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Ostholstein Drohnenflüge über Ostholstein: Luftbilder aus 800 Metern Höhe
Lokales Ostholstein Drohnenflüge über Ostholstein: Luftbilder aus 800 Metern Höhe
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09:00 01.05.2015
Mit einem Raketentriebwerk wird die Drohne KZO aus der Startposition in einem speziellen Lastwagen in den Himmel katapultiert. Quelle: Fotos: Peyronnet
Eutin

Mit einem ohrenbetäubenden Knall schießt das KZO aus dem Aufbau des Lastwagens. Das „Kleinfluggerät für Zielortung“, landläufig Drohne genannt, schraubt sich mit dem Ton eines gequälten Rasenmähers in den Himmel und ist bald weder zu sehen noch zu hören.

Zwei Mal zwei Flüge pro Tag absolvierten die Soldaten des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ aus Eutin seit Dienstag über Ostholstein, je zwei mit dem KZO und je zwei mit der kleineren und leichteren „Luna“.

Die Eutiner Aufklärer absolvieren täglich vier Übungsflüge mit zwei unterschiedlichen Typen von unbemannten Flugkörpern.

Abschussort des KZO ist der Truppenübungsplatz hinter der Rettbergkaserne. Hier hat Oberleutnant Jenia Rosentreter, Zugführerin der 4. Kompanie, die Leitung. „Wir sind immer zwölf bis 14 Kilometer hinter dem Geschehen“, definiert sie den Vorteil der unbemannten Luftaufklärung. In der Bodenkontrollstation, einem Lastwagen mit drei Monitoren darin, werden Fotos und Videos aus 800 Metern Höhe ausgewertet. Militärische Aufklärung per Joystick.

Doch niemand muss befürchten, dass ihm die Soldaten auf den Balkon oder gar in die Kaffeetasse gucken. Erstens sind die Bilder dafür zu unscharf, zweitens, betont Kommandeur Oberstleutnant Alexander Radü, „ist es uns schlichtweg verboten, und es ist nicht das, was wir ausbilden“. Die Drohnen hielten sich von Ortschaften fern, sagt Oberleutnant Moritz Unkel, der Sprecher des Bataillons.

Tatsächlich zeigen die Fotos beispielsweise ein etwa 40 Hektar großes Feld in Gänze. Deutlich sind die Treckerspuren zu sehen, und auch wenn sich eine Fahrzeugkolonne über eine der benachbarten Straßen bewegen würde, könnten die Luftbildauswerter das sofort erkennen.

Genau auf Treckerspuren landet „Luna“, die zweite Drohnenart der Eutiner Aufklärer. Auf einem Acker zwischen Quisdorf und Majenfelde hat die Bundeswehr ihre zweite Übungseinheit aufgebaut. Ein Halbzug, also 16 Soldaten, sind pro „Luna“ notwendig, um sie starten und arbeiten zu lassen. Unsichtbar und unhörbar dreht das kleine, weiße Leichtflugzeug mit der Kamera unter dem Bauch seine Runden über Wiesen und Äckern.

Welchen Wert diese Aufklärung hat, hat sich in Afghanistan gezeigt. Anhand der Bilder ließ sich feststellen, wann der Mohn reif ist. Das, so wussten die Soldaten, bedeutet, dass bald wieder Geld in die Dörfer kommt. Geld bedeutet Waffen, Waffen bedeuten Gefahr.

Um der zu begegnen, arbeiten Luftaufklärung und Bodenaufklärung zusammen. „Die Drohne erkundet den Weg, der Panzerspäher fährt dann rein“, so Unkel. Damit das funktioniert, richten die Eutiner Aufklärer vom 1. bis 4. Juni eine Ausbildungswoche für alle deutschen Aufklärer aus. Dann kommen 250 bis 300 Soldaten nach Eutin, um wie jedes Jahr gemeinsam zu üben. Nach Flachland (Lüneburg) und Alpen (Füssen) ist dieses Mal ein „küstennaher Einsatzraum“ an der Reihe. Dann kreisen erneut die Drohnen über Ostholstein — ebenso wie bei der Generalprobe am 19. und 20. Mai.

• Ein Video zu den Drohnenflügen sehen Sie auf www.ln-online.de/Videos

Teure Geräte
Das „KZO“, das Kleinfluggerät für Zielortung, hat eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern und kann bis zu dreieinhalb Stunden in der Luft bleiben. Die maximale Flughöhe beträgt 4000 Meter. Die 168 Kilogramm schwere Drohne kostet einschließlich Transport- und Startgerät eine „niedrige siebenstellige Summe“, so die Bundeswehr. Ein Flug schlägt mit 4800 Euro zu Buche.



Die „Luna“ hat eine Reichweite von bis zu 80 Kilometern und kann bis zu sechs Stunden in der Luft bleiben. Sie liefert Video-, Infrarotfilme und Standbilder in Echtzeit. Das 40 Kilogramm schwere Kleinflugzeug kann auf einer Fläche von 400 mal 400 Metern landen. Die „Luna“ kostet 250000 Euro, ein einzelner Flug etwa 400 Euro.

Susanne Peyronnet