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Ostholstein Kulturpreis für Wagners Weber-Engagement
Lokales Ostholstein Kulturpreis für Wagners Weber-Engagement
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18:19 27.12.2018
Flötist, Bassist und Konzertveranstalter Martin Karl-Wagner, hier mit einem Weber-Porträt, ist Kulturpreisträger 2018 der Stadt Eutin. Quelle: Peyronnet
Eutin

Nein, der Preis hat ihn nicht milde gestimmt. Martin Karl-Wagner, Kulturpreisträger der Stadt Eutin 2018, studierter Musiker, Gründer und Organisator der Weber-Tage und lange Zeit auch des Eutiner Konzertsommers, hat eine klare Meinung zur Kulturstadt Eutin und ihren Akteuren. Ein bisschen gebauchpinselt fühlt sich der kritische Geist aber doch durch den Preis. „Ich habe mich sehr darüber gefreut und hatte nicht damit gerechnet“, erzählt er. Zwar habe ihn im Vorfeld jemand gefragt, ob er den Preis annehmen würde, falls er vorgeschlagen werde, aber das habe er schon wieder vergessen gehabt.

Der Kulturpreis der Stadt Eutin ist ein Anstecker in Form eines Buches mit der stilisierten Lilie aus dem Stadtwappen. Quelle: Peyronnet

Er gehe, sagt Karl-Wagner, davon aus, dass die meisten Stadtvertreter, die über den Preis entschieden haben, seinen Namen mit den Weber-Tagen verbinden. Aber: „Seit 2011 werde ich dafür bezahlt. Das hätte keinen Preis verdient, wenn ich meine Arbeit tue.“ Immerhin verhehlt er nicht, dass es die Weber-Tage nicht gäbe, hätte er sie nicht schon viel früher mit viel ehrenamtlichem Engagement ins Leben gerufen. Gleiches gilt für den Eutiner Konzertsommer, dessen Geburtsstunde am 10. Mai 1983 schlug, als der Lübecker Musikstudent (Querflöte bei Klaus Holle, Komposition bei Friedhelm Döhl) das erste Barockkonzert im Jagdschlösschen am Ukleisee organisierte und spielte.

Viel Engagement, viele Ensembles

Viele weitere Veranstaltungen prägten seinen Weg, nicht nur in Eutin. Etwa die 1989 gegründete Kammermusikreihe „Musik & Literatur in holsteinischen Schlössern und Herrenhäusern“ oder die Auftritte der von ihm mitgegründeten Gruppen Kieler Barockensemble, Gruppe Kieler Komponisten, trio con brio, Ensemble musica floreat und das hierzulande wohl bekannteste, Wagners Salonquartett. Stets haben sich diese Engagements selbst getragen, das mussten sie auch. Denn es ist kein Verein, der hinter Karl-Wagner steht, es ist allein seine Persönlichkeit eines Berufskünstlers. Und eines Veranstalters. „Ich bin Veranstalter geworden, damit ich und meine Kollegen am Ende auf der Bühne stehen können.“

Als Musiker und als Veranstalter sah er sich, wie er erzählt, in Eutin oft Anfeindungen ausgesetzt. „Von den Eutiner Festspielen hieß es, ich hätte kein Niveau und würde die Festspiele behindern.“ Als er 1996/97 den Freischütz im Wald aufführte, sei von Seiten der Festspiele massiv versucht worden, das zu verhindern. Alles Schnee von gestern, mittlerweile habe sich das Verhältnis zur Sommeroper geändert. Hakeleien mit anderen Kulturorganisatoren und -schaffenden gab und gibt es ebenfalls. Da ist Karl-Wagner in seinem Urteil gnadenlos: „In Eutin gibt es Leute, die einen hohen Kulturanspruch haben und es auch für gesellschaftliches Renommee machen. Die wollen sich immer abgrenzen.“ Mit solcher Art Vereinen habe er überall zu tun, das sei typisch für Kleinstadt-Strukturen. Dass Eutin davon profitiere, sieht Karl-Wagner aber auch: „Wir haben eine hohe Kulturdichte.“

Auf der Suche nach idealen Räumen

Mit der Raumdichte sieht es nicht ganz so gut aus. Was fehlt, seien Veranstaltungsorte für um die 80 Zuschauer. Das Jagdschlösschen am Ukleisee ist mit 100 Plätzen größer. Karl-Wagner hofft, dass es in der neu zu gestaltenden Reithalle am Schloss ein paar Nebenräume gibt und dass es nicht nur um architektonische, sondern auch um musikalische Vorgaben geht. Er hätte sich gewünscht, dass bei den Planungen ein Fachgremium gebildet wird, das vergleichbare Räume in der Umgebung aufsucht und sich sagen lässt, was gut und was schlecht ist. Und er hat eine Warnung für die Verantwortlichen: „Man sollte sich fragen, ob wir in dem Umfeld Discos und Abipartys zulassen wollen.“ Als Raum sehr schön sei die Orangerie im Schlossgarten oder eines der Torhäuser. Allerdings seien sie nicht für den Ganzjahresbetrieb geeignet, und es fehle an Infrastruktur, etwa Scheinwerfer-Aufhängungen oder Bühnenpodeste.

Eutins neuer Kulturpreisträger ist nicht bequem. Er übt Kritik, die aus seiner langen Erfahrung als Musiker und Veranstalter gespeist wird. 120 Veranstaltungen sind es pro Jahr, bei 110 davon steht er selbst auf der Bühne. Dabei hat er sich auf Kammermusik spezialisiert, auf die Salon-Musik früherer Zeiten. Andere Musik hat sich ihm nie erschlossen, etwa die geistliche Musik oder die Musik vor dem Barock. „Ich habe das Orchester nie angestrebt, da bleibt nur die Kammermusik.“ Der aber widmet sich Karl-Wagner mit preiswürdiger Hingabe. Deshalb erhielt er 2007 bereits gemeinsam mit Uwe Petersen, Birger Petersen und Frank Goralczyk für die Arbeit des Ensembles „musica floreat“ den Kulturpreis des Kreises Ostholstein.

Susanne Peyronnet

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