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Ostholstein Europawahl: Wie viele Ostholsteiner gehen hin?
Lokales Ostholstein Europawahl: Wie viele Ostholsteiner gehen hin?
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19:14 21.05.2014
751 Abgeordnete sollen nach der Wahl am Sonntag, 25. Mai, im Europaparlament in Straßburg arbeiten. Quelle: Fotos: dpa, latz, sas, ab, cd
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Ostholstein

Die Auswahl ist groß: 24 Parteien nennt der Wahlzettel für die Europawahl am kommenden Sonntag, 25. Mai, auf dem auch die 165 341 Wahlberechtigten in Ostholstein ihre Kreuze machen sollen. Die aus dem Bundes- und dem Landtag bekannten Parteien stehen natürlich darauf, dazu eine breite politische Palette von der Familien-Partei über die Christliche Mitte bis hin zur Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands — es müsste für (fast) jeden etwas dabei sein. Dennoch sind die Erwartungen der Wahlleiter im südlichen Ostholstein an die Wahlbeteiligung nicht gerade schwindelerregend hoch.

„Das Interesse an der Wahl scheint sehr gering zu sein“, sagt Ahrensböks Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos). „Wir hatten Schwierigkeiten, überhaupt Wahlhelfer zu finden — und haben die Zahl der Wahllokale reduziert.“ Statt an 13 Orten in der Gemeinde kann nur an neun gewählt werden. Die Wahllokale Gillhalle, evangelischer Kindergarten und Firma Planaqenz fallen weg, und die Grebenhagener und Tankenrader wählen gemeinsam im Landgasthof Lebatz. Bei der Europawahl 2009 lag die Wahlbeteiligung in Ostholstein insgesamt bei 36,3 Prozent, in Ahrensbök fiel sie mit 33,5

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Prozent noch niedriger aus. „Das Wetter soll schön werden — die Bürger können also mit einem Spaziergang zum Wahllokal etwas für ihr politisches Gewissen tun“, wirbt Zimmermann für mehr Engagement.

„Viele vergessen offenbar, dass es noch nicht so lange her ist, dass wir in Deutschland keine freien Wahlen hatten.“ Wer nicht wähle, dürfe auch nicht hinterher über die vermeintlichen „Eurokraten“

meckern.

„In diesem Jahr gibt es einen starken Trend zur Briefwahl, das ist schon mal erfreulich“, erklärt hingegen Heiko Laskowski, Wahlleiter für die Gemeinde Scharbeutz. Die Zahl der Briefwähler sei bereits jetzt um ein knappes Drittel höher als bei der vorherigen Wahl. 2009 lag die Wahlbeteiligung an der Europawahl in Scharbeutz bei 38 Prozent. „Jetzt wünschen wir uns mindestens eine Vier vorne, wenn nicht sogar eine Fünf“, so Laskowski. „Wir hoffen, dass die Bürger erkennen, wie wichtig diese Wahl ist.“

Vorsichtiger ist Bernd Friedrich, Wahlleiter in der Nachbargemeinde Timmendorfer Strand. „Die Briefwahl läuft recht gut, generell herrscht im Ort kein politischer Verdruss, und die Parteien scheinen mit ihrem Wahlkampf die Wähler aufzurütteln“, sagt er. Andererseits fehlten noch Wahlhelfer, „und Ende Mai ist durchaus schon Urlaubszeit“. 2009 gingen 37,2 Prozent der Timmendorfer Wahlberechtigten an die Urnen. „Wenn es dieses Mal knapp über 40 Prozent werden, wäre das schön“, so Friedrich.

Auf Optimismus setzt Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz (CDU), Wahlleiter für die Verwaltungsgemeinschaft von Eutin und Süsel. „Man kann nur spekulieren — aber ich hoffe auf eine Beteiligung von 50 Prozent. Es hat in den vergangenen Monaten ja doch viele europäische Themen gegeben, die die Menschen bewegen.“

Ein Spezialfall ist in diesem Jahr die Gemeinde Ratekau. Dort stehen am Wahlsonntag neben der Europawahl auch die Bürgermeisterwahl und das Bürgerbegehren „Windpark Grammersdorf“ an. „Wir hoffen natürlich auf eine höhere Wahlbeteiligung durch diese Zusammenlegung“, erklärt Bürgermeister Thomas Keller (parteilos), einziger Kandidat bei der Bürgermeisterwahl. 2009 nahmen 34,1 Prozent der Wahlberechtigten aus Ratekau an der Europawahl teil. „50 Prozent bei dieser Wahl wären mein Wunsch“, so Keller. Das Thema Europa sei zwar im Alltag der Gemeinde nicht sehr präsent, „aber vielleicht wird es durch die Verknüpfung etwas mehr ins Bewusstsein gerückt“.

Von den Bürgern sei in der Tat wenig über die Wahl zu hören, berichtet Bosaus Bürgermeister Mario Schmidt (parteilos). Immerhin wies seine Gemeinde in 2009 mit 38,7 Prozent die höchste Wahlbeteiligung im südlichen Ostholstein auf. „35 Prozent am nächsten Sonntag wären gut, aber 30 Prozent sind wohl eher zu vermuten“, gibt sich Schmidt zurückhaltend. Dabei gebe es so viele europäische Themen, „da sollte man sich schon überlegen, von wem man sich vertreten lassen möchte“.

Wähler und Beteiligung
Ahrensbök: 6582 Wahlberechtigte zur Europawahl 2014. Wahlbeteiligung an der Europawahl 2009: 33,5 Prozent.

Bosau: 2794 Wahlberechtigte/Beteiligung 2009: 38,7 Prozent.

Eutin: 14 121 Wahlberechtigte/Beteiligung 2009: 36,5 Prozent.

Malente: 8888 Wahlberechtigte/Beteiligung 2009: 37,7 Prozent.

Ratekau: 12 578 Wahlberechtigte/Beteiligung 2009: 34,1 Prozent.

Scharbeutz: 9333 Wahlberechtigte/Beteiligung 2009: 38 Prozent.

Süsel: 4193 Wahlberechtigte/Beteiligung 2009: 38,2 Prozent.

Timmendorfer Strand: 7233 Wahlberechtigte/Beteiligung 2009: 37,2 Prozent. Quelle: Kreis Ostholstein

Sabine Latzel