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Ostholstein Das Kremper Tor in Neustadt: Wie aus dem Gefängnis ein Museum wurde
Lokales Ostholstein Das Kremper Tor in Neustadt: Wie aus dem Gefängnis ein Museum wurde
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17:00 25.10.2019
Das Kremper Tor steht am Ende der Fußgängerzone in Neustadt. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

775 Jahre ist es her, dass die Stadt Neustadt gegründet wurde. Bauwerke aus dieser Zeit sind Mangelware. Viele Gebäude – wie das alte Rathaus – wurden bei dem großen Stadtbrand im Jahr 1817 zerstört. Eine Ausnahme ist das Kremper Tor am Ende der Fußgängerzone. Der nicht einmal vier Meter breite Durchgang ist heute Teil des Zeittor-Museums und war früher Gefängnis und Wehranlage – sollte also zusammen mit der alten Stadtmauer das Eindringen ungebetener Gäste verhindern.

Museumsleiter Dr. Frank Wilschewski hat eine besondere Gabe. Er kann Gebäude lesen. Die Art der Steine und Verzierungen des Tors sowie Überreste der Tor-Angeln ermöglichen es ihm, Rückschlüsse auf das Entstehungsjahr zu ziehen. „Das Kremper Tor ist eindeutig mittelalterlichen Ursprungs. Die Ziegel im Klosterformat sind ein Indiz. Sie sind deutlich klobiger als die modernen“, sagt er. Hinzu kämen die scheckigen Backsteine in der Mitte des Tores, die ein klarer Hinweis auf das 14. Jahrhundert seien.

Das Neustädter Bauwerk war im Mittelalter Teil der Stadtbefestigung und sollte Schutz vor ungebetenen Gästen bieten. Heutzutage ist es ein Wahrzeichen und ein Treffpunkt in der Weihnachtszeit.

Das Kremper Tor stammt aus dem Mittelalter

Zudem sei Zahnfries erkennbar. Das meist waagerechte Stilelement ist eine Art Verzierung der Außenhülle und ein Zeichen für das 12. und 13. Jahrhundert. Auch ließen sich an der Seite des Durchgangs Ansätze der Stadtmauer erkennen, die es um 1400 noch gegeben habe. All dies führe zwar nicht zu einer konkreten Jahreszahl, lasse aber keinen anderen Schluss zu, als dass das Kremper Tor im Mittelalter entstanden sein müsse. „Das Tor sendet widersprüchliche Signale“, sagt der Museumschef und will sich deshalb nicht auf eine genaue Zeit festlegen.

Das Kremper Tor ist jedoch weit mehr als ein altes Gebäude. Es ist ein Wahrzeichen von Neustadt. Es ziert Logos und dient als Treffpunkt. Äußerst kurios ist die Geschichte rund um einen viel diskutierten Abriss des Bauwerks. „Um 1900 wurde der Ruf lauter, es abzureißen. Der Verkehr nahm zu und wenn Kutschen von allen Seiten kamen, gab es Schwierigkeiten. Schließlich können Kutschen nicht rückwärts fahren“, schildert Wilschewski die Ereignisse.

Das Bauwerk in Neustadt lässt sich regelrecht lesen. Die Ziegel erinnern an die Stadtmauer. Im Inneren befindet sich ein Teil des Zeittor-Museums.

Experte will Ursprungszustand und schafft Neuheit

Bei der Suche nach einer Lösung sei sogar externer Rat eingeholt worden. Der Provinzialkonservator (Beamter der Denkmalbehörde) Professor Richard Haupt aus Kiel wurde gefragt, ob das Tor erhaltenswürdig sei. „Die Antwort lautete ,Ja, wenn der ursprüngliche Treppengiebel wieder drauf kommt’“, sagt der Museumsleiter und ergänzt: „Dies geschah dann 1907. Heute wissen wir, dass es den Treppengiebel gar nicht gegeben hat.“

Ebenfalls seit 1907 befindet sich in Tor und Nebengebäude ein Museum. „Der Kreis suchte einen Ort für zahlreiche Ausstellungsgegenstände wie die Marienbad-Funde und Steinzeit-Funde“, erklärt Frank Wilschewski. Weitere Anbauten seien 1913 und 1969 hinzugekommen. 1989 entstand das Cap-Arcona-Museum, welches sich auf der anderen Seite des Kremper Tors befindet.

Hinter diese alten Mauern haben die LN bereits geschaut

Der Abdruck einer Hundepfote sorgt für Gesprächsstoff

Einen kuriosen Fund gibt es auf einer der Ziegel des Mauerwerks in der Durchfahrt. Dort befindet sich der Abdruck einer Hundepfote. Dr. Frank Wilschewski erzählt während seiner Stadtführungen gerne mit einem Augenzwinkern die Geschichte, dass dies eine Geheimwaffe des Neustädter Rats gewesen sei, um Dämonen abzuschrecken. „Die haben sich nämlich nicht von Türen aufhalten lassen. Diese Variante ist zwar nicht wissenschaftlich bewiesen, aber zumindest plausibel“, sagt er.

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Deutlich wahrscheinlicher sei, dass der Backstein auf einem Ziegelhof vortrocknete und ein Hund über diesen lief. Anschließend habe man den Stein mit der Spur gebrannt und im Kremper Tor verbaut.

Ein Raum, zwei Museen

Doch wie sieht es über den meterdicken Mauern aus, durch deren Mitte sogar Autos fahren können? Der Raum ist Teil des Zeittor-Museums und über einen Durchgang im Obergeschoss erreichbar. Er dient als Verbindungsweg zum Cap-Arcona-Museum und wird als Ausstellungsfläche für Gegenstände aus dem Mittelalter genutzt. Somit passt er hervorragend in eines der ältesten Bauwerke der 775 Jahre alten Stadt Neustadt.

Von Sebastian Rosenkötter

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