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Ostholstein Ein neues Landkunststück entsteht in Grube
Lokales Ostholstein Ein neues Landkunststück entsteht in Grube
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16:30 08.05.2019
Der Flensburger Künstler Johannes Caspersen bearbeitet den „Fischer“ mit einem Stecheisen. Die Figur besteht aus massiver Eiche.
Der Flensburger Künstler Johannes Caspersen bearbeitet den „Fischer“ mit einem Stecheisen. Die Figur besteht aus massiver Eiche. Quelle: Markus Billhardt
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Grube

 Mit der Motorsäge im Anschlag bearbeitet der Flensburger Künstler Johannes Caspersen die letzten groben Arbeiten am „Reisenden“. Bei der Figur des „Fischers“ ist er bereits beim Feinschliff mit dem Stecheisen zugange. Die beiden „Stammgäste“, so der Titel des neuesten, zweiteiligen Landkunststücks aus einem massiven Eichenstamm, werden am 18. Mai in Grube präsentiert.

Gegenwart blickt auf die Vergangenheit

Der „Reisende“ soll dann von der Aussichtsplattform auf dem Gelände der Alten Gruber Bürgergilde am Paasch-Eyler-Platz in die Landschaft schauen und seinen Blick auf den in 100 Meter Entfernung stehenden „Fischer“ richten. Dieser wird künftig auf einem Betonsockel im Feld zu finden sein, dort war damals sein Arbeitsgebiet im ehemaligen Gruber See. „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einer Blickachse“, beschreibt Caspersen die Idee hinter seiner Arbeit.

In der letzten Eiszeit vor rund 10 000 Jahren hatte sich der etwa 1000 Hektar große Gruber See gebildet. Der einst drittgrößte Flachsee Schleswig-Holsteins reichte von Oldenburg bis an Grube heran. Ende des 18. Jahrhunderts verlandete er durch den Sand der nahen Ostsee zusehends. „Der See wurde nach und nach trockengelegt. Zuletzt durch den Reichsarbeitsdienst in den 1930er Jahren, um so Flächen für die Landwirtschaft zu gewinnen“, erläutert Claudia Reshöft vom Vorstand des Vereins „Landkunststück“, der Kunst nicht nur im, sondern auch für den ländlichen Raum im Umkreis landwirtschaftlicher Nutzflächen schaffen möchte.

Das neue Gruber Landkunststück und die bisherigen Objekte im Ostseeferienland.

2017 konnte der Verein auf dem Bauernhof Steensen in Cismarfelde mit der „Knolle“ das erste Landkunststück vorstellen. Es folgten im Vorjahr der „Stein wie eine Landschaft“ auf Hof Dammer bei Cismar und die Video-Installation „Splitter“ in einem Silo auf Hof Körnick bei Grömitz. Eigentlich sollen die Kunstwerke im Zusammenspiel von Landwirtschaft und Kultur einen Dialog zwischen Erzeugern und Verbrauchern anstoßen, erläutert Reshöft. Die „Stammgäste“ in Grube bildeten dagegen auch „einen Dialog zwischen früher und heute“.

Dem Künstler über die Schulter schauen

Sie sei ganz begeistert davon, was auf dem Platz passiere, schildert Reshöft. Und das Beste sei, jeder könne dem Künstler dabei über die Schulter schauen. „Es kommt eher selten vor, dass ich direkt vor Ort tätig bin. Dies geschieht sonst überwiegend in meiner eigenen Werkstatt“, erzählt Caspersen. Dass Interessierte bei der Entstehung des „Reisenden“ und des „Fischers“ dabei sein können, würde seine Arbeit aber auch ein Schritt weit im Herzen der Bevölkerung verankern, sagt der 52-jährige Maler und Bildhauer. Und es hätten schon einige den Weg zu ihm gefunden.

