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Ostholstein Spielend die Welt bereisen
Lokales Ostholstein Spielend die Welt bereisen
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15:00 26.12.2018
Rund zwei Dutzend historische Reisespiele besitzt die Eutiner Landesbibliothek, hier präsentiert Axel Walter zwei Exemplare. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

 Er ist stets auf der Suche nach weiteren Exemplaren für die kleine, aber feine Sammlung. Im Sommer 2016 hat Prof. Axel Walter die Leitung der Forschungsstelle zur historischen Reisekultur an der Eutiner Landesbibliothek übernommen und zeitgleich angefangen, historische Spiele zusammenzutragen. Zwei Dutzend Karten- und Brettspiele hat er über Antiquariate, spezielle Anbieter im Internet und Ebay-Versteigerungen mittlerweile erwerben können.

Zwischen 9,90 und 200 Euro haben die einzelnen Exemplare gekostet. Das älteste Spiel, das die Landesbibliothek besitzt, ist aus dem Jahr 1890. „Es gibt hochklassigere, ältere Spiele aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Aber die können wir nicht bezahlen. Da haben die großen Museen die Nase vorn“, sagt Axel Walter.

Die Landesbibliothek nennt eine Nachbildung eines Wikingerspiels ihr eigen, „das ist das älteste, mir bekannte Spiel“, sagt Walter. Das Brettspiel trägt den Zungenbrecher-Namen „Hnefatafl“ und ist seit der älteren Eisenzeit bekannt – „es fällt also in die Anfangszeit der Menschheit zurück.“ Über die Spielregeln sei lange Zeit gerätselt worden. Aber Carl von Linné, der berühmte schwedische Naturforscher (1707-1778), der Mineralien, Pflanzen und Tiere katalogisierte, habe um 1730 in Lappland Menschen beobachtet, die das Spiel der Wikinger beherrschten und die Regeln wiederentdeckt. „Das Spiel simuliert einen Angriff auf eine Burg, in der der König sitzt und sie verteidigt“, erklärt Axel Walter. Statt Spielsteinen hätten die rauhen nordischen Männer damals vermutlich Knochen oder abgehackte Finger genommen, „wie Wikinger eben so spielten“, sagt Axel Walter und lacht.

Soldaten würfelten, Könige spielten Schach

Spielen und Reisen gehörten seit Jahrhunderten zusammen. „Es gibt viele Spiele, die vom Reisen handeln, und es gibt Spiele, die beim Reisen die Zeit verkürzen“, erklärt der Literatur-, Medien- und Kommunikationswissenschaftler. Spiele waren und sind auch in allen Schichten verbreitet: „Soldaten, die nicht auf dem Schlachtfeld waren, haben früher gewürfelt. Das Spiel der Könige war Schach.“

Zweimal hat die Landesbibliothek in diesem Jahr zu Spielenachmittagen eingeladen: einmal hieß das Thema Deutschland, einmal Weltreisen. Im Januar wird es eine weitere Auflage geben. Dann soll es um Afrika gehen. Die meisten Spiele der Eutiner Sammlung sind Brettspiele. So auch die „Kaiserreise Wilhelm II - Nach Nord und Süd“. Die Landesbibliothek hat eine Nachbildung gekauft. „Das Original stammt von 1888, dem Drei-Kaiser-Jahr. Es befindet sich im Berliner Spielemuseum“, erzählt Axel Walter. Inhalt des Spiels: Der Regent macht eine Reise durch sein Reich und lässt sich allenorts huldigen. Die „Kaiserreise“ ist ein klassisches Laufspiel, auch Gänsespiel genannt, bei der Teilnehmer versuchen, ihre Spielfiguren trotz Hindernissen an ein vorgegebenes Ziel, in diesem Fall zum Berliner Stadtschloss in der Mitte des Spielbretts zu bringen.

Diese Karten- und Brettspiele waren in früheren Zeiten beliebt.

