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Ostholstein Eine Entschuldigung, aber am Rückzug ist nicht zu rütteln
Lokales Ostholstein Eine Entschuldigung, aber am Rückzug ist nicht zu rütteln
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22:33 01.11.2016
5,2 Prozent hält der Kreis noch an seinen einstigen Krankenhäusern, die jetzt Sana gehören – und verlangt Rechenschaft. Quelle: Petersen
Eutin

Scharfe Kritik an der Informationspolitik, aber Billigung der Sachentscheidung: Der Hauptausschuss des Kreistages hat sich gestern mit der Entscheidung der Sana Kliniken beschäftigt, am Standort Eutin nur noch Schwangere ab der 32. Schwangerschaftswoche oder einem zu erwartenden Geburtsgewicht von über 1500 Gramm zu behandeln. Den Abgeordneten mussten dazu die beiden Sana-Geschäftsführer Klaus Abel und André Stoschus Rede und Antwort stehen.Vertreten war auch das Kieler Sozial- und Gesundheitsministerium durch die Referatsleiterin Krankenhauswesen, Silke Seemann.

Die Art und Weise, wie der Beschluss übermittelt wurde, sich aus der Versorgung schwieriger Frühchen-Fälle des Levels II zurückzuziehen, sei schiefgelaufen, räumte Abel unumwunden ein. „Die Form der Kommunikation ist von meiner Seite aus nicht gut gewesen, ich bitte um Entschuldigung“, streute sich der Sana-Regionalgeschäftsführer für Niedersachsen/Ostholstein sogleich Asche aufs Haupt.

Das Klinik-Unternehmen hatte den Rückzug per Pressemitteilung bekanntgegeben. Dass Verwaltung und Politik davon aus der Zeitung erfuhren, führte zu harschen Reaktionen.

Besonders übel stieß auf, dass die Sana-Geschäftsführung noch einen Monat zuvor beim turnusmäßigen Bericht an den Hauptausschuss kein Wort über die bevorstehende Einschränkung der Geburtshilfe verlor. Auch gestern war der Ärger nicht verraucht. Der Hauptausschuss sei „keine Gurkentruppe“, sondern das für die Steuerung der Privatunternehmen des Kreises zuständige Gremium, belehrte der Ausschussvorsitzende Timo Gaarz (CDU) die Sana-Geschäftsführung. Auch das KielerMinisterium wurde von der Veränderung überrascht, erläuterte Silke Seemann.

Abel räumte zwar ein, dass sich bereits im Sommer Probleme angedeutet hätten. Die Aussage der Ärzte im September, die Level-II-Versorgung nicht mehr übernehmen zu können, habe aber auch ihn überrascht. Bei fünf bis zehn Risikoschwangerschaften mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm in den vergangenen Jahren fehle den Ärzten die Expertise. Wenn sie eine solche Versorgung nicht mehr verantworten wollten, gebiete es die Verantwortung gegenüber Mutter und Kind, ihnen diese nicht abzuverlangen. Abel: „Wir wollen das Mutter-Kind-Zentrum in Eutin stärken, aber wir wollen keinen Etikettenschwindel.“

Unterstützung kam vom Ministerium. Sana Eutin sei das mit Abstand kleinste der vier Level-II-Zentren in Schleswig-Holstein. Wenn die Klinik aufgrund der geringen Fallzahl zu dem Ergebnis komme, die Qualität nicht mehr sicherstellen zu können, könne man das nicht erzwingen. Eine rechtliche Grundlage dafür gebe es nicht – und aus Gründen der Qualitätssicherung verbiete es sich. „Es macht Sinn, Level II in Eutin nicht mehr anzubieten, wir können das nachvollziehen“, sagte Seemann. Eine Versorgungslücke sei nicht erkennbar.

Einstimmig beschloss der Ausschuss eine Rüge für die schlechte Kommunikation und forderte, künftig besser eingebunden zu werden. Die fachlichen Gründe wurden zur Kenntnis genommen. „Die Qualität der Versorgung hat unbestritten oberste Priorität“, hieß es. Sana wurde weiter aufgefordert, die Kinderheilkunde in Eutin kurzfristig auszubauen.

Die Nummer drei unter den Klinik-Konzernen

Die Sana-Kliniken AG betreibt 48 Krankenhäuser mit rund 28 500 Beschäftigten. Sie ist damit nach eigenen Angaben der drittgrößte private Klinikbetreiber in Deutschland. Die Sana Klinken AG wurde 1976 gegründet, ist aber nicht börsennotiert.

In Schleswig-Holstein hat der Krankenhauskonzern elf Häuser mit knapp 8800 Mitarbeitern, vier davon in Ostholstein: die Kliniken Oldenburg und Eutin, die Inselklinik Fehmarn und das DRK-Krankenhaus Middelburg.

Hinter der Klinik-Gruppe stehen 26 private Krankenversicherungen. Die größten Anteilseigner sind DKV, Signal und Allianz mit zusammen über 50 Prozent der Unternehmensanteile.

 pet