Eutin: Das Haus der Tischbein-Öfen
Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Eutin: Das alte Haus der berühmten Tischbein-Öfen
Lokales Ostholstein Eutin: Das alte Haus der berühmten Tischbein-Öfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
09:00 03.08.2019
Heinrich Brandt ist stolz auf sein geschichtsträchtiges Haus in der Eutiner Stolbergstraße. Es ist seit 1926 in Familienbesitz. Quelle: Ulrike Benthien
Anzeige
Eutin

 Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts führte in Kunstkreisen in Deutschland an der Malerfamilie Tischbein kein Weg vorbei. Ihr bekanntester Vertreter war gewiss Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, der seit 1808 als Hofmaler etliche Jahre in Eutin wirkte. Zur Miete wohnte der Künstler ab 1817 damals zunächst in der Stolbergstraße Nr. 8. Er kaufte die Haushälfte sowie die benachbarte Nr. 10 sechs Jahre später und lebte dort bis zu seinem Tod. Seine Familie blieb bis circa 1840 dort wohnen – so steht es auf einer Erinnerungstafel im Innenhof des Hauses. Das Nebengebäude, Stolbergstraße Nr. 12, hat Tischbein für seine Tochter erbauen lassen. Eigentümer des Hauses ist heute Dr. Heinrich Brandt, ein großer Bewunderer des Malers. „Eutin würdigt Tischbein gar nicht richtig“, sagt er.

War ein Berliner Baumeister in der Stolbergstraße am Werk?

Schon sein Großvater sei Tischbein-Fan gewesen und habe als solcher 1926 das Haus von Nachfahren gekauft. Mit Eva Pape-Tischbein, Ur-Urenkelin des Künstlers, habe seine Familie bis Ende der 1990er Jahre Kontakt gehabt, berichtet der 60-Jährige. Sie initiierte einen Tischbein-Wanderweg mit Schautafeln um den Großen Eutiner See, der 1998 eröffnet wurde. Bedauerlicherweise mussten die Tafeln schon bald entfernt werden, weil einige mutwillig zerstört worden waren.

Das Haus in der Stolbergstraße 12 sei zwischen 1822 und 1824 errichtet worden, allerdings auf dem Gewölbe eines anderen Gebäudes, erzählt Heinrich Brandt. „Man sieht, dass die Wände nicht mit den Kellermauern korrespondieren.“ Ansonsten sei das Haus jedoch so akkurat gebaut, dass es für die damaligen Verhältnisse in Eutin herausgestochen habe. „Das kann kein Dorfbaumeister gewesen sein. Ich vermute, dass hier Baumeister oder Architekten aus Berlin am Werk gewesen sind, die zur weit verzweigten Familie Tischbein gehört haben“, sagt Heinrich Brandt.

Öfen waren bis Ende der 1960er Jahre in Betrieb

Als sein Großvater Alfred Rahtge, „ein junger Oberlehrer an der Voß-Schule“, mit seiner Familie in die Stolbergstraße zog, habe es im Haus acht bis zehn der sogenannten Tischbein-Öfen gegeben, in jedem Wohnraum einen, nimmt Heinrich Brandt an. Zwei Schornsteine mit mehreren Zügen auf dem Dachboden stützen diese Vermutung. Die Öfen sind vor knapp 200 Jahren von der Eutiner Ofenmanufaktur Niemann hergestellt worden, die Dekore hat Tischbein entworfen: Es sind der Antike entlehnte Motive. Sie hatte der Maler auf seinen Italienreisen studiert.

Der bekannte Maler wohnte in der Stolbergstraße 8-10. Das Haus Nr. 12 ließ er für seine Tochter errichten. Darin gibt es heute noch drei erhaltene Tischbein-Öfen.

