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Ostholstein Heiligenhafener fordern mehr Transparenz
Lokales Ostholstein Heiligenhafener fordern mehr Transparenz
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15:05 06.11.2018
Der Tourismus in Heiligenhafen stand im Mittelpunkt einer Einwohnerbefragung. Quelle: LOUIS GÄBLER
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Heiligenhafen

Die Heiligenhafener leben gerne in ihrer Stadt und haben ein überwiegend gutes Bild vom Tourismus. Dieses wird aber in der Hauptsaison gestört. Zudem fordern die Bürger mehr Transparenz, wenn es um touristische Pläne geht. Dies ergab die Auswertung von Fragebögen, die im vergangenen Juni an 3000 Haushalte verschickt worden waren.

Was denken die Einwohner über den Tourismus vor ihrer Haustür? „Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Kommunikation verbessert werden muss. Wir müssen stärker an die Menschen herantreten. Das war ein Fehler in der Vergangenheit“, betont Heiligenhafens Touristikleiter Manfred Wohnrade. Über 60 Prozent sehen sich weniger gut oder schlecht informiert, bestätigt Bente Grimm vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) aus Kiel. „Der Wunsch nach mehr Information ist ein bekanntes Phänomen.“

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Bente Grimm vom NIT erläutert die Einwohnerbefragung von Heiligenhafen. Quelle: MARKUS BILLHARDT

Das NIT hatte im Sommer nicht nur die Befragung im Auftrag der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB) veranlasst, sondern auch in Neustadt die Menschen befragt. Auch dort war die Informationspolitik bemängelt und die Forderung nach mehr Einblick in die Arbeit von Politik und Verwaltung gestellt worden (LN berichteten). Während in Neustadt 14 Prozent der Fragebögen zurückkamen, sei die Beteiligung in Heiligenhafen überwältigend gewesen, sagt Grimm. Ein Drittel der Haushalte machten mit. 993 Exemplare flossen in die Ergebnisse ein.

80 Prozent bewerten darin den Tourismus positiv für Heiligenhafen. Dennoch sei es durchaus ein Warnsignal, wenn viele das Gefühl hätten, dass der Ort in der Saison der Ort zeitweise zu voll, so Grimm. Der mit 96 Prozent am negativsten wahrgenommene Effekt sei dabei das Verkehrsproblem. Es werde mehr Parkraum gefordert. Darüber hinaus seien die Sanierung der Straßen, attraktive Radwege, bezahlbarer Wohnraum und die Aufwertung der Innenstadt und des Hafens wesentliche Anliegen der Bürger. „In diesen Zielen sind sie sich einig“, macht Bente Grimm deutlich.

Mehrheit für Hotel mit Schwimmbad

Um die Akzeptanz für den Tourismus zu erhalten und zu fördern, sei es bei der Umsetzung von Projekten sinnvoll, auf die Sozial- und Umweltverträglichkeit zu achten, bestätigt die Forscherin vom NIT. Hotelneubauten hätten das Ortsbild stark verändert und würden nicht nur auf Begeisterung stoßen, bei einigen sogar auf Ablehnung. Allerdings sind auch 62 Prozent für ein Hotel mit Schwimmbad. Es sollte, so Grimm, gezielt darauf geachtet werden, den Charme des Ortes und der Natur zu erhalten.

Auch Stadtvertreter aus Heiligenhafen hatten sich die Präsentation der Ergebnisse angeschaut. „Es ist nicht immer gleich alles machbar und eins zu eins umsetzbar. Aber wir werden darüber sprechen“, sagt Bürgervorsteherin Petra Kowoll (CDU) und der Erste Stadtrat Folkert Loose (CDU) bestätigt: „Es steht in der Auswertung einiges drin. Man muss dies in Ruhe bewerten und dann Prioritäten festlegen.“ Dabei bleibt der Wunsch und die Hoffnung der breiten Basis mehr eingebunden und informiert zu werden.

Touristikleiter Manfred Wohnrade (r.) übergibt eine Spende an Theodor Siebel vom Kinderschutzbund. Quelle: MARKUS BILLHARDT

Die Einwohnerbefragung hatte noch eine weitere positive Wirkung. Für jeden beantworteten Fragebogen ging ein Euro an den Kinderschutzbund Heiligenhafen. So konnte Manfred Wohnrade eine Spende in Höhe von 1000 Euro überreichen. Die Untersuchung zur Tourismusakzeptanz in Heiligenhafen ist unter www.heiligenhafen-touristik.de nachlesbar oder auf Wunsch in Papierform beim Tourismus-Service erhältlich.

Markus Billhardt