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Ostholstein Eishalle: Sanieren oder neu bauen?
Lokales Ostholstein Eishalle: Sanieren oder neu bauen?
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19:22 16.10.2013
Ulfert Weiß hat mit seiner Betriebs GmbH einen Pachtvertrag für das ETC bis März 2016 und möchte ihn gern vorzeitig um 20 Jahre verlängern. Quelle: Benthien
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Timmendorfer Strand

Die 30 Jahre alte Eishalle der Gemeinde Timmendorfer Strand ist sanierungsbedürftig. Eine Million Euro ist die Pächterin, die ETC Betriebs GmbH, gewillt, selbst zu investieren. Allerdings verknüpft ihr geschäftsführender Gesellschafter Ulfert Weiß damit eine vorzeitige Verlängerung des bis Anfang 2016 laufenden Vertrages mit der Gemeinde: um 20 Jahre.

Die SPD-Fraktion ist dafür nicht zu haben. Sie wartet mit einem ganz anderen Vorschlag auf: Timmendorfer Strand solle an anderer Stelle eine Mehrzweckhalle bauen und das Grundstück der jetzigen Halle an einen Hotelinvestor verkaufen.

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Schon im vergangenen Jahr habe er dem Tourismusausschuss die Notwendigkeit einer neuen Kältetechnik für die Eishalle sowie erforderlicher Umbauten und Renovierungen (Eingangsbereich, Kasse, Restaurant) dargelegt, sagt Ulfert Weiß. Die Gemeinde habe erst einiges prüfen wollen, dann habe die Kommunalwahl zum Aufschub geführt. „Bis Ende des Jahres brauchen wir jetzt aber Gewissheit, ob der Vertrag im März 2016 endet oder verlängert wird. Eine Kälteanlage ist eine große Investition, die schafft man nicht für zwei Jahre an. Es ist ein Unterschied, ob ich den Betrieb hier befristet bis 2016 führe oder zukunftsorientiert.“

Die SPD um den Fraktionsvorsitzenden Jörn Eckert weiß Ulfert Weiß‘ Engagement zu schätzen und will die ETC Betriebs GmbH in langfristige Verträge einbinden. Allerdings hält sie die Halle des Eissport- und Tenniszentrums für so marode, dass sie befürchtet, sie werde sich für Timmendorfer Strand „zum Millionengrab“ entwickeln.

Im schlimmsten Fall, so Eckert, könnte sie die Gemeinde in den kommenden 20 Jahren bis zu fünf Millionen Euro an Reparaturen „für Dach und Fach“ kosten. „Wir würden einen Oldtimer immer wieder frisch lackieren“, formuliert es Eckerts Stellvertreter Peter Ninnemann.

In einer internen Sitzung hat Jörn Eckert den anderen Fraktionen „erste Gedanken und ein Rohkonzept für eine kombinierte Eissport- und Eventhalle“ nahegebracht. Ein Verkauf des Grundstücks (zirka 12 000 Quadratmeter), auf dem die jetzige Eishalle steht, würde rund 3,6 Millionen Euro einbringen. Darauf könne ein 200-Zimmer-Premium-Hotel entstehen. „Es hätte eine zentrale Lage, wäre nur wenige Schritte vom Strand entfernt, hätte einen großen Parkplatz und den Kurpark vor der Tür“, argumentiert die SPD. „Die Gewerbetreibenden haben immer wieder gesagt, dass wir noch ein Hotel brauchen“, so Ninnemann.

Nach SPD-Vorstellung könne von dem Verkaufserlös ein Grundstück an anderer Stelle, zum Beispiel am Vogelsang, erworben und mit einer Mehrzweckhalle bebaut werden. Sie solle nicht nur für Eissport nutzbar sein, sondern auch für andere Sportveranstaltungen, für Konzerte, Messen, Ausstellungen, Kongresse, Bälle, Aktionärsversammlungen. „Das wäre ein Riesengewinn für Timmendorfer Strand“, findet Ninnemann.

Die Reihenfolge müsste natürlich umgedreht werden: erst Bau der neuen Halle, dann Verkauf des Grundstücks mit Abriss der alten. In Vorleistung gehen müsste dabei die Gemeinde. Auf fünf bis zehn Millionen Euro schätzt Jörn Eckert die Kosten für eine Mehrzweckhalle, „je nachdem wie groß sie wird und für welche Ansprüche sie gebaut wird“. Zur Finanzierung hat die SPD den anderen Parteien verschiedene Sub-Konzepte unterbreitet: Zusätzliche Gelder könnten beispielsweise durch Sportstättenförderung, Kredite, Sponsoren und „intelligente Vermarktung des neuen Hallen-Namens“ hereinkommen.

Ganz wichtig ist Eckert, Ninnemann und Parteikollegen ein reibungsloser Übergang für den Eishockey-Verein: „Er gehört nach Timmendorfer Strand!“ Dem Oberliga-Team und auch den Tennisspielern müssten gute Bedingungen geboten werden.

Dass das ETC nicht mehr modern ist, sieht auch Tourismuschef Joachim Nitz. Eine Mehrzweckhalle könne in Regenphasen im Sport- und Freizeitangebot sofort eine Lücke schließen. Das letzte Hotel im Ort habe vor 20 Jahren eröffnet. Tendenziell hält er den SPD-Vorstoß daher für eine gute Idee. Ihm sei aber daran gelegen, die derzeit laufende Hotelbedarfsanalyse abzuwarten: „Wir brauchen nach 14 Vier-Sterne-Hotels sicher nicht noch ein 15.“ Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) gab sich auf Anfrage wortkarg: „Es ist grundsätzlich wünschenswert, dass Ideen entwickelt werden.“ Der von der SPD vorgestellte grobe Entwurf könne nur ein Denkanstoß zu Alternativen sein: „Und nicht mehr.“

Das sagen die anderen Fraktionen
„Wie marode ist die jetzige Halle, was muss die Gemeinde in den kommenden Jahren hineinstecken?“ Dieser Frage möchte die CDU (7 Sitze in der Gemeindevertretung) um ihren Vorsitzenden Rainer Steen zunächst noch ausführlicher nachgehen. Seine Fraktion plädiere dafür, den Standort am Kurpark beizubehalten, wenn es wirtschaftlich zu vertreten sei, erklärt er.
Einen anderen Standort für das ETC könne sich die Grünen-Fraktion (2 Sitze) prinzipiell vorstellen. Das Rohkonzept der Sozialdemokraten (4 Sitze) beinhalte aus grüner Sicht aber noch große Fragezeichen hinsichtlich der Finanzierbarkeit, äußert die Vorsitzende Nicole Derber. Zum Hotel-Standort am Kurpark sagen die Grünen: „Gut. Der beste von allen, die bisher im Gespräch waren.“
„Zu viele Unbekannte bei beiden Varianten, wir können noch nicht abschätzen, was das Beste für die Gemeinde ist“, gibt Jacob Bielfeldt, Chef der WUB (5 Sitze), ein erstes Bild aus seiner Fraktion wieder. Genau wie die Grünen hat sich die WUB noch keine abschließende Meinung gebildet. Fest stehe jedoch eines: „Wir möchten den Eishockeysport in Timmendorfer Strand halten.“

Ulrike Benthien