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Ostholstein Diese Röhrenradios stammen aus den Lensahner Wilag-Werken
Lokales Ostholstein Diese Röhrenradios stammen aus den Lensahner Wilag-Werken
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20:15 30.05.2014
Edith Woehs (85) hat 1946 bis 1950 in den Wilag-Werken auf dem heutigen Codan-Gelände gearbeitet. Quelle: Fotos: Thomas Klatt
Manhagen

Was da bei Dietrich Peters auf dem Esszimmertisch steht, löst bei dem begeisterten Radio- Tüftler schiere Begeisterung aus. „Es sind zwei Röhrenradios, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in der Lensahner Wilag AG gebaut wurden.“ Für Peters stehen auf dem Tisch nicht nur zwei ausgediente Röhrenradios, für ihn steht dort auch ein Stück Lensahner Geschichte.

Zwei Sammler haben Peters die Geräte zur Reparatur überlassen und wollen die Radios für eine geplante Ausstellung der Volkshochschul-Radiowerkstatt zur Verfügung stellen. Mit Edith Woehs (85) hat der Manhagener sogar auch noch eine Zeitzeugin aufgetrieben, die seinerzeit in den Wilag-Werken auf dem heutigen Codan-Gelände gearbeitet hat. „Ich war damals Werkstattschreiberin und unter anderem für die Materialbestellung zuständig“, beschreibt sie ihr damaliges Aufgabenfeld. „Wir waren damals froh, überhaupt ein paar Groschen verdienen zu können. Es gab ja sonst nichts“, erinnert sich die Seniorin an die Zeit von 1946 bis 1950 im Werk.

450 Ingenieure und Techniker habe der Firmeninhaber Baron von Willisen damals nach Lensahn geholt, um dort Radios herstellen zu lassen, berichtet Peters. Welche Geräte gebaut wurden, richtete sich danach, welche Röhren geliefert werden konnten. Viele dieser Röhren, so Peters, stammten noch aus Entfernungsmessgeräten, den Vorläufern heutiger Radare. Diese waren im Dritten Reich unter anderem auch in Lensahn hergestellt worden. Als Besatzungsmacht hatten die Engländer die Bauteile einkassiert und mit Erde zugeschüttet. Lensahner Jungs, wie zum Beispiel der verstorbene Ernst Hamann vom Prienfeldhof, stiegen durch kaputte Fenster in die Produktionshallen nahe des Bahnhofes ein und fanden Röhren, die dann für die Produktion der ersten Radios in der Wilag AG verwendet wurden. Auch eine der Röhren, die Peters in der Hand hält, trägt noch die Aufschrift „Wehrmacht“ und ist mit einem Reichsadler bemalt. Peters: „Wichtig waren besonders die Rückwände der Radios. Auf ihnen war die genaue Bezeichnung für die Röhren schriftlich festgehalten, um im Reparaturfall wieder die richtigen besorgen zu können.“

Wie findig die damalige Materialnot die Techniker machte, belegt der Gegenstand, den Peters jetzt in die Hand nimmt: ein Tonabnehmer für einen Plattenspieler — gefertigt aus Holz.

Der Firma das Genick gebrochen habe 1950 eine Großlieferung nach Schweden. Die Kondensatoren hatten den Transport nicht unbeschadet überstanden. In der Folge wollten die Banken kein Geld mehr geben.

Das bedeutete das Aus für die Firma Wilag, der später die Zigarettenfabrik Greiling, die Firma Opal und schließlich die Firma Codan folgten.

Peters hofft jetzt, die Geräte wieder reparieren zu können: „30, 40 Stunden werde ich dafür brauchen. Vvielleicht brauche ich auch ein bisschen Hilfe, aber dann laufen die Radios wieder“, ist Peters sich sicher.

Die Wilag-Werke haben es auch in anderer Hinsicht zu Berühmtheit gebracht. Durch ein Mikrofon der Lensahner Firma soll Walter Ulbricht, damaliger Vorsitzender des Staatsrates der DDR, am 15. Juni 1961 den legendären Satz gesagt haben: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Thomas Klatt

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