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Ostholstein Eine Stunde Yoga über dem Meer
Lokales Ostholstein Eine Stunde Yoga über dem Meer
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22:10 26.05.2017
Gleichgewichtsübung mit Blick aufs glitzernde Wasser: Beim Brückenkopf-Yoga fordert sich jeder nur so weit, wie er kann und will. Quelle: Fotos: S. Latzel
Niendorf

Die erste Herausforderung an die innere Gelassenheit stellt sich schon vor den eigentlichen Übungen: Mehrere Angler haben sich auf dem Kopf der Niendorfer Seebrücke ausgebreitet, einer weigert sich, sein Equipment beiseite zu räumen, verweist motzend auf sein Recht und seinen Angelschein und dreht der Gruppe seine in einer tarnfarbenen Hose steckende Rückansicht zu. Schlechtes Karma. Das aber lassen die Yogis an sich abperlen – zu groß ist die Vorfreude auf die erste Yoga-Stunde über der Ostsee, bei Sonnenschein, mit Blick auf glitzernde Wellen und Schäfchenwolken am blassblauen Himmel. So darf es ab sofort jeden Montagmorgen sein, bis September mindestens, denn so lange wird das wöchentliche Brückenkopf-Yoga angeboten, von der Tourismus GmbH, mit viel Sauerstoff und kostenfrei.

Ab sofort wird wieder montags ein kostenloser Kursus auf der Niendorfer Seebrücke angeboten.

Um die 30 Leute sind gekommen, Frauen und Männer irgendwo zwischen Mitte 20 und Anfang 70. Yoga-Lehrerin Ilka Bechtloff freut sich über den regen Zulauf, „bei Premium-Wetter“, sagt sie, „am besten Platz in Ostholstein“. Da ist der Start kein Problem. „Wir füllen unsere Lungen mit Prana“, erklärt Ilka („Wir duzen uns beim Yoga“) – und das meint nicht nur den Atem, sondern auch Lebensenergie. Es ist ziemlich eng, aber jede und jeder findet doch einen Platz für die Matte. „Den ganzen Körper abklopfen“, gibt Ilka vor, „aber sanft, ihr sollt liebevoll mit euch umgehen.“

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Weiter geht es, mit dem Schultergruß („wichtig für Büromenschen“), dem „friedvollen Krieger“, der Übung „Katze-Kuh“. Beim Blick nach unten sehen die Yogis das Wasser zwischen den Holzplanken leuchten, es gluckert, und immer wieder zieht eine frische Brise über die Brücke. Eine ältere Dame mit schickem Hut schlendert vorbei, guckt, legt sich in eine der Holzliegen und macht ein bisschen mit. Ilka gibt Beuge-Varianten vor: „Die erste ist für Menschen mit Bluthochdruck oder Knieproblemen, die zweite für die etwas Fitteren.“ Jeder soll nur so weit gehen, wie er kann und möchte, das ist der Yoga-Lehrerin wichtig. „Das ist ein Kursus sowohl für bewegliche Menschen als auch für Menschen, die in Bewegung bleiben wollen.“

Daran erinnert sie immer wieder, bei Gleichgewichtsübungen oder auch beim „sitzenden Schmetterling“: „Wir sind hier nicht bei ,Schöner-Weiter-Schneller-Besser‘.“ Die Zeit verfliegt, schon beginnen abschließende Dehnübungen. „Der Blick richtet sich nach Timmendorf, die Knie fallen in Richtung Travemünde“, heißt es beim Krokodil. Die Sonne scheint weiter, die meisten Wolken sind verschwunden, die Ostsee glitzert immer noch, und es gibt wahrhaftig schlimmere Arten, eine Woche zu beginnen.

Ilka spricht den Abschiedsgruß „Namaste“ – was meist mit „Ich grüße das Göttliche in dir“ übersetzt wird. Der maulige Angler hat während der Yoga-Stunde übrigens nichts gefangen. Lag vielleicht an seinem Karma.

Draußen und kostenfrei

Das Niendorfer Brückenkopf-Yoga wird jeden Montag (bis 11. September) von 9 bis 10 Uhr angeboten. Teilnehmer sollten einen warmen Pullover mitbringen, einige Matten und Decken sind vorhanden. Bei Regen findet die Stunde im Haus des Kurgastes statt.

Yoga am Timmendorfer Strand wird vom 26. Juni bis 25. August neben der Maritim-Seebrücke kostenlos angeboten und zwar immer mittwochs und freitags ab 8.30 Uhr.

Sabine Latzel