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Ostholstein Stadt möchte das Witwenpalais kaufen
Lokales Ostholstein Stadt möchte das Witwenpalais kaufen
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10:49 16.05.2019
Ein historisches Juwel mitten in Eutin: das Witwenpalais am Markt. Der Vertreter der Eigentümer hat es der Stadt zum Kauf angeboten. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Beim Blick auf das Witwenpalais am Eutiner Marktplatz bedauern viele Touristen wie Einheimische, dass ihnen ein Blick ins Innere oder gar ein Besuch verwehrt ist. Das könnte sich möglicherweise ändern. „Der Eigentümervertreter ist Anfang des Jahres mit einem Verkaufsangebot an mich herangetreten“, sagt Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos). Die Fraktionen sollen nach LN-Informationen durch die Bank dafür sein, das Gebäude in städtischen Besitz zu bringen. In Teilen sollen sie sich aber Bedenkzeit wegen des Preises erbeten haben. Über den wird eisern geschwiegen.

Palais ist der Stadt schon einmal angeboten worden

Bereits im Herbst 2008 wollte der Eigentümer das Palais an die Stadt vermieten, nur das Erdgeschoss (2500 Euro plus Nebenkosten) oder in Gänze (4000 Euro) – nach Belieben. Die Stadt lehnte damals ab: kein akzeptables Angebot, kein Raumbedarf. Im Frühjahr 2009 gab es Verkaufsabsichten des Eigentümers und auch erste Gespräche mit der Stadt. Damals war von einem Preis von 1,7 Millionen Euro die Rede.

Im September 2000 begann die dreijährige Bauzeit am Herzoglichen Palais am Markt.

Sanierungskosten: rund 2,5 Millionen Euro

Dr. Dietrich Fey, früherer Computerexperte und Kunstliebhaber, hat Gebäude und Grundstück 1999 für 750 000 Mark in einer Zwangsversteigerung erworben, nachdem es mehrere Jahre lang leer stand und vor sich hin rottete. Nach seinen Angaben betrug die Summe für die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Witwenpalais (von September 2000 bis September 2003) rund 2,5 Millionen Euro. Davon habe er 20 Prozent aufgebracht, erklärte er damals. 30 Prozent habe die öffentliche Hand beigesteuert, 50 Prozent der Summe sei finanziert worden. Mitte der 2000er Jahre übergab Dietrich Fey das Witwenpalais an seinen Sohn, einen Hamburger Kaufmann.

„Das Witwenpalais ist ein wichtiges historisches Gebäude, das der Öffentlichkeit leider schon lange nicht mehr zugänglich ist“, sagt Carsten Behnk. Es steckten Mittel der alten Städtebauförderung darin, ebenso erhebliche Gelder von der Stadt, aber es gebe keine Zweckbindung, so Behnk. In den Jahren seit Wiedereröffnung des Palais nach der Sanierung hatten Fey senior und junior verschiedene Unternehmungen gestartet. Die ursprüngliche Idee, wechselnde kleine Marktstände ins Haus zu holen, zündete nicht. Auch mit Restaurants und Cafés, verschiedenen Ausstellungen, einer Strand-Bar vor dem Palais und zuletzt einem Club nur für ausgewählte Gäste klappte es nicht.

Heiraten im Standesamt im „Stadtpalais“

„Ich finde es wünschenswert, dass das Gebäude in irgendeiner Form öffentlich genutzt werden könnte“, sagt der Bürgermeister. Für den Fall, dass die Stadt Eigentümerin des Witwenpalais werden würde – sie besitzt ein Vorkaufsrecht –, könnte er sich „beispielsweise das Standesamt in den repräsentativen Räumen“ gut vorstellen. Im Erdgeschoss gibt es auch einen geräumigen Audienzsaal. „Die Stadtverwaltung hat Raumbedarf, und das Standesamt leidet derzeit unter großer Platznot.“ Allerdings müsse dann ein anderer Name gewählt werden, spinnt der Bürgermeister den Faden weiter. „Welche Frau will denn im Witwenpalais heiraten?“ sagt er und schlägt als Alternative die Umbenennungs in „Stadtpalais“ vor. Probleme würden für das Vorhaben allerdings der schwierige Schnitt der Räume (sie gehen im Erdgeschoss größtenteils ineinander über) und die fehlende Barrierefreiheit darstellen.

Kommunalaufsicht müsste Kauf genehmigen

Vor einem möglichen Kauf seien einige Hürden zu überwinden, gibt der Verwaltungschef zu bedenken. „Wir müssen die Rahmenbedingungen klären, ehe wir Verhandlungen führen. Es muss entweder Geld in einem Nachtragshaushalt 2019 bereitgestellt werden, oder die Summe muss für den nächsten Haushalt angemeldet werden. Das müssten wir uns zudem von der Kommunalaufsicht genehmigen lassen.“ Vor allem sei Eutin darauf angewiesen, dass es Städtebaufördermittel für den Ankauf beantragen könne und diese auch zugestanden würden, sagt der Bürgermeister.

Die Witwe zog nie ein

Den ihr zugedachten Wohnsitz am Markt hat Ulrike Friederike Wilhelmine Herzogin von Holstein-Oldenburg (geboren am 31. Oktober 1722 in Kassel, gestorben am 28. Februar 1787 in Eutin) nie bezogen. Das Palais, das für die Witwe von Friedrich August I. Herzog von Oldenburg und Fürstbischof von Lübeck (1711 bis 1785) gebaut wurde, entstand in den Jahren 1786/87 und war bis zu ihrem Tod nicht fertiggestellt.

Dr. Dietrich Fey kaufte das historische Gebäude 1999 in einer Zwangsversteigerung – nachdem es seit Anfang der 1990er Jahre leerstand. Er ließ es aufwendig denkmalgerecht sanieren und wollte es nach eigener Aussage zu einem „Haus der Feste und Begegnung“ machen. 2003 wurde es zum Tag des offenen Denkmals nach drei Jahren Bauzeit wiedereröffnet.

Ulrike Benthien

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