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Ostholstein Die geheimen Papiere der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe
Lokales Ostholstein Die geheimen Papiere der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe
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20:10 31.03.2015
Der geplante Wohnmobil-Stellplatz Nordweide: An den vier Gebäuden im oberen Bereich dieses Entwurfes scheiden sich die Geister. Die Bürger wurden von den HVB sowie Politikern darüber nicht ins Bild gesetzt.
Heiligenhafen

Der Wohnmobilplatz Nordweide bleibt das Streitthema in Heiligenhafen. Den LN liegen vertrauliche Dokumente vor, denen neue Hintergründe zum Disput um das Restgrundstück Nordweide zu entnehmen sind. Auf einer Skizze in der Vorlage der jüngsten Stadtvertreter-Sitzung vom 19. März sind hinter dem Wohnmobilplatz vier große Ferienobjekte (siehe Bild) zu erkennen, die offiziell aber gar kein Thema sein sollen. Aus den Papieren geht jedoch hervor, dass diese Bauten bereits seit vergangenem Sommer die Runde machen.

Es geht immer noch um die Frage, was auf der Nordweide von wem entwickelt wird. Grundsätzlich waren zwei konkurrierende Investoren aufgetreten, die beide dort einen Wohnmobilplatz bauen und betreiben wollen. Die Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB) erhielten in der Stadtvertretung mit 14:4 Stimmen den Zuschlag für ihre Variante des Wohnmobilplatzes. Die in der Abstimmung unterlegenen Stadtvertreter von BfH und FDP sowie Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) sehen in diesem Beschluss einen wirtschaftlichen Schaden für die Stadt und streben daher einen Bürgerentscheid an, um den Beschluss außer Kraft zu setzen. Dann wäre auch der konkurrierende Investor Stolz/Behrens wieder im Spiel.

Die den LN vorliegenden Dokumente beziehen sich auf einen früheren Zeitpunkt und stammen von HVB-Geschäftsführer Joachim Gabriel. Am 26. August 2014 schreibt er an die Stadt. Es geht um das besagte Grundstück Nordweide, den Bebauungsplan 60: „Es wäre vorteilhaft und wünschenswert, wenn die Fläche nicht nur für den Reisemobilplatz, sondern darüber hinaus möglichst auch für die verbleibende Fläche mit der Festsetzung Sondergebiet ,Ferienwohnen‘ überarbeitet wird.“ Nach Abschluss beider B-Planverfahren wäre für das Grundstück ein städtebaulicher Planungszustand „aus einem Guss“ hergestellt. Gabriel benennt sogar eine mögliche Grundstückskäuferin namentlich und skizziert seine Pläne konkret: „Bei der Abgabe der Grundstücke sollten aus meiner Sicht für die Stadt folgende Ziele erreicht werden. ... Die Grundstücksflächen sind primär für den Nutzungszweck Reisemobilstellplatz und die verbleibenden Flächen für den Nutzungszweck ,Ferienwohnen‘ vorzusehen.“

Gabriel hat somit seit vergangenem Sommer genaue Vorstellungen, wie mit dem Grundstück verfahren werden könnte. Auf einer Skizze in der Vorlage der jüngsten Stadtvertreter-Sitzung vom 19. März sind nun tatsächlich hinter dem Wohnmobilplatz vier große Ferienobjekte (siehe Bild) zu erkennen. Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) hatte die Entwürfe in der Stadtvertretung öffentlich gemacht und gemahnt: „Es handelt sich hier um konkrete Planungen. Investoren und Planer wollten das Projekt öffentlich vorstellen.“ Müller weiter: „Der Bebauungsplan lässt dies ja sogar zu. Ist das Grundstück erst verkauft, bräuchte es für die Bebauung nicht einmal einen Stadtvertreterbeschluss.“

