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Ostholstein Wird der Ehrenfriedhof vernachlässigt?
Lokales Ostholstein Wird der Ehrenfriedhof vernachlässigt?
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17:25 26.02.2019
Dieses Schild an der B 76 weist auf den Ehrenfriedhof hin. Es sei aber für viele Autofahrer zu spät zu erkennen, lautet die Kritik. Quelle: Sabine Latzel
Haffkrug

„Was kann getan werden, um den Frieden dieses Ortes zu erhalten?“ Diese Frage bewegt die sechs Menschen, die am Dienstag den Ehrenfriedhof in Haffkrug begutachtet haben, als eine Art Interessengruppe für das Gelände. Umgeben vom Verkehrsrauschen – die Ruhestätte liegt unmittelbar zwischen der A 1und der B 76 – blicken die Pastorinnen Kristina Warnemünde (Süsel/Haffkrug) und Almuth Jürgensen (Stockelsdorf), die Leiterin der Gedenkstätte Ahrensbök, Ingaburgh Klatt, Michael Hanfstängl von der Pfarrstelle Mission, Pastor i.R. Lutz Tamchina und der Haffkruger Dorfvorsteher Helmut Korth umher. Das Areal wirkt seltsam unfertig – und in Teilen vernachlässigt.

1128 Menschen sind hier beigesetzt

So sind einige der kleinen Steine mit den Grabnummern der Einzelgräber herausgerissen, liegen in den Beeten oder am Wegesrand. Der zentrale Gedenkstein ist vermoost, am großen Kreuz flattern bunte Stoff-Fetzen. Die Schnittstellen an den Rhododendren sind noch frisch. „Zu radikal“, findet Helmut Kurth den Rückschnitt der Sträucher, „ich hätte mir mehr Respekt für die Toten gewünscht.“ 1128 Menschen, die bei der Bombardierung der Schiffe „Cap Arcona“ und „Thielbeck“ 1945 in der Lübecker Bucht starben, sind hier beigesetzt.

Bereits im November 2018 hatte Pastor Lutz Tamchina die Abholzung von etwa 30 Bäumen auf dem Gelände angeprangert (die LN berichteten). Eigentümer des Gebietes sind die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, die Fällungen hatte allerdings die Gemeinde Scharbeutz veranlasst, da von brüchigen Bäumen Gefahr ausgegangen sei. Der jetzt erfolgte Rückschnitt der Rhododendren sei eine Pflegemaßnahme, erklärt der Scharbeutzer Bürgermeister Volker Owerien. Neupflanzungen seien geplant, weitere Fällarbeiten aber nicht – wobei ungewiss sei, welche Veränderungen die Schienentrasse für die Anbindung des Fehmarnbelttunnels bringen werde, die zwischen A 1 und Friedhof verlaufen soll.

Arbeitskreis hat Forderungen zusammengestellt

Diese Planungen treiben auch die Angehörigen der Interessengruppe um. „Wenn für die Trasse weitere Bäume abgeholzt werden, wäre das fatal“, meint Ingaburgh Klatt. „Ohne die Bäume zur Autobahn hin werden auch die Bäume auf dem Friedhof fallen“, glaubt Pastor Tamchina. Er verweist auf die Forderungen, die er und weitere Mitstreiter vom „Arbeitskreis 27. Januar“ an die Landesdenkmalpflege gerichtet haben.

Das Areal an der Autobahn-Abfahrt könnte an verschiedenen Stellen mehr Pflege und eine Aufwertung vertragen.

„Kein weiteres Baumfällen“ ist dabei ein Punkt. Eine Lärmschutzwand zur A 1 hin ist aufgelistet, und ein „Pavillon der Stille“, in dem sich Besucher über den Ehrenfriedhof und seine Geschichte informieren können. „Der Friedhof sollte außerdem unten in der Mitte zur B 76 hin geöffnet werden“, findet Tamchina, und es fehle ein größerer Parkplatz. Wichtig seien zudem weitere Schilder – an der A 1, an der B 76 und an Fußgängerwegen. Auch auf dem Friedhof fehlten Erläuterungen, etwa eine Übersetzung der Inschrift auf dem Gedenkstein für polnische Kriegsgefangene.

Mit der Umsetzung dieser Forderungen soll sich auch eine Kirchensynode beschäftigen, kündigt Pastor Tamchina an. „Wir wollen, dass der Friedhof besser gesehen wird“, fasst Pastorin Jürgensen das Ansinnen zusammen, „und ihn so ins alltägliche Gedächtnis bringen.“

Sabine Latzel

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