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Ostholstein Die Neustädter Küstenwache bekommt fast zehn Millionen Euro
Lokales Ostholstein Die Neustädter Küstenwache bekommt fast zehn Millionen Euro
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17:59 24.01.2020
Der ostholsteinische Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens (4. v. r.) und der Maritime Koordinator der Bundesregierung Norbert Brackmann (2. v. r.) beim Besuch der Bundespolizei See in Neustadt. Quelle: HFR
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Neustadt

Die Bundespolizei See und die Stadt Neustadt sind seit Jahrzehnten eng miteinander verbunden. Die Küstenwache ist ebenso wie die Marine auf dem Neustädter Wieksberg untergebracht und gilt als ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Dass die Beamten noch lange bleiben werden, scheint sicher. Der Bund wird in den nächsten Jahren über 9,8 Millionen Euro in die Erweiterung des Maritimen Schulungs- und Trainingszentrums investieren.

Seit September 2005 werden dort Mitarbeiter von Zoll und Bundespolizei ausgebildet – mit dem Ziel, sie zu Seeleuten zu machen. Inhaltlich ging es bislang vor allem um Dinge wie Navigation, Motorenkunde, Elektrotechnik, Radarschulung und Notfalltraining. Doch die Anforderungen werden immer komplexer: In den vergangenen Monaten wurde drei neue 86,20 Meter lange Super-Schiffe in den Dienst gestellt. Im Gegensatz zu den Vorgängern gibt es eine Kanone an Bord. Zudem sollen Drohnen angeschafft werden.

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Dass das neue Schiff deutlich größer wird, war bereits während der Bauphase auf dem Gelände der Fassmer-Werft in Berne bei Bremen gut zu erkennen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Waffenwerkstatt wird umgebaut

Der ostholsteinische Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens (CDU) und der Maritime Koordinator der Bundesregierung Norbert Brackmann (CDU) besuchten jetzt das Neustädter Gelände und informierten sich über die Pläne. Laut den beiden Christdemokraten wird die Waffenwerkstatt zum zentralen Lehrsaalgebäude Schiffssimulationstechnik. Die Kosten beziffern sie auf rund sechs Millionen Euro, welche im Bundeshaushalt 2020 bereitgestellt worden seien. Die Arbeiten sollen spätestens 2024 abgeschlossen sein.

Lesen Sie auch: Die wichtigsten Fakten zu den neuen Super-Schiffen

Weitere 3,8 Millionen Euro seien für die Einrichtung von Übernachtungsräumen vorgesehen, deren Fertigstellung für 2026 geplant ist. „Seit Mitte 2013 fahren auf Nord- und Ostsee alle Schiffe von Bundeszoll und Bundespolizei mit gemischten Besatzungen“, sagte Brackmann. „Jedes Schiff ist damit in der Lage, alle Aufgaben aus den unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen von Zoll und Bundespolizei zu erledigen.“ Teil des entsprechenden Beschlusses im Haushaltsausschuss von 2012 sei es gewesen, dass die nautische und technische Ausbildung des Personals des Bundeszolls künftig ausschließlich beim Maritimen Schulungs- und Trainingszentrum der Bundespolizei See in Neustadt erfolge.

Mehr Platz für Lehrgangsteilnehmer

„Um diese zusätzlichen Kapazitäten aufnehmen zu können und auch den Anforderungen einer modernen Ausbildung zu genügen, investiert der Bund nun weiter in Wohn- und Lehrräume“, teilen die Politiker mit. Der geplante Ausbau werde dazu beitragen, die internationale Reputation weiter zu erhöhen. Perspektivisch könne der Standort zum Maritimen Ausbildungszentrum mit internationalem Anspruch werden, an dem auch Polizisten anderer Nationen ausgebildet werden.

Der Bau der drei neuen Schiffe als multimediales Erzählstück

Ein Sprecher der Bundespolizei See teilte den LN zudem mit, dass die eingangs erwähnten mehr als sechs Millionen Euro auch für Simulationstechnik vorgesehen seien. Bereits 2016 hieß es, dass ein Schiff-Simulator angeschafft werden solle. Ziel war es, die Anlage vor der Indienststellung der neuen Schiffe vor Ort zu haben. Dies ist nicht gelungen.

Simulator statt Training an Bord

Neben dem Besuch der Bundespolizei See stand für Brackmann und Gädechens auch eine kurze Stippvisite bei der Marineschule Mürwik in Flensburg auf dem Programm. Dort werden die in Neustadt ausgebildeten Bundespolizisten im Schiff-Simulator geschult. Damit zukünftig in Neustadt auch die gesamte Ausbildung vollzogen werden könne, plane die Bundespolizei die Neubeschaffung eines identischen Schiff-Simulators. „Der neue Simulator könnte die nautische Ausbildung unglaublich positiv und kostensparend verändern“, sagte Gädechens. „Da sämtliche Boote im ständigen Einsatz sind, stehen sie für navigatorische Ausbildungsfahrten nur sehr begrenzt zur Verfügung.“ Die digital-virtuelle sehr einsatznahe Ausbildung verschaffe einen überaus realistischen Eindruck.

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Von Sebastian Rosenkötter