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Ostholstein Die Trassen von Land und Bahn im Vergleich
Lokales Ostholstein Die Trassen von Land und Bahn im Vergleich
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22:37 07.05.2014
Bis zu 78 Güterzüge könnten nach dem Bau des Belttunnels durch Ostholstein rollen — nur über welche Trasse ist noch offen. Foto*: Marohn
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Oldenburg

Oldenburg — Das Land weicht in seiner Bewertung in vielen Bereichen von dem Vorschlag der Bahn ab. Während sich das im Süden vor allem bei der Umfahrung der Bäderorte bemerkbar macht, dürfen im Norden Beschendorf, Lensahn und Großenbrode auf eine Entlastung durch eine Ortsumfahrung hoffen. Begründet hat das Land dies in seiner 484 Seiten umfassenden Beurteilung. Die LN haben sich das Werk genauer angesehen. Grundsätzlich gilt: Das Land berücksichtigt auch bei Neubauabschnitten den Bau von Lärmschutzwänden. Naturschutzrechtliche Herausforderungen hingegen werden im Detail oft in das Planfeststellungsverfahren verschoben. Für den Nordbereich gibt es aber offenbar keine unüberwindbaren naturschutzrechtlichen Probleme für die nun vorgesehene Trasse. So sieht es in den einzelnen Abschnitten aus:

Großenbrode: Anders als die Bahn hält die Landesplanung eine Umfahrung Großenbrodes sogar für „erforderlich“. Die Situation der Menschen durch die Verminderung von Lärm und Schallimmissionen „verbessert sich auf signifikante Weise“, heißt es in der Beurteilung. Die Flächenverluste für die Landwirte seien hingegen „gerade noch vertretbar“.

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Göhl, Heringsdorf, Oldenburg: Einigkeit herrscht zwischen Land und Bahn bei der ortsnahen Trassenführung in dem Bereich. Grund sind erhebliche Beeinträchtigungen für den Naturschutz bei einer ortsferneren Variante. Der dadurch erzwungene Ausbau der Bestandstrasse führt in Oldenburg zur etwas ortsnäheren Querung des Oldenburger Bruchs.

Damlos, Lensahn, Beschendorf, Altenkrempe: Anders als die Bahn, die bis auf einen Schwenk hinter Lensahn an die Autobahn die Bestandstrasse ausbauen wollte, sieht das Land eine parallele Trasse zur Autobahn als raumverträglichste Variante an. Der höhere Flächenverbrauch gegenüber der Bestandstrasse ist laut Land vertretbar. Allerdings macht Kiel auch einen Vorbehalt: Bezüglich der „artenschutzrechtlichen Problemlagen“ bleibe es dem Planfeststellungsverfahren vorbehalten, eine abschließende und eindeutige Entscheidung zu treffen.

Neustadt, Roge, Sierksdorf: Keine Differenzen zwischen Land und Bahn gibt es im Bereich Neustadt. Die von der Bahn vorgeschlagene Strecke sei „alternativlos“, heißt es vom Land. Der Grund:

Eine Elektrifizierung, geschweige denn ein Ausbau der Bahnstrecke durch das Neustädter Binnengewässer sei allein schon aus Naturschutzgründen „nicht zulassungsfähig“.

„2+1“-Variante und Anbindung Neustadt: Das Land hält es im Zuge der Überprüfungen der Planungsunterlagen nicht für erforderlich, dass die größte Stadt im Nordteil des Kreises Ostholstein an den Verkehr in Richtung Norden und nach Skandinavien angebunden wird. Dies wäre im Zuge des 2+1-Konzeptes des Kreises möglich gewesen. Kernargument des Landes ist, dass bei einer Elektrifizierung der vorhandenen eingleisigen Strecke nicht verhindert werden könnte, dass dort später auch Güterzüge rollen werden.

Diese Argumentation hat jedoch gleich zwei Haken. So sieht das Konzept des Kreises eine Elektrifizierung überhaupt nicht vor. Außerdem wäre die Frage, wo Güterzüge, die auf der eingleisigen Strecke verkehren würden, überhaupt hinwollten. Die Strecke endet bislang in einem Sackbahnhof in Neustadt. Selbst bei einem Bau der vom Kreis geforderten Nordkurve als Anbindung Richtung Nordkreis und Dänemark müssten die Lokomotiven der Güterzüge dann aufwendig umgespannt werden. Dafür wären Rangiergleise erforderlich — die wurden in Neustadt aber bereits vor Jahrzehnten abgebaut.

Hier können sich Bürger informieren
In Oldenburg findet am heutigen Donnerstag die 14. Sitzung des Dialogforums Feste Fehmarnbeltquerung statt. Los geht es um 17 Uhr im Gewerbezentrum Oldenburg (Neustädter Straße 26-28). Im Vordergrund stehen diesmal die Ergebnisse des Raumordnungsverfahrens. Zuschauer sind willkommen und können die Sitzung vor Ort verfolgen. Zuvor steht Christoph Jessen, Sprecher des Dialogforums, von 15.30 bis 16.30 Uhr im Gewerbezentrum Oldenburg, Raum 101, für eine Bürgersprechstunde zur Verfügung. Die Sitzung kann live oder danach auf der Internetseite des Dialogforums (www.fehmarnbelt-dialogforum.de) verfolgt werden.
In Damlos sind Einwohner der Gemeinden Beschendorf, Damlos und Lensahn zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Planfeststellung eingeladen, und zwar am Mittwoch, 21. Mai, um 19 Uhr in der Bürgerbegegnungsstätte. Dabei sollen unter anderem der Ablauf des Verfahrens sowie die Möglichkeit einer Beteiligung erörtert werden. Vorgesehen ist ebenfalls, das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens vorzustellen. Anwesend sein wird auch Rechtsanwältin Dr. Michéle John, sie will über den Sachverhalt informieren sowie eine Mustereinwendung für die betroffenen Bürger mitbringen.

Holger Marohn

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