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Ostholstein Warum im Februar Frühling herrscht
Lokales Ostholstein Warum im Februar Frühling herrscht
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18:52 27.02.2019
Vor einem Jahr: Ende Februar war die Ostseeküste in Ostholstein vom Eis überzogen.
Vor einem Jahr: Ende Februar war die Ostseeküste in Ostholstein vom Eis überzogen. Quelle: Susanne Peyronnet
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Ostholstein

Mitte Februar 2018 ging es steil bergab: Die Temperaturen sanken am 28. Februar vor einem Jahr auf minus 6,8 Grad. Das ist noch keine Garantie für eine märchenhafte Eisküste in Ostholstein. Dafür muss ein kräftiger Ostwind hinzukommen, der das Wasser aufpeitscht, sodass die Tropfen an Seebrücken und Duckdalben festfrieren. So kam es. Das Märchenland Ostseeküste nahm eisige Gestalt an.

Mitte Februar 2019 ging es steil bergauf. Die Temperaturen sackten kurz ab, um danach kräftig anzusteigen. Am Mittwoch waren es 15 Grad. Zeit, einen Vergleich zu ziehen von vor einem Jahr und jetzt.

Märchenhafte Eispanzer

Im Februar 2018 strömten die Menschen an die Küste, um das Phänomen der Eispanzer zu bewundern. Die Pfosten unter den Seebrücken waren zu riesigen weißen Elefantenfüßen angeschwollen. Das Gitter der Bootsanleger an der Scharbeutzer Seebrücke war nicht mehr zu sehen, es war von einem dicken Eispanzer bedeckt. Die Griffe der Badetreppe sind als solche gar nicht mehr zu erkennen, wirkten wie weiße Gnome. Auf der Ostsee schwappte ein Brei aus Eis.

Vor einem Jahr fegte eiskalter Ostwind über die Küsten Ostholsteins. Frost und aufgepeitschtes Wasser überzogen alles mit einem Eispanzer. Ganz anders das Bild im Februar 2019

Ganz anders das Bild in diesen Tagen: Menschen, Pferde und Hunde genießen die milden Tage. Charlotte Westphal (11) treibt ihr Pony „Streicher“ im Galopp durch die Wellen. Die erfolgreiche Ponyreiterin aus Griebel mache ihr Pferd auf diese Weise fit für die Vielseitigkeitsreiterei, berichtet ihre Mutter. Charlotte und „Streicher“ ist der Spaß an diesem Vorfrühlingsausflug an die Ostsee deutlich anzusehen. Die Reiterin strahlt, das Pferd scheint zu lächeln.

Meer unter Seenebel

Spaziergänger genießen die Sonnenstrahlen. Pudelmützen und Schals sind zu Hause geblieben, obwohl es direkt am Wasser doch ein wenig kälter ist als im Hinterland. Die Luft ist etliche Grad wärmer als das Wasser, am Abend zeigt die Anzeige an der Scharbeutzer Promenade sieben Grad Lufttemperatur an bei vier Grad Wassertemperatur. Das verleiht der Ostsee einen Schleier: Leichter Seenebel liegt über dem Wasser, darüber wölbt sich ein blauer, gegen Abend zartrosa gefärbter Himmel.

Aber wie kann es sein, dass ein Hochdruckgebiet im Februar 2018 bitterkalt ist, eines im Februar 2019 aber frühlingshafte Temperaturen erzeugt? Es liege an der Lage, erläutern die Meteorologen Frank Kahl vom Deutschen Wetterdienst und Kent Heinemann vom Kieler Dienst Wetterwelt.de. 2018 lag das Hoch über dem nordöstlichen Skandinavien, in diesen Tagen liegt es über Süddeutschland. Kahl: „Bedingt durch diese sehr unterschiedlichen Lagen werden auch entsprechend unterschiedliche Luftmassen zu uns geführt.“

Kalt und warm

Vor einem Jahr schaufelte das Hoch über Skandinavien sehr trockene, eisige Luft nach Deutschland. „Wir brauchen eine Kaltluftquelle und einen Antrieb, der sie anzapft“, erläutert Heinemann. Anders als jetzt, wo das südlicher liegende Hochdruckgebiet milde Luft heranbringt. „Unsere Meteorologen sprechen in diesem Zusammenhang gerne auch vom sogenannten ,kalten Hoch’ und dem ,warmen Hoch’ als Gegenstück dazu“, teilt Kahl mit.

Egal, ob nun kalt oder warm, beide führen zu einem Wetter, das die Menschen lieben. Das beweisen die vielen Spaziergänger an der Ostseeküste – ob vor einem Jahr oder jetzt. Einfach genießen, lautet die Devise.

Susanne Peyronnet