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Ostholstein Ostholstein hat ein neues Frauenhaus
Lokales Ostholstein Ostholstein hat ein neues Frauenhaus
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20:01 13.02.2020
Mit Monika Heinold und Sabine Sütterlin-Waack (v. r.) waren gleich zwei Ministerinnen aus Kiel zur Schlüsselübergabe gekommen. Landrat Reinhard Sager, Sybille Rohowsky (Frauenhaus) und Fabian Weist (Wobau, v. l.) sind stolz auf den Neubau. Quelle: Ulrike Benthien
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Eutin

Sie sei entsetzt über die Situation in Lensahn gewesen, als sie sich seinerzeit ein Bild vom Frauenhaus Ostholstein gemacht habe, sagte Sabine Sütterlin-Waack (CDU). Die Gleichstellungsministerin setzte sich fortan für einen Neubau ein. Von der Idee, eine neue Einrichtung zu schaffen, bis zur Schlüsselübergabe an den Verein Frauenhaus Ostholstein dauerte es zwei Jahre.

Wobau hatte ein freies Grundstück zur Verfügung

„Das ist eine ganz starke Leistung und ein Signal“, erklärte Fabian Weist, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Ostholstein. Er war gemeinsam mit Landrat Reinhard Sager (CDU) vor rund zwei Jahren zum Ortstermin im maroden, beengten Haus in Lensahn gewesen. Die Männer waren sich einig: „Es bestand akuter Handlungsbedarf.“ Auch wenn das Kerngeschäft der Wobau im Errichten und Bewirtschaften von Mietwohnungen besteht, erklärte sich Weist auf Anfrage des Landrates gleich bereit, ein Frauenhaus zu bauen. Zufällig stand ein freies Grundstück in Eutin im Eigentum des Unternehmens zur Verfügung.

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Das Team vom Frauenhaus Ostholstein, Anke Struve, Lena Oeverdiek und Sybille Rohowsky (v. r.), mit ihrer Unterstützerin, der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises, Silke Meints. Quelle: Ulrike Benthien

Es habe viele Fürsprecher und Unterstützer der neuen Einrichtung gegeben, sagte der Landrat, angefangen von der „Impulsgeberin“, der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises, Silke Meints, über die Kreistagsabgeordneten, die Geld bewilligten, bis zum Aufsichtsrat der Wobau, der dem Vorhaben sofort zugestimmt habe. „Besser wäre es, wir hätten solch ein Haus nicht nötig, aber die Realität in unserer Gesellschaft ist eine andere“, sagte Sager.

15 Plätze für bedrohte Frauen und Kinder

Das neue Frauenhaus Ostholstein hat 400 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche. Es bietet 15 Plätze für Frauen und Kinder, die im Fall von häuslicher Gewalt therapeutische Hilfe, Beratung und eine vorübergehend geschützte Unterkunft suchen. Das Gebäude ist barrierearm gebaut. Außer dem separat zugänglichen Wohn-, Gemeinschafts- und Schlaftrakt gibt es einen Büro- und Therapiekomplex. Darüber hinaus stellt die Wobau dem Frauenhaus eine Wohnung aus ihrem Bestand zur Verfügung. „Auf diese Weise wird Frauen und Kindern, die nicht mehr von häuslicher Gewalt bedroht sind, der Zugang zum Wohnungsmarkt erleichtert, weil sie beispielsweise eine feste Meldeadresse vorweisen können“, sagte Fabian Weist.

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1,3 Millionen Euro Investitionskosten für das Frauenhaus

Zur Schlüsselübergabe an den Verein Frauenhaus Ostholstein war neben Sabine Sütterlin-Waack auch Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) gekommen. Aus dem von ihr aufgelegten Impuls-Programm zur Sanierung von Frauenhäusern, das zehn Millionen Euro umfasst, sind in das Eutiner Haus 285 500 Euro geflossen. 120 000 Euro hat der Kreis Ostholstein zugeschossen. Weitere 856 500 Euro stammen aus dem sozialen Wohnungsbau als Zuschuss und Darlehen.

1938 gegründet

Die Wobau ist ein kommunales Wohnungsunternehmen mit Sitz in Eutin. Gesellschafter sind der Kreis und die Sparkasse Holstein sowie 28 Gemeinden aus Ostholstein.

Knapp 1900 Wohnungen bewirtschaftet die Gesellschaft.

Im März 1938 wurde sie vom damaligen Kreis Eutin, der Oldenburg-Lübecker Landesbank, der Stadt Eutin und acht Eutiner Handwerksbetrieben als „Gemeinnützige Wohnstättengesellschaft mbH. Eutin“ gegründet, um der damaligen Wohnungsnot entgegenzuwirken.

„Das Mindeste, was wir für Menschen tun können, die sich akut bedroht und verunsichert fühlen, ist eine wohnliche und sichere Umgebung zu schaffen“, sagte Sütterlin-Waack. Auch für das Team des FrauenhausesSybille Rohowsky, Lena Oeverdiek und Anke Struve – bedeute der Neubau endlich bessere Arbeitsbedingungen. „Wir freuen uns total“, sagte Sybille Rohowsky. Mit dem Wechsel von Lensahn nach Eutin entfalle viel Fahrerei. „Hier sitzen die Behörden, es gibt ein Krankenhaus, Ärzte, Schulen und Kitas. Und die Frauen haben bei Unternehmungen, bei denen sie unsere Unterstützung nicht benötigen, kürzere Wege.“

Das Frauenhaus Ostholstein ist erreichbar unter Telefon 043 63/17 21.

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Von Ulrike Benthien