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Ostholstein Endlich Erdbeeren!
Lokales Ostholstein Endlich Erdbeeren!
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11:53 12.05.2017
Mmmh lecker - endlich gibt es wieder Erdbeeren.  Quelle: dpa
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Grömitz

Die erste reife Erdbeere gehörte dem Chef. Heinrich Mougin jr. erzählte am Donnerstag beim offiziellen Start der Erdbeersaison in Schleswig-Holstein, wie er am 30. April die rote Frucht pflückte. Mittlerweile geht es für den Grömitzer Betrieb um ganz andere Mengen. Erntehelfer aus Polen und Rumänien sammeln derzeit täglich 500 Kilogramm. In den kommenden Monaten erhöht sich diese Zahl auf bis zu 60 Tonnen pro Tag – das entspricht 240 000 Packungen gefüllt mit jeweils 250 Gramm Erdbeeren.

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Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer, erläuterte, dass landesweit 84 Unternehmen die Früchte anbauen. Die Pflanzen wachsen auf einer Fläche von 1105 Hektar. Neu ist, dass immer mehr Landwirte auf den Folientunnel setzen. Darin wachsen die sensiblen Früchte schneller und sind vor Hagelschauern geschützt. Auch Mougin setzt in diesem Jahr erstmals auf die Konstruktionen. In jedem der 18 Tunnel, die 80 Meter lang und zehn Meter breit sind, lebt ein Hummelvolk. Die Tiere sind für die Bestäubung zuständig und scheinen bislang einen guten Job zu machen.

Der Verkauf der Erdbeeren hat begonnen, das Wetter bleibt dennoch ein Risikofaktor. Claus Heller erinnert an den Kälteeinbruch über Ostern: „Nachtfröste haben den Blüten zugesetzt. Alle Anlagen mussten mit Vlies oder Folie geschützt werden. Trotz des Schutzes haben wir etwa zehn Prozent der Blüten verloren.“ Zugleich betonte er, dass die Situation in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen deutlich schlimmer sei. Dennoch habe sich der für den 1. Mai erwartete Erntebeginn um zehn Tage verzögert.

Positive Nachrichten hat der Präsident der Landwirtschaftskammer für die Konsumenten. Er rechnet mit einer Ernte bis weit in den August hinein. Im Verlauf der Saison dürfte es auch eine Veränderung bei den Preisen geben. Aktuell veräußert Mougin 250 Gramm für 2,50 Euro. „Es gibt Tagespreise“, betont er. Je mehr Früchte reif würden, desto mehr könnten auf den Markt gebracht werden und die Preise fallen. Damit die Ernte richtig in Schwung kommt, hofft Heinrich Mougin jr. auf milde Nächte, am liebsten mit Temperaturen von 18 bis 20 Grad. „Dann setzen die Fruchtfärbung und Süße richtig ein“, erklärt der 37-Jährige, der seit Anfang der 80er Jahre Erdbeeren anbaut. Zunächst auf einem, mittlerweile auf 108 Hektar.

Um all die Erdbeeren zu pflücken, arbeiten in der Hochsaison 350 Erntehelfer auf seinen Anbauflächen. Hinzu kommen weitere 150 Personen, die die Ware ausliefern und sie verkaufen. Zwar steht die Selbstvermarktung im Vordergrund, jedoch werden die Früchte auch an Supermärkte sowie nach Skandinavien und England geliefert. So könnte es sein, dass man in London auch mal Erdbeeren aus Grömitz genießen könne.

Von Sebastian Rosenkötter