Drei vollständige Öfen sind in der Stolbergstraße Nr. 12 noch erhalten. „Meine Großmutter hat sie früher alle beheizt, das war eine ewige Schlepperei mit Kohlen und Holz. Bis Ende der 1960er Jahre waren sie in Benutzung“, sagt Heinrich Brandt, der sich noch gut daran erinnert. Zwei weitere Öfen, ein runder und ein eckiger, sind noch in Teilen vorhanden. Sie liegen, säuberlich sortiert, auf dem Dachboden. Brandt ist bereit, sie abzugeben: „Aber nur bei echtem Interesse, wenn jemand sie ernsthaft aufbauen will.“

Schloss-Mobiliar in der Stolbergstraße

Während des Zweiten Weltkriegs waren im Haus der Familie Rahtge viele Flüchtlinge einquartiert: „In jedem Zimmer eine Familie“, sagt Heinrich Brandt. In den 1950er Jahren zogen diese nach und nach wieder aus. Während der Einquartierungszeit sind wohl auch einige Möbel aus dem Schloss in der Stolbergstraße gelandet, so vermutlich ein voluminöser Esstisch und eine Kommode, die jetzt in Heinrich Brandts Flur steht. Der Mediziner hat seinen Lebensmittelpunkt in Lübeck, ist aber mit seiner Frau regelmäßig in seinem Elternhaus anzutreffen.

Tischbein-Ära – in Eutin in Vergessenheit geraten

Dass die Stadt Johann Heinrich Wilhelm Tischbein geradezu links liegen lässt, kann Brandt nicht verstehen. „Er hat hier lange gelebt und ist eventuell in diesem Haus gestorben. Außerdem ist sein Gemälde ,Goethe in der Campagna’ eines der berühmtesten der Welt und steht vom Bekanntheitsgrad her auf einer Stufe mit der ,Mona Lisa’ von Leonardo da Vinci und Rembrandts ,Der Mann mit dem Goldhelm’.“

Goethe half Tischbein in Italien

Johann Heinrich Wilhelm Tischbeinkam 1751 in Haina in Nordhessen zur Welt. In der weit verzweigten Familie gab es Schreiner, Maler, Restauratoren, Kopisten. Maler Tischbein probierte sich in verschiedenen Genres aus: Historien- und Porträtmalerei, er fertigte auch Landschaftsbilder und Stillleben an.

Ein Italienaufenthalt war unter Künstlern seiner Zeit sehr in Mode. 1779 bis 1781 verbrachte Tischbein einen Studienaufenthalt in Rom und befasste sich dort intensiv mit antiken Kunstwerken. 1783 kam er erneut nach Rom. Hilfe leistete ihm dabei Johann Wolfgang von Goethe, der ihm zu einem weiteren Stipendium verhalf. Bis 1799 lebte Tischbein in Italien. Während dieser Zeit freundete er sich mit Goethe an. 1786 entstand das Gemälde „Goethe in der Campagna“, das den Dichter als Reisenden zeigt und Tischbeins berühmtestes Bild wurde.

Von 1808 an war Tischbein Hofmaler in Eutin, am Hof von Peter I.. Bis zu seinem Tod 1829 lebte er in der Stadt. Eine Gedenktafel erinnert an sein Wohnhaus in der Stolbergstraße 8-10. Im Zusammenwirken mit einer Eutiner Ofenmanufaktur – sie übernahm den Bau, Tischbein entwarf das Dekor – entstanden die sogenannten Tischbein-Öfen.

Es gebe nur wenige Gemälde, die so oft kopiert und persifliert worden seien, sagt Heinrich Brandt. Eine Variante ist „Dagobert Duck in der Campagna“. Andy Warhol hat Tischbeins Werk, das den während einer Reise ruhenden Goethe zeigt, als Siebdruck aufbereitet. „Die Post hat sogar eine Briefmarke mit dem Motiv herausgegeben“, sagt Brandt. Er findet, Eutin sollte dem berühmten, einstigen Einwohner der Stadt viel mehr Anerkennung zuteil werden lassen.

Ulrike Benthien

Zum sechsten Mal sind der Bad Schwartauer Hinrich Becker und der Stockelsdorfer Michael Hitzfeld beim Wacken Open Air dabei. Sie bilden jedes Mal die Vorhut und organisieren das Basis-Lager für Familie und Freunde. Dieses Mal ist es eine neunköpfige Combo. Alles passt – bis auf die Kalkulation der Biervorräte.

03.08.2019

Die Kranich-Population im Kreis wächst. Ein Schlüssel zur Wiederansiedlung ist die Vernässung von Wäldern und Wiesen. Fehlender Regen kann für Nachwuchs zur Lebensgefahr werden.

02.08.2019

Noch bis Sonntag findet die „Fehmarn Talent Stage“ auf dem Burger Marktplatz statt. Unter anderem singen Lena Mainoi aus Lübeck und Connor Schmidt von der Insel.

02.08.2019