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Ostholstein Aufklärer feiern 60. Geburtstag
Lokales Ostholstein Aufklärer feiern 60. Geburtstag
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11:37 18.09.2018
Angebliches Dorf in Mali (es musste auch schon mal für Afghanistan herhalten) auf dem Truppenübungsplatz in Eutin: Soldaten des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ zeigen, wie Feldnachrichtenkräfte im Gelände unterwegs sind. Quelle: Peyronnet
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Eutin

Aufklärer müssen drei Dinge können, heißt es in einem Kalauer: reiten, tanzen und essen (gepflegt mit Messer und Gabel). Das verweist auf die große Tradition der Einheit, die aus der Kavallerie hervorgegangen ist. Davon kündet der Bataillonssattel samt der mit dem Bataillonsnamen bestickten gelben Schabracke, der im Eutiner Offizierscasino aufbewahrt wird. Zu Pferde sind die Aufklärer aber seit Beginn ihres Bestehens nur in Ausnahmefällen unterwegs. Bevorzugtes Fahrzeug war über Jahrzehnte der Panzer.

Deshalb hieß das Bataillon zunächst Panzeraufklärungsbataillon 6. Aus dieser Zeit stammen die drei Panzer, die an den Rändern des Appellplatzes in der Rettberg-Kaserne stehen: ein französischer „Hotchkiss“, mit dem die Soldaten des Bataillons in den ersten Jahren unterwegs waren, als es noch keine deutschen Fahrzeuge gab. Außerdem steht dort ein „Leopard 1“. Mit ihm wurde Aufklärung durch Kampf betrieben. Aus der Reaktion der Gegner auf einen Angriff wurden Schlüsse gezogen. Am Rande des Appellplatzes steht noch ein „Luchs“-Spähpanzer, der Vorgänger vom „Fennek“. Der „Luchs“ konnte genauso schnell rückwärts fahren wie vorwärts, berichtet Presseoffizier Hauptmann Matthias Simon. Damit habe dieser Panzer viel Eindruck gemacht.

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Weg mit den Panzern

Seit 2008 ist nicht nur der Panzer aus dem Bataillonsnamen verschwunden, die Methoden der Aufklärer sind deutlich subtiler geworden. Der „Fennek“ ist ein Panzerspähwagen, der über allerlei hochmoderne Aufklärungstechnik wie Kamera, Wärmebildgerät und einen augensicheren Laserentfernungsmesser verfügt. Der Aufklärung, also dem Suchen von Informationen über den Feind, dienen auch die drei Drohnen, die den Eutiner Soldaten zur Verfügung stehen: Luna (Luftgestützte Unbemannte Nahaufklärungs-Ausstattung), KZO (Kleinfluggerät für Zielortung) und Aladin (abbildende, luftgestützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich). Zum Job der Aufklärer gehört es aber auch, irgendwo im Gebüsch versteckt zu liegen und den Feind zu beobachten. Sehen, ohne gesehen zu werden. Schließlich gehört das Befragen von Einheimischen zu den Aufgaben der sogenannten Feldnachrichtenkräfte.

Das gestaltet sich nicht immer leicht, vor allem im Ausland. Und da waren die Eutiner Aufklärer oft, sehr oft im Einsatz. Kaum eine Einheit der Bundeswehr ist so bei Auslandseinsätzen gefragt wie die Aufklärer. 20 solche Einsätze waren es seit 1997. Dass Soldaten ihres Bataillons einmal am Hindukusch oder in Mali ihren Dienst tun würden, hätten sich die ersten Aufklärer des neu gegründeten Bataillons 1958 nicht träumen lassen.

Fotos aus den vergangenen 60 Jahren

So sind die Eutiner Aufklärer, die seit 2008 den Beinamen „Holstein“ tragen, heute eine Einheit zwischen Tradition und hochmodernem Soldatentum. Diese Tradition, auf die sie stolz sind, blitzt in der Eutiner Rettbergkaserne immer wieder durch. Ob in der militärhistorischen Sammlung in der Kaserne, die eine von nur drei anerkannten Außenstellen-Sammlungen des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden ist. Oder im von 1913 bis 1915 erbauten Offizierscasino, wo der große Saal bis heute den Charme der Kaiserzeit ausstrahlt. Dort, im Casino, wird auch der Bataillonssattel aufbewahrt. Wer sich nun fragt, warum ein 60 Jahre altes Bataillon ein mehr als 100 Jahre altes Offizierscasino besitzt: Eutin war schon früher Garnisonsstadt.

Herzliches Verhältnis

Die Aufklärer rückten 1961 in die Stadt ein. Von Neudorf aus rollten die Panzer bis in die Oldenburger Landstraße. Sie kamen aus Neumünster und Boostedt, wo das neu aufgestellte Panzeraufklärungsbataillon 6 von 1958 bis 1961 eine vorübergehende Bleibe gefunden hatte. Irgendwann trugen die Bemühungen der Eutiner Stadtpolitik Früchte, wieder Residenzstadt zu werden. Dafür reisten Vertreter der Stadt extra nach Bonn. Irgendwann fanden Stadt, Kaserne und Bataillon zusammen. Bis heute sind die Soldaten und die Eutiner eng miteinander verbunden. Das unterstrichen bereits 1976 Bürgermeister und Bürgervorsteher in einem Grußwort: „Sehr schnell bekam nicht nur die heimische Wirtschaft zu spüren, dass ein leistungsstarker Partner und Abnehmer in die Mauern der Stadt gezogen war, sondern es entwickelte sich auch ein herzliches Verhältnis der Stadt und ihrer Bürger zu ihren Soldaten“.

Tag der offenen Tür

Das Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ öffnet am Sonnabend, 22. September, von 10 bis 17 Uhr (letzter Einlass 16.30 Uhr) die Tore der Rettberg-Kaserne für die Öffentlichkeit. Geboten werden Waffenschauen, eine militärische Modenschau (sehr sehenswert), Blaulicht- und Schlemmermeile, Kinderspiele, Informationen des Reservistenverbandes sowie über das Leben im Felde und über eine Karriere bei der Bundeswehr.

Nicht nur die Aufklärer stellen sich vor, sondern auch die Heeresinstandsetzungslogistik, das Bundeswehrdienstleistungszentrum und das Kraftfahrausbildungszentrum. Um 16.30 Uhr wird ein Gottesdienst gefeiert.

Susanne Peyronnet

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