatsächlich hat das schon geklappt: „Dank der Bräutigamseiche sind mehrere Ehen entstanden“, weiß Zustellerin Nicole Kurt.

Für die Eiche in Eutin kommen pro Jahr mehr als 1000 Briefe an

Sie bringt seit zehn Jahren vertretungsweise die Post zu dem über 500 Jahre alten, knorrigen Baum im Dodauer Forst. „Pro Tag kommen zwischen vier und zehn Briefe, im Herbst und Winter sind es weniger, im Frühjahr wieder sprunghaft mehr“, sagt die 47-Jährige und lacht. Insgesamt trudeln über 1000 Briefe im Jahr ein. Aus aller Welt schreiben Menschen an die Eiche bei Eutin. „Manche wünschen sich eine Brieffreundschaft, aber die meisten möchten jemanden für eine Beziehung kennenlernen“, sagt Nicole Kurt. Gerade hat sie mit bunten Marken frankierte Post aus Russland, Polen und Pittsburgh in den USA dabei. Das Postgeheimnis gilt an der Bräutigamseiche übrigens nicht: Jeder darf die Briefe öffnen, lesen, mitnehmen oder wieder zurücklegen.

Carsten (30) aus Sachsen beteuert, er suche keine Frau für die Hausarbeit oder als Betthäschen, sondern für die Zukunft. „Riskier einfach mal was, und gib mit mir jedem Tag die Chance der coolste eines gemeinsamen Leben zu sein“, schreibt er. Auf eine Frau „für all jene Dinge, die schöner werden, wenn man sie teilt“ hofft Lukas aus Mecklenburg-Vorpommern, der sein Alter allerdings nicht verraten will. „Wo auch immer sich Menschen kennenlernen wollen, fragt keiner zuerst nach den Angaben im Personalausweis“, ist seine Devise. Anneliese (61) hat ein Passfoto von sich mitgeschickt, die unternehmungslustige Angestellte aus Schwaben könnte sich vorstellen, im Rentenalter zu einem netten Mann in Ostseenähe zu ziehen.

„Handschriften sagen viel über den Briefschreiber aus“

„Die meisten Briefe stammen von Frauen“, sagt Nicole Kurt. Sie findet die Kontaktanbahnung über das Astloch in der Eiche viel besser als eine über die sozialen Medien oder eine Partnervermittlung. „Es ist doch viel persönlicher und diskreter. Manche Briefe sind schön aufgemacht, sehr ansprechend. Und die Handschriften sagen schon viel über den Verfasser aus.“ Viele der Briefe würden von älteren Menschen geschickt. „Sie sind das Schreiben noch gewohnt“, so Nicole Kurt. Die Zustellerin kommt immer gern in den Wald, um dort die Post abzuliefern. „Besonders gern gehe ich den Weg jetzt im Herbst, wenn sich die Blätter verfärben. Da kann ich mal tief Luft holen. Das ist meine kleine grüne Pause“, sagt sie.

Rund 1000 Briefe kommen täglich bei dem alten Baum an, Zustellerin Nicole Kurt bringt sie in den Wald.

Oft wird die Zustellerin an der Bräutigamseiche von Besuchern angesprochen, die sich mit ihr über den besonderen Baum unterhalten. „Und der eine oder andere erzählt dann, dass er über ihn seinem Partner begegnet ist oder sogar geheiratet hat“, sagt Nicole Kurt. Auch ein ehemaliger Kollege hat seine Frau über den Baum im Forst kennengelernt.

Eutiner Hebamme verlobte sich an der Bräutigamseiche

Für Annika Ralf (26), Hebamme aus Eutin, hat die Bräutigamseiche eine besondere Bedeutung, auch wenn sie ihren Zukünftigen, Florian Schäfer (28), nicht darüber kennengelernt hat. „Wir haben uns im August bei einem Picknick hier an der Bräutigamseiche verlobt. Es ist ein so romantischer Ort, vor allem wenn man die Geschichte der Försterstochter kennt“, sagt sie. Die junge Frau musste Ende des 19. Jahrhunderts um ihre Liebe kämpfen und hielt mit ihrem Schatz über längere Zeit Briefkontakt über das heute bekannte Astloch. In das schaut Annika Ralf beim Spaziergang im Forst gern einmal hinein und freut sich über immer neue Geschichten.

„Manche Menschen suchen verzweifelt einen Partner“

Auf der Lichtung, auf der die Eiche steht, legt auch Monika Girndt (68) aus Eutin gern einen Stopp ein. Auf einer Radtour hat sie in den Ferien Enkelin Svea (10) dabei. Beide schauen neugierig ins Astloch und entdecken mehrere Briefe, einer davon kommt aus Lettland. „Aus Japan war auch mal einer dabei“, sagt Monika Girndt. Die Briefe, die sie gelesen habe, seien immer sehr nett geschrieben gewesen. „Bei manchen hat man aber gespürt, dass die Menschen große Probleme haben, weil sie allein sind und verzweifelt jemanden suchen“, erzählt sie.

Nur die Eiche kannte ihr Geheimnis

Die junge Liebe musste zunächst im Geheimen gedeihen – die Eltern waren dagegen. Und so tauschten die Dodauer Försterstochter Waltraud Ohrt und der Sohn eines Leipziger Schokoladenfabrikanten, Franz Schütte-Felsche, innige Briefe aus, die sie im Astloch einer uralten Eiche im Dodauer Forst deponierten. Letztlich gaben die Eltern ihren Widerstand auf, das junge Paar durfte heiraten: Das taten sie am 2. Juni 1891 unter der Eiche.

Seit 1927 hat die Bräutigamseiche eine offizielle Postanschrift. Briefe und Karten, die gerichtet sind an Bräutigamseiche, Dodauer Forst in 23701 Eutin, erreichen mühelos ihr Ziel. Und es trudelt Post aus aller Welt ein: Um die 1000 Sendungen sind es Jahr für Jahr.

Monika Girndt freut sich, „dass in Zeiten von Handy und Internet diese altmodische Variante noch gepflegt wird und die Post hier noch zustellt“. Das soll so bleiben. „Der Post ist es sehr wichtig, diesen Briefkasten zu erhalten“, bekräftigt Nicole Kurt. Schließlich ist die Bräutigamseiche ein Hoffnungsträger für Menschen in aller Welt.

Von Ulrike Benthien

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