Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Inklusionshotel mit Seeblick: Vorzeigeprojekt eröffnet 2022
Lokales Ostholstein Inklusionshotel mit Seeblick: Vorzeigeprojekt eröffnet 2022
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:03 08.12.2019
Der Eingang des Inklusionshotels liegt in Richtung der Parkflächen am Bleekergang. Quelle: Wuttke & Ringhof Architekten
Anzeige
Eutin

Dass die Stadt Eutin nach etlichen Jahren endlich ein Hotel in der Größenordnung von 44 Doppelzimmern bekommt, ist an sich schon bemerkenswert. Es wird aber darüber hinaus eine besondere Unterkunft: ein Inklusionshotel, in dem Menschen mit und ohne Behinderung sich selbstverständlich begegnen, als Arbeitende und als Gäste. Im Februar, spätestens im März soll die Grundsteinlegung sein. Bauherr ist die gemeinnützige Gesellschaft „Die Ostholsteiner“ aus Eutin. Für ihren Geschäftsführer Reinhard E. Sohns ist der Bau „ein Herzensprojekt. Wir mussten sehr darum kämpfen“.

Viele „Ostholsteiner“ möchten im Inklusionshotel arbeiten

Viele Menschen in den Werkstätten und Wohnhäusern hätten die Diskussionen um ein Hotel an der Eutiner Stadtbucht, in 1a-Lage mit Blick auf den Großen Eutiner See und das Schloss, verfolgt, sagt Reinhard E. Sohns. „Alle bejahen den Bau. Und viele haben schon geäußert, dass sie sehr gern in dem Hotel arbeiten möchten.“

Anzeige
Die Planungen des Unternehmens „Die Ostholsteiner“ sind schon weit gediehen: So sollen Fassade, Lobby und Zimmer aussehen.

Rezeption, Gastronomie, Küche und Reinigung seien prädestinierte Bereiche, in denen Menschen mit Behinderungen tätig sein könnten, erklärt der Geschäftsführer. Von den 25 Arbeitsplätzen im Eutiner Hotel werden elf für Menschen mit einer Schwerbehinderung sein. Dadurch kann das Haus als Inklusionsbetrieb geführt werden und hat Bezuschussungsmöglichkeiten durch das Sozialministerium, das über das Integrationsamt einen Teil des Lohns für diese Menschen übernimmt (Minderleistungsausgleich).

Menschen mit und ohne Behinderung zusammenführen

„Eine Beeinträchtigung kann sehr einsam machen. Diese Menschen sind aber Teil unseres Systems, und deshalb ist das Hotel für Begegnungen super. Schnittstellen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu schaffen, das ist unsere Aufgabe“, sagt Reinhard E. Sohns. Seit 2003 ist er Geschäftsführer der „Ostholsteiner“, die sich um rund 800 Erwachsene mit Behinderungen kümmern und in deren Einrichtungen und Betrieben im Kreis sowie in Schwentinental fast 370 Frauen und Männer arbeiten.

So kann man spenden

Spenden können auf dieses Konto bei der Sparkasse Holstein überwiesen werden:

Inhaber: Die Ostholsteiner

Stichwort: „Hilfe im Advent“ (wichtig!)

IBAN: DE08 2135 2240 0179 2255 52

BIC: NOLADE21HOL

Hotelprojekt wird rund zehn Millionen Euro kosten

Nicht nur, dass Sohns um das Hotel am meisten kämpfen musste, auch vom Investitionsvolumen her ist es das größte Projekt, das er zu verantworten hat. Die Baukosten werden bei neun Millionen Euro liegen, 1,1 Millionen Euro hat ein Grundstückszukauf die „Ostholsteiner“ gekostet. Er ermöglicht es dem Unternehmen, für das Hotel erforderliche Stellplätze einzurichten. 14 werden vor einer begrünten Wand zum Rondell am Bleekergang hin entstehen, hinter der Wand bleibt eine Villa bis auf Weiteres erhalten. Drei weitere barrierefreie Parkplätze werden direkt vor dem Hoteleingang geschaffen.