Dass es sich um konkrete Planungen handelt, dem widersprechen jedoch CDU, SPD und Grüne vehement. Es handle sich um bloße Planskizzen. Dem scheint nicht so zu sein. Vielmehr wissen die Stadtvertreter von den Vorschlägen der HVB in Bezug auf die Bebauung und die Finanzierung seit vergangenem Sommer, beteuern aber in Teilen bis heute dennoch öffentlich, dass es keine konkreten Ideen für den hinteren Teil des Grundstückes gebe. Auch Gabriel beteuert, die HVB hätten nichts in Bezug auf eine Bebauung mit Ferienwohnungen selber geplant. Womit er auch Recht hat. Denn laut den Unterlagen möchte er die Ferienkomplexe auch nicht selber bauen, schlägt der Stadt jedoch ein konkretes Vorgehen unter Beteiligung eines dritten Investors vor, der dies tun soll. Gabriels Ziel ist offenbar, den Flächenpreis für den eigenen Wohnmobilplatz drastisch zu senken. Gabriel rechnet dabei wie folgt:

Die Stadt hatte das Grundstück einst selbst für 700000 Euro gekauft und müsste unter dem Aspekt der Refinanzierung jetzt mindestens 750000 Euro damit einlösen. Bei einem Quadratmeterpreis von 20 Euro für die 18280 Quadratmeter des HVB-Wohmobilplatzes ergäbe sich ein Kaufpreis von 365600 Euro. Für die Fläche Ferienwohnen mit 12219 Quadratmeter und einem deutlich höherem Quadratmeterpreis von 31,50 Euro durch besagten Drittinvestor kämen nochmals 385000 Euro in die Kasse. Gabriel begründet die unterschiedlichen Quadratmeterpreise am 27. August 2014 damit, „...

dass die Nutzung Ferienwohnen gegenüber der Nutzung Reisemobilstellplatz als deutlich höherwertig einzuschätzen ist“. Aus beiden Beträgen ergäben sich dann die erforderlichen Einnahmen für die Stadt in Höhe von 750000 Euro.

Was jedoch verwundert: Der konkurrierende Wohnmobilplatz-Investor Stolz/Behrens hat einen Quadratmeterpreis von 34 Euro für die Gesamtfläche geboten, was insgesamt eine gute Million Euro an Einnahmen für die Stadt mit sich bringen würde. Warum sollte die Stadt deswegen einen deutlich niedrigeren Quadratmeterpreis der HVB akzeptieren? Zumal dies noch offen ist, denn der Stadtvertreterbeschluss pro HVB-Variante selber sieht keinen konkreten Grundstückspreis, den die HVB an die Stadt zu entrichten hat, vor. Somit erscheint auch eine plausible Rentabilitätsrechnung zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht möglich. Als weiteres Argument für die Ablehnung des Mehrheitsbeschlusses führt Stadtvertreter Karl-Uwe Baecker (FDP) die höheren Einnahmen durch die Gäste an. Der HVB-Platz soll nämlich 95 Stellplätze haben — der von Stolz/Behrens aber 160.

Die HVB waren zu einer Stellungnahme nicht bereit.

Schwarz auf weiß
Nun liegen sie also vor — schwarz auf weiß: Dokumente, die die wahre Absicht der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe in Sachen „Nordweide“ belegen. Was Bürgermeister Müller, BfH und FDP wochen- und monatelang kritisiert hatten, wird hiermit bestätigt: Die HVB-Gedankenspiele gehen deutlich weiter als bisher öffentlich zugegeben. Die Briefe aus dem August 2014 belegen, was die HVB-Geschäftsführer von den Aufsichtsratsmitgliedern (den Stadtvertretern) erwarteten: eine Zustimmung zu ihrer Nordweide- Variante, inklusive der vier Appartement-Häuser unter der Bezeichnung „SO Ferienwohnen“.
Man erinnert sich: Als Müller ein Entwurf in die Hand fiel, wiegelten HVB samt SPD, CDU und Grüne eiligst ab. Noch in der Stadtvertretersitzung hieß es unisono: Dies seien nur Ideenskizzen eines Architekten. Jetzt weiß man es besser. Die HVB-Gedankenspiele sind seit längerer Zeit konkret. Dass sie bei der Abstimmung durch SPD, CDU und Grüne eine Mehrheit bekamen, ist durchaus Demokratie-konform.
Dass diese Stadtvertreter den Zuhörern und ihren Wählern aber nicht die volle Wahrheit sagten, offenbart ein merkwürdiges Verständnis vom Umgang mit dem Heiligenhafener Bürger — und auch von Demokratie.
Louis Gäbler (54) über
die Pläne von HVB und
Stadtvertretern zur „Nordweide“.

Louis Gäbler und Peter Mantik

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