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Ostholstein Eröffnung ohne großes Tamtam: Neues Hotel in Niendorf
Lokales Ostholstein Eröffnung ohne großes Tamtam: Neues Hotel in Niendorf
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23:12 13.05.2014
„Modern, aber warm“ soll das Niendorfer „Seehuus“ wirken, wünscht sich Direktorin Alexandra von OvenBatsch. Als Reminiszenz an das alte Niendorf wurden historische Postkarten zu Fototapeten aufgezogen.
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Niendorf

Beige und Blau finden sich überall im „Seehuus“, dazu gedecktes Braun und sanftes Grün. „Klar und ruhig“ ist der erste Eindruck beim Betreten des neuen „Lifestyle“-Hotels an der Niendorfer Strandstraße. „Modern, aber warm“ soll das 74-Zimmer-Haus erscheinen, erklärt die Direktorin Alexandra von Oven-Batsch, „Sand und Meer sollen sich widerspiegeln“. Seit knapp zwei Wochen ist geöffnet, wobei das „Seehuus“ eher unauffällig, ohne große Eröffnungsfeier an den Start gegangen ist. „Die Abläufe sollen sich erst einmal einspielen“, sagt die Chefin, und dass es schon viele Anfragen gebe. Jetzt hoffe man natürlich auf eine gute erste Saison — „aber darüber entscheidet am Ende wie immer das Wetter“.

15 Millionen Euro hat die Hoteliers-Familie von Oven — der auch das „Miramar“ und das „Seeschlösschen“ gehören — in den strahlend weißen Neubau investiert, der am Standort des ehemals legendären „Café Keese“ gebaut worden ist. Das neue Hotel ist in der Gemeinde willkommen, gerade mit Blick auf den Nachbarort Scharbeutz, der seit einem Monat durch das „Bayside“ an der Seebrücke — 132

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Zimmer, 28 Millionen Euro Investition — beachtlich verstärkt wurde, und zwar in der Kategorie „Vier Sterne Superior“. Das „Seehuus“ wäre auch in dieser Liga anzusiedeln, meint Alexandra von Oven-Batsch, ist bisher aber nicht klassifiziert.

Die Sterne seien auch nicht entscheidend, findet Timmendorfs Tourismuschef Joachim Nitz. „Bei der Neuansiedlung kommt es darauf an, ergänzende Hotelkonzepte zum bestehenden Angebot zu entwickeln, die sich nicht nur durch Kategorien, sondern durch neue Reiseanlässe auszeichnen.“ Beispiele dafür seien Bio- und Gesundheitshotels, familiengerechte Hotels oder Sport- und Eventhotels. Die Ansiedlung neuer Hotels sei eine „ständige Aufgabe“, so Nitz: „Alle weiteren touristischen Angebote wie Gastronomie, Freizeit und Einzelhandel profitieren in der weiteren Wertschöpfungskette.“

„Wir begrüßen das neue Hotel sehr“, erklärt Hauke Fuhrmann, Chef des Hotels „Fuchsbau“ in Groß Timmendorf. „Die Gemeinde braucht hochwertige Häuser, um ihre Attraktivität weiter zu steigern.“ Auch im „Fuchsbau“ werde kräftig investiert: „Wir bauen einen neuen Trakt mit 30 neuen Zimmern und einem großen Spa.“ Derzeit biete der „Fuchsbau“ 45 Zimmer, „das ist also beinahe eine Verdoppelung“. Die laut Fuhrmann insgesamt 4,6 Millionen Euro kosten werde. Ein weiteres Beispiel ist das Niendorfer Hotel „Yachtclub“, das nach Angaben der Geschäftsführung seit 2012 für 3,5 Millionen Euro aufgefrischt wurde. Das Geld sei unter anderem in die energetische Sanierung, in neue Zimmereinrichtungen, in neue Suiten, in einen neuen Spa-Bereich und in ein neues Restaurant geflossen.

„Die bestehenden Kapazitäten müssen attraktiver werden“, kommentiert das Kai-Ingo Menke-zum Felde (CDU), Vorsitzender des Timmendorfer Tourismusausschusses. „Aber wir brauchen auch mehr Betten in Timmendorf. Neue Hotels beleben den ganzen Ort und bringen enormen Schwung.“ Derzeit ruht die seit Jahren immer wieder aufflammende Debatte um den Standort für ein neues Hotel — jedenfalls öffentlich. „Wenn wir jetzt einen neuen möglichen Standort nennen, geht sofort wieder die Diskussion los, und der Standort ist verbrannt“, sagt Menke-zum Felde. „Zurzeit geht es erst einmal darum, Bewerber mit konkreten Vorstellungen zu finden.“

Doch bei allen Wünschen nach Erneuerungen soll das Vergangene ganz nicht vergessen werden — wünscht sich jedenfalls Alexandra von Oven-Batsch. Im „Seehuus“ ist das „alte Niendorf“ deshalb an vielen Stellen zu sehen: Historische Postkarten mit Motiven aus dem Hafen oder vom Strand wurden zu großen, sepiafarbenen Fototapeten aufgezogen, und an der Bar stehen ein paar Original-Hocker aus dem „Café

Keese“. Außerdem wurden einige eher ungewöhnliche Holzstatuen integriert, die einst die Bar „Kaleu“ des „Miramar“ schmückten. Das „Kaleu“ allerdings wird keine Wieder- oder Neueröffnung erleben, obwohl — oder gerade weil? — es dort wohl häufiger hoch hergegangen ist.

11 657 Betten für Gäste
Im Gemeindegebiet von Timmendorfer Strand gibt es laut Hotelstatistik 40 Hotels. Nicht alle sind klassifiziert. Unter den Klassifizierten sind zwei Zwei-Sterne-Häuser, zwölf Drei-Sterne-Häuser, 15 Vier-Sterne-Häuser und ein Fünf-Sterne-Haus.



Die Bettenzahl in Timmendorfer Strand liegt nach Angaben der Tourismus GmbH bei genau 11 657. Der größte Anteil der Betten, 59 Prozent, findet sich in Ferienappartements, -wohnungen und -häusern. 30 Prozent der Betten stellen die Hotels, der Rest verteilt sich auf Pensionen, Kureinrichtungen und die Jugendfreizeitstätte Niendorf.



1,28 Millionen Übernachtungen wurden in 2013 gezählt.

Sabine Latzel