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Ostholstein Für das Klima: Techauer nutzen neue Wärmeanlage
Lokales Ostholstein Für das Klima: Techauer nutzen neue Wärmeanlage
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18:28 06.05.2019
Das neue Blockheizkraftwerk versorgt aktuell 30 Haushalte in Ratekau mit klimafreundlicher Wärme.
Das neue Blockheizkraftwerk versorgt aktuell 30 Haushalte in Ratekau mit klimafreundlicher Wärme. Quelle: Saskia Bücker
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Ratekau

Frischzellenkur für die Energie-Zentrale in Techau: Seit Montag erfüllt ein mechanisches Surren den Raum auf dem Gelände der ehemaligen Otfried-Preußler-Grundschule. Grund dafür ist eine neue Wärmeanlage. Sie soll klimaschonender und effizienter als ihr in die Jahre gekommene Vorgänger arbeiten, betont Jost Glüsing, Projektleiter vom Zweckverband Ostholstein (ZVO).

Strom da produzieren, wo die Bürger wohnen: Noch sind es nur 30 Haushalte in Techau, die auf die zukunftsweisende Stromerzeugung setzen. In Zukunft sollen es mehr werden.

Was auf den ersten Blick wie ein schmuckloser quadratischer Kasten aussieht, hat es in sich: 15 Kilowatt elektrische Leistung hat das neue Blockheizkraftwerk, das Herzstück der Wärmeanlage. Über 120 000 Kilowattstunden Strom kann es pro Jahr produzieren. 114 000 Euro hat die ZVO in die Sanierung investiert.

Energiewende in Ratekau: Strom gemeinschaftlich beziehen

Das Besondere: „Die Leistung kann genau an den Bedarf angepasst werden“, sagt Glüsing. Es werde mit einem Blockheizkraftwerk nur die Wärmeenergie erzeugt, die auch tatsächlich ergänzend im Netz benötigt wird, um das Stromnetz zu entlasten. Der ZVO sieht in diesem Energiekonzept viel Potenzial für die von der Bundesregierung eingeleitete Energiewende.

Direktstrom: 14 Blockheizkraftwerke in Ostholstein

In Ostholstein betreibt der Zweckverband (ZVO) laut Unternehmenssprecherin Nicole Buschermöhle bereits 14 Wärmeanlagen mit einem klimaschonenden Blockheizkraftwerk. Die erste Anlage wurde 2009 in Sereetz errichtet, die meisten Anlagen betreibt der ZVO in Timmendorfer Strand.

Auch in den Gemeinden Ahrensbök, Lensahn, Heiligenhafen, Schönwalde am Bungsberg und neuerdings Ratekau-Techau beliefern die dezentral organisierten Wärmeanlagen vor Ort Haushalte mit Wärme und Strom. Seit Herbst 2018 bietet der ZVO den in den Kraftwerken erzeugten Direktstrom für Verbraucher an.

Der Überschuss aus der Techauer Energie-Zentrale komme auch Beziehern von gemeinschaftlich genutztem Direktstrom zugute, sagt Glüsing. Die Idee: Strom da produzieren, wo die Bürger wohnen. 30 Privathaushalte und eine Liegenschaft in Techau beziehen bislang den Strom vom Techauer Blockheizkraftwerk.

Weniger Verluste bei Stromerzeugung

Dadurch geht weniger Energie auf dem Weg zum Haushalt verloren. Bei der konventionellen Stromerzeugung gebe es laut ZVO aufgrund langer Transportwege und ungenutzter Abwärme Verluste von über 50 Prozent. Bei einem Blockheizkraftwerk seien es hingegen wegen der Nähe zu den Haushalten nur zehn Prozent. Zudem seien die Wartungskosten der Anlage sehr gering.

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ZVO-Geschäftsführer Rüdiger Lange-Jost ist überzeugt: „Mit der Anlage tragen wir zur Energiewende bei.“ Kunden würden immer mehr Wert darauf legen, dass ihre Energie klimaschonend erzeugt werde. Das Projekt in Techau sei zwar nur eine kleinere Maßnahme, zeige aber, wie die Energiewende vor Ort gemeinschaftlich funktionieren könne.

Ratekau will Energieverbrauch langfristig senken

Der ZVO hofft darauf, in Zukunft noch mehr Privathaushalte für den gemeinschaftlich genutzten Direktstrom gewinnen zu können. Einen Interessenten haben sie bereits, die Gemeinde Ratekau selbst: „Wir denken darüber nach, die Straßenbeleuchtung in der Techauer Dorfstraße aus der Energie-Zentrale heraus zu versorgen“, sagt Thomas Keller (parteilos), Bürgermeister von Ratekau.

Erklärtes Ziel der Gemeinde ist es, den Energieverbrauch langfristig zu senken. „Dabei geht Ratekau gerne gemeinsame Wege mit dem ZVO“, sagt Keller. Die dezentrale und klimaschonende Versorgung durch das Blockheizkraftwerk sei in diesem Bereich ein sinnvoller Schritt.

Saskia Bücker