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Ostholstein Elf Tote auf der B 76: Wo ist das Kreuz?
Lokales Ostholstein Elf Tote auf der B 76: Wo ist das Kreuz?
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08:20 02.05.2019
Elf kleine Kreuze auf einem großen: Diese Gedenkstätte am Straßenrand erinnerte an den schwersten Unfall in der Geschichte Schleswig-Holsteins im Mai 2000 zwischen Eutin und Süsel. Quelle: *Eckhard Meier
Süsel

Aufmerksamen Autofahrern wird es aufgefallen sein: Das weiße Kreuz mit den elf kleinen Kreuzen am Straßenrand ist weg. Das private Gedenkkreuz für die elf Toten des bisher schlimmsten Verkehrsunfalls, der sich jemals in Schleswig-Holstein ereignet hat, steht nicht mehr an der B 76. Bei der Erneuerung dieses Abschnitts der Straße vor knapp einem Jahr ist es abgebaut und nicht wieder aufgestellt worden.

An vielen Straßen stehen Kreuze, die an Verkehrstote erinnern. Angehörige stellen sie auf, um einen Ort zum Trauern zu haben. Die Kreuze werden geduldet, obwohl es untersagt ist, an Fernstraßen etwas aufzustellen, was nicht genehmigt ist. Bei Straßenerneuerungen werden die Kreuze sogar sorgsam weggeräumt und hinterher wieder aufgestellt, was bei den Straßenbaubehörden aber niemand laut sagen möchte.

Gemeingebrauch und Sondernutzung

Bei Bundesfernstraßen wird zwischen Gemeingebrauch und Sondernutzung unterschieden. Gemeingebrauch ist das Fahren auf der Straße, alles andere ist laut Bundesfernstraßengesetz eine Sondernutzung und muss genehmigt werden. Unter diese Sondernutzung fällt auch das Aufstellen von Unfallkreuzen. Aus Pietätsgründen werden die Kreuze aber von den meisten Straßenbaubehörden geduldet.

Im Gesetz heißt es weiter, der „Erlaubnisnehmer hat Anlagen so zu errichten und zu unterhalten, dass sie den Anforderungen der Sicherheit und Ordnung sowie den anerkannten Regeln der Technik genügen“. Zwar wird für Kreuze keine Erlaubnis erteilt, also gibt es auch keinen Erlaubnisnehmer, dennoch dürfen die Gedenkstellen nicht stören, die Autofahrer nicht über Gebühr ablenken oder irritieren.

18 Jahre der Erinnerung

Das Kreuz von Süsel stand beinahe 18 Jahre an der Stelle, an der sich am 17. Mai 2000 das Unfassbare ereignet hatte. Ein schwedischer 40-Tonner kam auf dem Weg Richtung Eutin von der Fahrbahn ab, nachdem er vorher einen entgegenkommenden Lastwagen gestreift hatte. Der schwedische Sattelzug krachte in zwei Kleinbusse der Kieler Stadtmission. 31 Bewohner des Wichern-Heimes waren in vier Bussen unterwegs zu einem Tagesausflug in den Hansa-Park. Eine Fahrt, die jäh in einer Tragödie endete.

Der Sattelzug prallte gegen einen Kleinbus und begrub einen zweiten unter sich. In dem einen Fahrzeug starben drei Menschen, in dem anderen, das unter dem Sattelzug lag, überlebte niemand. Acht weitere Tote waren dort zu beklagen. Sechs Menschen wurden verletzt. Der 27-jährige Hamburger, der den Sattelzug lenkte, wurde später zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Eine Luftbildaufnahme vom 17. Mai 2000 zeigt den schwedischen Sattelzug, der einen Kleinbus mit acht Menschen darin unter sich begrub. Alle Insassen starben. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Erst waren es elf Kreuze

Ein Jahr nach dem Unfall standen elf weiße Kreuze in der Kuhlbuscher Senke. Wer sie aufgestellt hatte, blieb unklar. Klar war für die Verkehrsbehörden aber schnell, dass die Kreuze nicht bleiben durften. Bei einer derart deutlichen Erinnerung an ein so fürchterliches Geschehen befürchteten die Behörden, dass Autofahrer abgelenkt werden könnten. Es müsse zwischen Pietät und Verkehrssicherheit abgewogen werden. Das ging zulasten der elf weißen Kreuze.

Das Gedenkkreuz an der B 76 zwischen Eutin und Süsel ist nach 18 Jahren abmontiert worden.

Und so kam es zum großen Kreuz mit elf kleinen Kreuzen. Ein Angehöriger eines der Todesopfer stellte es auf. Alles aus Holz gefertigt. Jahrelang stand das große Holzkreuz in der Kuhlbuscher Senke am Straßenrand, Wind und Wetter ausgesetzt. Immer wieder mal wurde es aufgearbeitet. Als vor einem Jahr die Straßenerneuerung der B 76 geplant wurde, bat der Angehörige die Straßenmeisterei darum, das Kreuz zu entfernen.

Aufbewahrt in der Straßenmeisterei

Der Mann aus Kiel habe sich aus Altersgründen nicht mehr in der Lage befunden, sich um das Kreuz zu kümmern und das der Autobahnmeisterei Scharbeutz mitgeteilt, berichtet Jens Sommerburg, der Leiter der Niederlassung Lübeck des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV). In der Autobahnmeisterei wird das Kreuz jetzt aufbewahrt. Es kommt nicht weg, versichert ein Mitarbeiter.

Was es bedeutet haben muss, das hölzerne Gebilde über die Jahre in gutem Zustand zu halten, wird bei näherer Betrachtung des Kreuzes klar. Die Farbe ist an vielen Stellen rissig oder blättert bereits ab. Es bräuchte einen neuen Anstrich. Aber dazu wird es wohl nicht mehr kommen.

Der Unfall war nicht nur einer der folgenschwersten in Schleswig-Holstein, sondern vermutlich sogar in ganz Deutschland. Recherchen des Landespolizeiamts bei altgedienten Beamten führten dazu, dass sich niemand an einen schlimmeren Unfall erinnern kann und auch niemand von einem solchen gehört hat. Vielen ist die Massenkarambolage mit 80 Fahrzeugen in einem Sandsturm bei Rostock am 8. April 2011 im Gedächtnis geblieben. Dort fanden acht Menschen den Tod.

In der Kuhlbuscher Senke zwischen Eutin und Süsel erinnert nun nichts mehr an die Tragödie, die sich dort vor 19 Jahren zugetragen hat.

Susanne Peyronnet

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