Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Die Suche nach den Wurzeln
Lokales Ostholstein Die Suche nach den Wurzeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:55 27.11.2017
Quelle: LN-Archiv
Eutin

Familienforscher hätten nicht mehr Verwandte als andere, „sie wissen nur von mehr Verwandten“ sagt einer, der sich auskennt: Dr. Klaus-Dieter Kohrt, zweiter Vorsitzender des Vereins für Schleswig-Holsteinische Familienforschung. Er gehört zu denen, die sich durch die Archive von Standesämtern und Kirchen wühlen, in Registern suchen und Daten aus Volkszählungen sichten. Nach einer Veröffentlichung des „Sozialverband Vdk Deutschland“ ist es die Sehnsucht nach einem „Gefühl von Heimat und Geborgenheit“, die diese Menschen antreibt.

Das gilt auch für etliche der 20 Seminarteilnehmer, deren Blicke in der Eutiner Landesbibliothek an diesem Sonnabendnachmittag erwartungsvoll auf Klaus-Dieter Kohrt gerichtet sind. Karin Dmoch aus Haffkrug schaut „auf ein bewegtes Leben zurück“. Mit elf Jahren flüchtete die heute 70-Jährige mit ihren Eltern aus der damaligen DDR. Damit „die Familien- Geschichte nicht vergessen wird“, schreibt die Hobbyforscherin sie für ihre zwei Söhne auf. 

Der Experte

Klaus-Dieter Korth.

Klaus-Dieter Kohrt studierte Mathematik und Informatik; arbeitete bei Siemens. Seit 2010 gehört seine Leidenschaft der Familienforschung. Angefangen mit der eigenen Geschichte, die sich von Deutschland über die Niederlande und Polen bis nach Südafrika und in die USA zieht, ist er in mehreren Genealogie-Organisationen wie der Schleswig-Holsteinischen Familienforschung (http://shfam.genealogy.net) aktiv. Partnerverein ist der Lübecker Verein für Familienforschung (www.familienforschung-luebeck.de).

Doch trotz aller Bemühungen hat Karin Dmoch bislang keine Hinweise auf die familiären Wurzeln von Anna Adamiak („meine Großmutter väterlicherseits“) entdecken können. „Heute erhoffe ich mir weitere Tipps, wo ich ansetzen kann.“ Am Ende des Seminars wird sie neue Quellen kennen, die es zu erforschen gilt.

Andere sind schon weiter. Ein Seminarteilnehmer, dessen Familie aus dem Sudetenland stammt, kann seine Vorfahren bis ins Jahr 1650 zurückverfolgen. Nun stößt er beim Erkunden internationaler Archive an die Grenzen seiner englischen Sprachmöglichkeiten. Expertenhilfe ist gefragt. Die suchen auch Kay Köppen und seine Mutter Christa (69). Der 44-jährige Groß Meinsdorfer möchte „endlich mehr über die buckelige Verwandtschaft“ erfahren, die aus Vorpommern und Ostpreußen stammt.

Durch die Öffnung der Grenzen und das Internet sei die Forschung zwar einfacher geworden, sagt Klaus-Dieter Korth, „die früheren Ostgebiete sind aber eine besondere Herausforderung.“ Ein interessantes Quellenstudium biete unter anderem das Landeskirchliche Archiv in Greifswald.

Kay Köppen (44) ist mit Mutter Christa (69) aus Groß Meinsdorf gekommen. Er möchte mehr über die „buckelige Verwandtschaft“ wissen. Fotos: jhw

 Unterstützung und „Hilfe zur Selbsthilfe“ komme zudem vom Verein „Pommerscher Greif“, dessen Vorsitzender Klaus-Dieter Kohrt ist. Auch viele der genealogischen Online-Portale wie „Gedbas“ aus Deutschland vom Verein für Computergenealogie oder die amerikanische Datenbank „Family-Search“ seien kostenlos. Das gelte ebenso fürs französische „GeneaNet“. Die größte internationale Datenbank zur Familienforschung ist „Ancestry“ aus den USA. Ihre Nutzung ist allerdings kostenpflichtig.

Erstmal sammeln, sichten und sortieren

Bevor sich Familienforscher in ihr Abenteuer stürzen, sei es wichtig, sich zunächst darüber klar zu werden, was man bereits über die eigene Familie wisse, sagt Korth. „Die nächsten Schritte: Was wollen Sie über Ihre Familie herausfinden, welche Aufzeichnungen können helfen, wie nutzen Sie diese und wie erfassen und verwalten Sie Ihre Ahnendaten?“ Für alle Familienforscher gelte: „Erstmal sammeln, sichten und sortieren, dann Strukturen hereinbringen.“
Der gebürtige Flensburger, der heute in Eckernförde lebt, gibt am Beispiel seiner eigenen Familiengeschichte zahlreiche Informationen und weist auf Fallstricke hin. Standesamtsregister würden in Deutschland erst seit 1874 geführt, vorher habe es nur Kirchenregister gegeben. „Da wurden die Namen vom Pastor aufgeschrieben und zwar so, wie er es gehört hatte.“ Auch daher rührten Namensähnlichenkeiten wie „Kort, Cohrt oder Koordt“. Bei der Geburt von Mädchen sei an den Familiennamen früher häufig ein „e“ oder „n“ angehängt worden. Beispielsweise Goetje/Goetjen oder Poll/Pollen. Daher könne man trotz unterschiedlicher Schreibweise doch miteinander verwandt sein. „Je mehr man erfährt, desto mehr will man wissen. Irgendwann kommt man nicht mehr davon los“, sagt Klaus-Dieter Korth. „Familienforschung kann zur Obsession werden.“

Martina Janke-Hansen

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!