Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Polizeischule hat erstmals eine Leiterin
Lokales Ostholstein Polizeischule hat erstmals eine Leiterin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:08 08.04.2019
Maren Freyher führt seit April die Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei in Eutin. Sie trägt jetzt den Titel Leitende Polizeidirektorin.
Maren Freyher führt seit April die Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei in Eutin. Sie trägt jetzt den Titel Leitende Polizeidirektorin. Quelle: Ulrike Benthien
Anzeige
Eutin

Zweieinhalb Jahre war Maren Freyher stellvertretende Leiterin der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei (PD AFB) auf der Hubertushöhe. Seit 1. April ist die 49-Jährige Behördenleiterin. Und nicht nur das: Sie ist die erste Frau in der Geschichte der Landespolizei, der die Leitung einer Polizeidirektion übertragen wurde. Dass im Zusammenhang mit ihrer neuen Funktion fast unmittelbar der Zusatz folgt „die erste Frau an der Spitze der PD AFB“ ist etwas, das Maren Freyher nicht unbedingt behagt: „Ich freue mich, dass mir diese verantwortungsvolle Aufgabe anvertraut wurde. Allerdings ist die Facette ,erste Frau’ nicht meine Perspektive. Ich würde mir wünschen, dass ich diese ,von außen zugeschriebene Exklusivität’ gar nicht innehätte und es bereits zwei oder drei Frauen auf dieser Ebene geben würde“, sagt sie. Übertragen worden sei ihr ihre neue Aufgabe aufgrund ihrer gezeigten Leistungen und Kompetenzen, macht sie deutlich.

Auf gesellschaftliche Änderungen reagieren

1987 begann Maren Freyher nach der Mittleren Reife ihre Ausbildung bei der Landespolizei. Sie qualifizierte sich für den gehobenen und den höheren Dienst und durchlief diverse berufliche Stationen, bis sie 2016 nach Eutin kam. Ihr Anspruch für die künftige Ausrichtung der Polizeischule: „Wir müssen veränderte gesellschaftliche Anforderungen aufmerksam wahrnehmen und aufnehmen.“ Aus- und Fortbildung, der Einsatz und auch die Personalrekrutierung samt Ausbildungsmarketing müssten inhaltlich und strukturell angepasst werden.

Nach Negativschlagzeilen der vergangenen Jahre, unter anderem über sexistische und rassistische Vorwürfe, wünsche sie sich inständig für alle Kollegen, dass die tollen Kompetenzen und Leistungen der Anwärter, der Fachlehrer als auch der 1. Einsatzhundertschaft und der Werbe- und Einstellungsstelle wieder im Vordergrund stünden, sagt Maren Freyher. Das Vertrauen der Öffentlichkeit müsse wiederhergestellt werden.

„Anwärter sind in einem Entwicklungsprozess“

Sie bedaure, sagt die Behördenleiterin, dass in der öffentlichen Diskussion oftmals verkannt werde, dass die Anwärter, eine Gruppe von circa 1000 Menschen im Alter zwischen 16 und 35 Jahren pro Jahr, sich in einem Entwicklungsprozess befänden. „Die Auszubildenden oder Studierenden werden mit dem formellen Akt am Tag der Einstellung und der Verleihung der Urkunde formalrechtlich zu Polizeibeamten. Und sie unterliegen dem berechtigten besonderen Maßstab der Gesellschaft. Eine berufliche Sozialisierung erfolgt aber im Rahmen der gesamten Ausbildung“, gibt sie zu bedenken. „Leider werden einzelne Sachverhalte zu schnell öffentlich als ,Skandal’ bewertet. Da wünsche ich mir einen offenen kritischen Dialog und einen fairen Umgang mit den Betroffenen und mit der PD AFB“, sagt Maren Freyher.

Zwölf Disziplinarverfahren bei 1000 Auszubildenden

Sie versichert: „Die Öffentlichkeit kann sich absolut darauf verlassen, dass ein konsequenter Umgang erfolgt, um festzustellen, ob jemand als Polizeibeamter geeignet ist.“ Zum Verständnis führt sie die Anzahl der Disziplinarverfahren von Anwärtern an: Es waren zehn im Jahr 2016, sechs im Jahr 2017 und zwölf im vergangenen Jahr.“ Gerechnet auf rund 1000 Anwärter handele es sich um einen ganz geringen Prozentsatz.

Fokus liegt auf Nachwuchsgewinnung

Als Ziele für die Polizeischule nennt die neue Leiterin: mehr Lehrkräfte und den Ausbau des digitalen Lernens. Es solle auch ein verstärkter Abgleich mit anderen polizeilichen und allgemeinen Bildungsträgern erfolgen. „Von besonderer Bedeutung ist und bleibt eine stabile Nachwuchsgewinnung“, konstatiert Maren Freyher. Zu einer Attraktivitätssteigerung der Behörde trage das 2018 eingeweihte Einsatztrainingszentrum bei. Zehn Millionen Euro hatte das Land dafür gegeben.

Die Schmiede der Landespolizei

Der Polizeidirektion in Eutin gehören rund 1700 Mitarbeiter an. Sie ist die zentrale Ausbildungseinrichtung für die gesamte Landespolizei. Derzeit werden dort etwa 1200 junge Menschen in drei Jahrgängen ausgebildet. Auch die komplette Fortbildung der Landespolizei wird in Eutin geplant, organisiert und ausgeführt. Auf der Hubertushöhe ist zudem die Einsatzhundertschaft stationiert.

Weitere Bauvorhaben zur Verbesserung der Infrastruktur der Polizeidirektion in Eutin sind schon geraume Zeit geplant. So soll 2020 der Bau von zwei Unterkunftsgebäuden und eines neuen Wirtschaftstraktes mit Küche und Speisesaal starten. „Das Land hat auch die Ausrüstung und die personelle Ausstattung im Blick. Aber wir sind natürlich nicht die einzige Behörde der Landespolizei, die regelmäßig Bedarf anmeldet“, sagt Maren Freyher.

ben