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Ostholstein Architekt sieht genug Platz für zwei Schulen am See
Lokales Ostholstein Architekt sieht genug Platz für zwei Schulen am See
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15:11 23.05.2019
Architekt Niko Rickert aus Heiligenhafen erläuterte anhand eines Grundflächenmodells, wie Grundschule, Gemeinschaftsschule und Sporthalle am Kleinen See untergebracht werden könnten. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Die Bürgerinitiative (BI) „Vernunft macht Schule“ mobilisiert vor dem von ihr angestoßenen Bürgerentscheid für einen Schulcampus am Kleinen See alle Kräfte. Zu einem Informationsabend im Brauhaus hatten die Initiatoren Thorben Junge, Ivo Stock und Ursula Jacobsen-Priefer nicht nur den Schulleiter der Wilhelm-Wisser-Schule, Sven Ulmer, sondern auch den Heiligenhafener Architekten Niko Rickert eingeladen. Er bestätigte die von der BI vertretene These, dass an dem Standort Lübsche Koppel nicht nur ein Neubau der Außenstelle der Grundschule, sondern auch eine neue Gemeinschaftsschule plus Sporthalle zu realisieren seien.

„Unsere Sorge ist nicht ernst genommen worden“

„Wir haben immer geglaubt, dass sich das Raumbuch der Wisser-Schule am Standort Berg, also der Elisabethstraße, nicht ohne Weiteres umsetzen lassen wird. Unsere Angst war, dass das erst erkannt wird, wenn die Grundschule bereits gebaut wäre, und dann möglicherweise kein Geld mehr für die Wisser-Schule da wäre“, erklärte Thorben Junge die Motive der BI. „Mit dieser Sorge sind wir aber von der Politik nicht ernst genommen worden. Deshalb haben wir angefangen, Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu sammeln.“

Beide Schulkonferenzen wollen einen Neubau

Mitte Oktober hatte die Kommunalpolitik eine Machbarkeitsstudie für die Wisser-Schule in Auftrag gegeben. Das beauftragte Architekturbüro stellte sie Mitte Januar im Schulausschuss mit dem Ergebnis vor, dass 99 Prozent der Erfordernisse in der Elisabethstraße umzusetzen seien – ausgehend von einer 3,5-Zügigkeit und rund 500 Schülern. „Rein räumlich und formal“ erfülle das Raumprogramm, was seine Schule sich gewünscht habe, hatte Sven Ulmer damals eingeräumt. Das bekräftigte er auch auf dem Infoabend der BI. Aber es gebe auch den Beschluss der Schulkonferenz, sagte Ulmer. Diese habe sich für einen Neubau am Kleinen See ausgesprochen. Genau das hat allerdings auch die Schulkonferenz der Grundschule getan.

Sven Ulmer, Leiter der Wilhelm-Wisser-Schule, bedankte sich bei der BI für ihren Einsatz für Eutiner Kinder. Quelle: Ulrike Benthien

Schule habe sich sehr gewandelt, schilderte Sven Ulmer. „Unser Gebäude stammt aus den 1960er Jahren. Da gab es in der Mitte einen Flur, von dem gingen die Klassenräume ab. Kinder wurden zu der Zeit instruiert. Das war Lernen im Gleichschritt. Heute geht man auf unterschiedliche Lerntempi ein.“ Das müsse man angesichts vieler Förder- und DaZ-Schüler (Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sondern die es als Zweitsprache lernen) auch. „Heute werden Cluster gebildet. Da werden vier Klassenräume um einen Multifunktionsraum herumgepackt“, berichtete der Schulleiter.

Dies sind die Abstimmungsfragen am 26. Mai

Die Frage der BürgerinitiativeVernunft macht Schule“ (Bürgerentscheid 1) heißt folgendermaßen: „Sollen die Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule (Standort Eutin) und die Grundschule (Standort „Kleiner See“) einen Neubau am Standort Kleiner See erhalten und soll an diesem Standort eine 3-Feld-Sporthalle gebaut werden, die beide Schulen für den Schulsport nutzen können?“

Die Gegenfrage laut Beschluss der Stadtvertretung lautet: „Sind Sie dafür, dass eine neue Grundschule am Standort Kleiner See inklusive Förderzentrum und Dreifeld-Sporthalle mit Tribüne für sich allein gebaut wird und die Wilhelm-Wisser-Schule am bisherigen Hauptstandort mit eigener Zweifeld-Sporthalle plus Gymnastikraum baulich saniert und erweitert wird?“

Der Text zur Stichfrage: Für den Fall, dass Bürgerentscheid 1 und Bürgerentscheid 2 jeweils das erforderliche Quorum erreicht haben, wird mit dieser Stichfrage entschieden, welcher Bürgerentscheid umgesetzt werden soll. Welcher Bürgerentscheid soll umgesetzt werden?

