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Ostholstein Einmal obdachlos, immer obdachlos?
Lokales Ostholstein Einmal obdachlos, immer obdachlos?
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09:00 25.12.2018
Heinz K. (66) lebt in einer Oldenburger Obdachlosenunterkunft. Quelle: BINDER
Oldenburg

Früher hatte er Vorurteile. Hat bei einer Obdachlosenunterkunft an Alkohol und Krawall gedacht. Heute lebt er selbst dort. Genau vor einem Jahr ist Heinz K. (Name geändert) in die Oldenburger Gemeinschaftsunterkunft in der Heiligenhafener Chaussee gezogen. „Ein Jubiläum“, sagt er. Kein schönes.

Dass er mal hier landen würde, war für den 66-jährigen Rentner unvorstellbar. Er hat als Maler gearbeitet, kam aus seiner alten Heimat Rheinland-Pfalz in den Norden, um die damals neue Fehmarnsundbrücke mit zu streichen. Zuletzt wohnte er acht Jahre lang in einem Oldenburger Mietshaus. Dann musste er für vier Wochen ins Krankenhaus. Als er entlassen wurde, hatte der Vermieter das Gebäude aufgrund statischer Probleme für unbewohnbar erklärt und es räumen lassen. Kurz darauf wurde das Haus abgerissen und er stand auf der Straße. So schildert es K..

350 Euro Nutzungsgebühr für ein zwölf Quadratmeter großes Zimmer

„Ich habe immer meine Miete bezahlt“, betont er. Auch jetzt wohnt er nicht gratis: 350 Euro kostet ihn sein etwa zwölf Quadratmeter großes Zimmer. Zuschüsse bekommt er nicht – mit 870 Euro sei seine Rente dafür zu hoch. Küche und Bad teilt er sich mit weiteren Bewohnern. Auch im Schlafzimmer könnten theoretisch zwei Personen leben; Doppelstockbetten gehören zur Grundausstattung. „Dann wäre es günstiger“, sagt K., „aber das halte ich nicht aus.“

Die Obdachlosenunterkunft in der Heiligenhafener Chaussee in Oldenburg. Quelle: BINDER

Als er eingezogen ist, „war das richtig schlimm für mich“, erinnert er sich. Weil er eben eine völlig andere Vorstellung im Kopf gehabt habe. Heute sagt er: „Hier leben anständige Leute.“ Einer sei Rentner – wie er. Die übrigen gingen einer geregelten Arbeit nach. Gute Chancen auf eine eigene Wohnung habe trotzdem keiner von ihnen, prognostiziert K.. Wer einmal in einer Obdachlosenunterkunft gelebt habe, den nehme kein Vermieter mehr. „Es ist die Adresse“, sagt er, „wenn sie die lesen, ist es schon vorbei.“

30 Jahre in der Obdachlosenunterkunft

Jörg Saba von der Oldenburger Stadtverwaltung bestätigt: „Die Menschen werden stigmatisiert.“ Nicht jeder sei unverschuldet in die Obdachlosigkeit hineingerutscht – doch wieder herauszukommen, sei für alle Betroffenen fast unmöglich. Ohnehin sei Wohnraum knapp. Und „wenn jemand erst einmal in einer solchen Unterkunft lebt, ist ihm der normale Wohnungsmarkt erfahrungsgemäß oft verschlossen.“

Insofern sind die Obdachlosenunterkünfte in der Regel auch keine Übergangslösung, obwohl sie das eigentlich sein sollen. Heinz K. erzählt von seinem Nachbarn, der schon seit mehr als drei Jahren in der Heiligenhafener Chaussee wohne. Laut Jörg Saba gab es sogar einmal einen Fall, in dem ein Betroffener 30 Jahre lang in einer solchen Einrichtung gelebt habe.

In anderen Kommunen weiß man ebenfalls um diese Problematik. Das Amt Lensahn versuche mittlerweile sogar, für Obdachlose grundsätzlich normale Wohnungen anzumieten, berichtet Amtsvorsteher Klaus Winter (CDU). Eine spezielle Unterkunft sei vor Jahren verkauft worden – auch, weil sie dauerhaft leergestanden habe. Für eine Wieder-Eingliederung ins „normale“ Leben bringe die jetzige Lösung zudem erhebliche Vorteile mit sich.