Eine Neuerwerbung der Landesbibliothek ist die „Europa-Rundreise“ aus dem Jahr 1930, „die haben wir noch nicht mal gespielt“, sagt Walter und verweist mit Begeisterung auf die kleinen, bunt bemalten Keramikautos, mit denen die Mitspieler von Berlin aus eine imaginäre Autorallye quer über den Kontinent unternehmen. Solche Autowettfahrten seien in den 1920er und 1930er Jahren sehr populär gewesen, weiß Walter und berichtet von der Schauspielerin, Schriftstellerin und Thomas Mann-Tochter Erika, die 1931 eine 10 000-Kilometer-Rallye durch Südeuropa gewonnen hat.

Werbung für einen Düngerhersteller

Im Zweiten Weltkrieg seien viele Spiele für die Front und die Soldaten entwickelt worden, sagt Axel Walter. „Die Spiele haben immer die Welt abgebildet, in der sie entstanden sind.“ Eine zur damaligen Zeit gängige Spiel-Variante waren Werbespiele, die in Umschlägen an die Haushalte verteilt wurden. Zwischen 1933 und 1939, vermutlich im Jahr 1935, sei „Eine Reise durch Deutschland“ von der Deutschen Kali AG herausgegeben worden, berichtet der Reisekultur-Experte. „Auf zur frohen Fahrt durch Deutschlands Gaue!“ heißt es anspornend in der Anleitung, Start ist natürlich in Berlin, „da, wo der Führer wohnt“. Ansonsten sei das Spiel fern von nationalsozialistischen Botschaften. „Es ist vielmehr eine dezente Werbung für die Kali AG. Der Bürger lernt, wie wichtig Dünger ist“, sagt Dr. Frank Baudach, Leiter der Landesbibliothek.

Lern-, Lehr- und Handelsspiele

Wie „Bingo“ funktioniert „Durch die weite Welt“ aus dem Jahr 1900. Jeder der sechs Mitspieler erhält eine Kontinentkarte, auf der mit Fähnchen Städte markiert werden (die Namen werden nach und nach mit Karten gezogen). Wer seine Kontinentkarte zuerst bestückt hat, ist Sieger. Mit diesem Lernspiel sollte die Welt erkundet werden. „Eine wunderschöne Karte, fantastisch, dass man so etwas heute noch bekommen kann“, sagt Walter ganz berauscht und schwärmt von den Namen, „die wir heute gar nicht mehr kennen“.

Mit kleinen Zinnflugzeugen geht es „Im Fluge um die Welt“, von New York nach London. Wer im Würfelspiel allerdings in Konstantinopel auf Feld 34 „landet“, dessen Flieger wird so stark beschädigt, dass er ausscheidet. „Ein richtiges Schätzchen“ nennt der Experte „Planiglob“, ein Reise- und Handelsspiel, herausgebracht 1910. Axel Walter ist angetan von der Komplexität des Spiels, aus dem als Gewinner hervorgeht, wer als reichster Reeder in seinen Heimathafen zurückkehrt.

Spielenachmittag in der Landesbibliothek

Das Themades nächsten Spielenachmittags in der Eutiner Landesbibliothek wird „Afrika“ sein. Er findet statt am Mittwoch, 23. Januar, um 15 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Da die Zahl der Plätze begrenzt ist, ist eine Anmeldung unter Telefon 045 21/ 78 87 70 erforderlich.

Früher wie heute praktisch und gut zum Zeitvertreib auf längeren Reisen sind Kartenspiele. Wie schön es in den Ostseebädern, im Harz oder auch am Rhein ist, vermittelt das Reisequartett von 1920. Sehr beliebt seien Kartenspiele in der ehemaligen DDR gewesen, sagt Axel Walter, der auch ein „Lehrquartett des Deutschen Buchgewerbes“ von 1960 für die Sammlung der Landesbibliothek beschafft hat.

Ulrike Benthien

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