Zuschüsse vom Ministerium und der Aktion Mensch

Von drei Inklusionshotels in Schleswig-Holstein weiß Reinhard E. Sohns. „In der Region wird das Eutiner Haus das erste sein. Die Stadt braucht ein Hotel, diese Notwendigkeit verknüpfen ,Die Ostholsteiner’ mit dem sozialen Aspekt. Das Wirtschaftsministerium sieht das Hotel als Leuchtturmprojekt“, berichtet er. Dafür steuere das Ministerium auch einen höheren sechsstelligen Betrag bei. In ähnlicher Größenordnung beteilige sich die Aktion Mensch an dem Projekt, erklärt Sohns.

Hotel-Verbund ermöglicht „Reisen für alle“

Das Inklusionshotelder „Ostholsteiner“ wird erst im Frühjahr 2020 fertig sein, es ist aber bereits im Verbund der Embrace-Hotels gelistet.

Mehr als 40 Hotels in Deutschland und Europa haben sich in dem Verein zusammengeschlossen. Ihre wichtigsten Anliegen sind die Inklusion von Menschen mit Behinderungen und barrierefreies Reisen.

Der Embrace-Anspruch: Lebens-, Arbeits- und Reisebedingungen sollten auch den menschlichen Unterschieden Rechnung tragen. Der Verein unterstützt Betriebe dabei, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in der Hotellerie zu erhalten und zu schaffen.

Während der Planung ist das Gebäude in der Breite etwas reduziert worden – „um Kosten zu sparen“, erläutert der Geschäftsführer. Die 44 Doppelzimmer sind in die Kategorien „Wellness“ (mit Seeblick, Balkon und 24 Quadratmetern Größe) sowie „Economy“ (18 Quadratmeter, etwas einfachere Ausstattung) unterteilt. Vier Zimmer sind speziell auf Rollstuhlfahrer zugeschnitten, der jeweils angrenzende Raum ist für eine Begleitperson gedacht.

Schöner Ausblick auf das Eutiner Schloss

Im zweiten Obergeschoss befindet sich der Wellnessbereich mit Sauna, Dampfbad, Therapieräumen und einem großen Außenbereich – und einem Ausblick auf das Schloss. Die ehemalige Herzogsresidenz ist auch durch große Glasflächen vom Restaurant (80 Plätze), der Bar und dem Bankettraum (bis zu 60 Plätze) aus zu sehen. Auch von der großzügigen Rezeption aus – der Zugang zum Hotel erfolgt vom Rondell am Bleekergang – ist der Backsteinbau gut zu erkennen.

Karte zeigt die Aufgaben von Die Ostholsteiner

Betonoptik, Holz, Backstein – das sind die drei Komponenten, die das dänische Architekturbüro Wuttke und Ringhof aus Kopenhagen für das Inklusionshotel vorgesehen hat. Immer zuvorderst im Blick: die Barrierefreiheit. So hat zum Beispiel die Rezeption einen abgesenkten Bereich. Sowohl Gäste im Rollstuhl können bequem heranfahren, dadurch können aber auch Menschen, die im Rollstuhl sitzen, an der Rezeption arbeiten.

„Die Ostholsteiner“ informieren

„Die Ostholsteiner“ sowie die beiden Tochterunternehmen sind in diversen Bereichen tätig und haben so Einfluss und Auswirkungen auf das Leben im Kreis Ostholstein. Über diese Links geht es zu verschiedenen Projekten:

Selbstverständlich ist auch der Zugang zu den öffentlichen Toiletten barrierefrei. Sie sind von der Promenade an der Stadtbucht aus erreichbar. Diese für alle zugänglichen WCs waren eine Bedingung der Stadt.

Pre-Opening zum Anleiten der Menschen mit Behinderung

Im Februar/März 2020 soll der Grundstein für das Inklusionshotel gelegt werden. Reinhard E. Sohns rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren. „Wir wollen zur Saison 2022 starten“, beteuert er. „Mindestens vier Wochen vor Eröffnung wird es ein Pre-Opening geben, in dem wir den Echt-Betrieb simulieren.“ Denn die Menschen mit Behinderung müssten ausreichend angeleitet werden. „Die Stadtbucht ist ein wunderschöner Ort für ein Hotel, und es wird etwas Besonderes sein, dort zu arbeiten. Ich freue mich auch als Eutiner darauf“, sagt Reinhard E. Sohns.

Das könnte Sie auch interessieren:

Von Ulrike Benthien