„Ich möchte nicht nach einer Adresse beurteilt werden“

Auch Oldenburg hat zusätzlich zu den sechs Gemeinschaftsunterkünften (für jeweils vier Personen) Wohnungen angemietet. Dort werden laut Jörg Saba zum Beispiel Familien mit Kindern oder andere Menschen untergebracht, denen das Leben in einer Sammelunterkunft nicht zuzumuten ist. Für einen Verzicht auf die eigentlichen Obdachlosenunterkünfte sei der Bedarf aber viel zu hoch – und er nehme eher zu als ab. Aktuell seien alle Wohneinheiten belegt – wenn auch nicht überall mit der maximalen Personenzahl.

So helfen die Kommunen

Viele Städte und Gemeinden in Ostholstein unterhalten Obdachlosenunterkünfte. Nach dem Landesverwaltungsgesetz sind die Kommunen zur „Gefahrenabwehr“ verpflichtet, was auch den Schutz von Menschen ohne Obdach beinhaltet. Sie müssen somit beispielsweise verhindern, dass jemand erfriert, weil er kein Dach über dem Kopf hat.

Anspruch auf Unterbringung hat allerdings nicht automatisch jeder, der keine Wohnung hat. Laut Jörg Saba von der Oldenburger Stadtverwaltung wird beispielsweise geprüft, ob der Betreffende seine Wohnung aus eigenem Verschulden verloren oder sogar selbst gekündigt hat. Auch muss er nachweisen, dass er sich vergeblich um eine neue Wohnung bemüht hat.

Eine örtliche Zuständigkeit gibt es nicht mehr. Musste sich einst immer die Kommune kümmern, in der ein Mensch zuletzt gelebt hat, gilt nun die freie Wohnort-Wahl. Weil das Angebot der Gemeinden sehr unterschiedlich ist, landen Betroffene auch deshalb häufig in Nachbarorten, wenn die eigene Gemeinde gerade keine freien Plätze zu vergeben hat. Einige Beispiele für Kapazitäten und Auslastung in Ostholstein:

Die Stadt Fehmarn hat Kapazitäten für 179 Menschen in Not. Aktuell sind in den Räumen 16 Obdachlose und 80 Flüchtlinge untergebracht. 83 Plätze sind noch frei. Der Wohnraum auf der Insel verteilt sich auf insgesamt acht Einrichtungen, darunter Sammelunterkünfte für bis zu 46 Menschen, aber auch separate Unterbringungsmöglichkeiten für eine oder vier Personen.

Ratekau setzt wie Lensahn auf eine dezentrale Unterbringung. Im Gemeindegebiet gibt es 24 Wohnungen, die bei Bedarf auch für Obdachlose zur Verfügung gestellt werden. Außerdem hat sich die Gemeinde laut Bürgermeister Thomas Keller (parteilos) für 232 Wohnungen ein sogenanntes Belegungsrecht gesichert. Keller: „Unser Ziel ist es, Personen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, geeigneten Wohnraum anzubieten, der längerfristig auf Grundlage von regulären Mietverträgen genutzt werden kann.“ Aktuell seien auf diese Weise acht Menschen untergebracht. Klassische Obdachlosenunterkünfte unterhalte die Gemeinde nicht.

In Eutin sind zurzeit 28 Obdachlose untergebracht. Die Stadt unterhält dafür drei Standorte: eine Wohnung, ein Haus mit mehreren Zimmern und eine zentrale Unterkunft aus mehreren Häusern mit Einzel- und Mehrbettzimmern.

Neustadt hält zwei Obdachlosenunterkünfte vor. In der ersten sind aktuell 14 von 16 Wohneinheiten belegt (mit insgesamt 17 Personen), in der zweiten sind zehn von 13 Einheiten bewohnt (von elf Personen).

Heinz K. betrachtet seine Situation mittlerweile nüchtern. Sein Zimmer ist keine Übergangslösung, hat er erkannt. Es sei bis auf Weiteres sein Zuhause – „und das wird sich wohl so bald auch nicht ändern“. Zwar wünsche er sich nach wie vor nichts mehr, als wieder in seine eigenen vier Wände zu ziehen. Das Verhältnis zu seinen Mitbewohnern und Nachbarn ist inzwischen aber ein sehr gutes, oft wird abends gemeinsam gekocht und gegessen. Mindestens einmal die Woche bekommt K. außerdem Besuch von seiner Nichte, zu der er ein sehr enges Verhältnis hat. Mitleid will er nicht. Wenn er alte Bekannte trifft und die ihn „mit diesen Blicken“ anschauen, dann ärgert ihn das. Die Leute verhielten sich plötzlich anders, erzählt er. „Ach, du Armer“, hätten viele gesagt. Andere wüssten gar nichts zu sagen, ihnen sei das Thema unangenehm. K. selbst sagt: „Ich möchte nicht nach einer Adresse bewertet werden.“

Jennifer Binder

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