Er nannte die Sanierungsabsichten, die CDU, Grüne und FDP mit ihrem Bürgerentscheid für seine Schule verfolgten, „pädagogisch rückwärts gewandt“. Die BI-Absicht enthalte eine „pädagogische Vision. Sie bietet uns die Chance, auf neueste pädagogische Trends einzugehen“, sagte Sven Ulmer. Am Kleinen See böte sich die Möglichkeit, diese Vision umzusetzen. „Im Grünen, in Seenähe haben die Kinder die Chance, gesund zu wachsen.“

„Man kann eine sehr schöne Campuslösung hinbekommen“

Fachlichen Rat hat sich die BI beim Heiligenhafener Architekten Niko Rickert geholt. Anhand von Grundflächenmodellen zeigte er den 40 Gästen des Infoabends auf, wie Grund- und Gemeinschaftsschule samt Sporthalle auf dem Gelände arrangiert werden und sich zudem in die Landschaft am See einfügen könnten. „Man kann hier eine sehr schöne Campuslösung hinbekommen. Das ist keine große Bärenaufgabe. Es muss kein Klotz werden. Und es gibt sogar noch Potenzialflächen“, sagte er und zeigte sich zuversichtlich, dass ein – auch von der Stadt angestrebter – Wettbewerb „viele gute Ergebnisse“ bringen werde.

Ex-Schulleiterin warnt vor „größtem Fehler in der Geschichte Eutins

Als große Fürsprecherin der Campuslösung zeigte sich die ehemalige Schulleiterin der Gemeinschaftsschule, Erika Jahnke. „Eutin stellt absolut die falschen Weichen, wenn noch weiter in die Wisser-Schule investiert wird. Aus Süsel kamen die Kinder früher traditionell zur Wisser-Schule. Jetzt fahren alle nach Pönitz. Dort ist kontinuierlich aufgerüstet worden. Es gibt einen großen Schulhof, viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Das ist auf dem Gelände an der Elisabethstraße nicht machbar“, sagte sie und weiter: „Es wäre der größte Fehler in der Geschichte Eutins, jetzt nicht für die Campuslösung zu stimmen.“

Bis 2010 gab es Grund- und Hauptschule am Kleinen See

Rita Rehm, ehemalige Lehrerin an der Schule am Kleinen See, trat Bedenken entgegen, dass jüngere und ältere Kinder dort keinen gemeinsamen Unterrichtsstandort haben könnten. „Ich verstehe das überhaupt nicht. Bis vor neun Jahren waren dort Grund- und Hauptschule gemeinsam angesiedelt.“ Mit dem 1. August 2010 waren die Hauptschule vom Kleinen See und die ehemalige Realschule/Wilhelm-Wisser-Schule zur Gemeinschaftsschule verschmolzen.

Ergebnisse im LN-Live-Ticker

14 618 Wahlberechtigtekönnen in Eutin am Sonntag, 26. Mai, beim Bürgerentscheid über die Entwicklung der Schullandschaft abstimmen. Aufgerufen sind alle Eutiner ab 16 Jahren. Die notwendige Anzahl von Stimmen, die erreicht sein muss, damit die Abstimmung gültig ist, beträgt aktuell 2632 Stimmen.

Ab 18 Uhr werden zunächst die Stimmen zur Europawahl ausgezählt. Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt rechnet für 21.30 bis 22 Uhr mit den Ergebnissen. Erst danach werden die Stimmen für den Bürgerentscheid ausgezählt. Die Ergebnisse wird die Stadt nur auf ihrer Homepage veröffentlichen. Im Rathaus ist keine Präsentation vorgesehen.

 Die LN werden in einem Live-Ticker über den aktuellen Stand berichten.

Auf den Einwurf aus dem Publikum „Was passiert nach dem 26. Mai, wenn die Bürgerinitiative sich durchsetzen sollte?“ antwortete die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Monika Obieray: „Der Bürgerentscheid muss befolgt werden. Alle Parteien würden sofort an der Umsetzung arbeiten.“ Sie gab jedoch zu bedenken: „Es kann sich herausstellen, dass Fachleute sagen, es passt nicht hin.“ Obieray spielte den Ball an die BI weiter: „Werden Sie es den Bürgern dann erklären?“ Er vertraue zunächst auf ihr Wort, dass sofort angefangen würde, entgegnete Thorben Junge. Würde allerdings so geplant, dass kein Platz für die Wisser-Schule am See sein sollte, „fällt uns das auf. Dann machen wir das Spektakel in zwei Jahren noch mal“.

Ulrike Benthien

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