Bis Sonntag, 12. Mai, ist er dort noch anzutreffen. „Die lauteste Arbeit mit der Kettensäge habe ich allerdings fast hinter mich gebracht“, sagt Caspersen. Der Eichenstamm aus dem Wald von Gut Siggen (Gemeinde Heringsdorf) sei hartes Material, aber auch das haltbarste Holz für den Außenbereich. Nach dem Einsatz von Schleifgerät und Stecheisen gehe es dann an die farbige Ausgestaltung. „Der Fischer aus dem 18. Jahrhundert wird dezent mit einem weißen Fischerhemd von mir bemalt, der Reisende hingegen bekommt mit einer signalgelben Jacke Kleidung aus unserer Zeit“, erläutert der Künstler.

Rund zwei Wochen wird er am Ende für die Skulpturen benötigt haben. Unterstützung hat er dabei von den Mitarbeitern des Bauhofes der Gemeinde erhalten. Christian Schmidt und Martin Witt haben unter anderem mit einem Radlader die Stämme herbeigeschafft, das Fundament aus Beton für den „Fischer“ gegossen und stets mit Hand angelegt. „Das ist eine tolle Aktion“, sagt Witt, während er mit Caspersen die Befestigungen für den „Reisenden“ an der Aussichtsplattform anbringt.

Radtour zu den Landkunststücken

Aus dem Projekt „Landkunststück“ entsteht im Ostseeferienland derzeit eine Fahrradroute entlang der verschiedenen Standorte. „Am 23. Mai gibt es von Grube aus eine erste rund 40 Kilometer lange Tour zu den bisherigen Kunstwerken“, sagt Elgin Stricker-Zühlke vom Tourismusservice Grube. Aber schon in den kommenden Wochen und Monaten entstehen bis September weitere vier Landkunststücke, sodass dann acht Stationen das Ziel von Radlern werden können.

Möglich machen diese rasche Entwicklung 2019 finanzielle Mittel vom Bundeslandwirtschaftsministerium in Höhe von 70 000 Euro, sagt Claudia Reshöft. Ausgenommen davon sei aber Grube. Dort übernehme die Gemeinde mit 7000 Euro die Finanzierung, unterstützt durch Spenden wie von der VR Bank mit 2500 Euro für Material und Erdarbeiten. „Das Projekt Landkunststück bedeutet mir sehr viel. Wir wollen den Tourismus damit stärken und Denkanstöße geben, wie der Mensch die Natur verändert“, sagt Grubes Bürgermeister Volkert Stoldt.

„Das Landkunststück bleibt – im Gegensatz zu den anderen – dauerhaft im Besitz von Grube“, sagt Reshöft. Die Eröffnung der „Stammgäste“ im Beisein des Künstlers Johannes Caspersen findet am Sonnabend, 18. Mai, um 11 Uhr am Paasch-Eyler-Platz statt.

Die Landkunststücke 2019

„Stammgäste“: Das neue Landkunststücks von Johannes Caspersen (Flensburg) wird am Sonnabend, 18. Mai, um 11 Uhr am Paasch-Eyler-Platz in Grube präsentiert.

„Von Bienen und Blüten“: Das Gemeinschaftswerk der Lyrikerin Doris Runge (Cismar) und Hans-Joachim Mocka wird am Sonntag, 2. Juni, auf dem Apfelhof Grimm, Wintersberger Weg 3, in Cismar eröffnet.

„Baum–Mensch–Baum“: Die Eisen-Installation an einer Winter-Linde von Margit Huch aus Postfeld entsteht im Juni für Hof Bokhorst zwischen Dahme und Kellenhusen (Dahmer Weg/Vogelsang).

„Bodenpunkte“: Von Ende Juli an wird Sigrid Stegemann (Oldersbek) eine Findlings-Installation für den Reiterhof Hopp zum Thema Bodenfruchtbarkeit zwischen Lenste und Lensterstrand errichten.

„Generationen-Allee“: Winni Schaak aus Lübeck setzt im August eine Metall-Skulptur für den Hof Siems, Hauptstraße 31, in Riepsdorf um.

Mehr Infos mit den genauen Standorten gibt es hier www.landkunststück.de.

Markus Billhardt