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Ostholstein Eutiner Stadtverschönerung: Fraktionen brauchen Aufschub
Lokales Ostholstein Eutiner Stadtverschönerung: Fraktionen brauchen Aufschub
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21:10 05.02.2015
Ortstermin Bahnhof: Philip Haggeney (l.) erläutert vor der Sitzung des Bauausschusses Interessierten seine Umgestaltungs-Pläne. Quelle: Benthien
Eutin

Und wieder wird ein Sonderausschuss nötig. In die Höhe geschnellte Kosten von jetzt 2,73 Millionen Euro nur für die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, der Bahnhofstraße, der Straße Am Mühlenberg und der westlichen Peterstraße ließen im Eutiner Bauausschuss am Mittwoch viele Fragen aufkommen. Ist das nötig? Und ist das in der von Philip Haggeney (RMP Planungsbüro) vorgeschlagenen Form nötig? Anfang kommender Woche soll er den Fraktionen in kleiner Runde viele Antworten liefern, am besten verbunden mit kräftigen Einsparmöglichkeiten, ehe der Ausschuss sich zeitnah zu einer Entscheidung durchringen will.

Geklärt werden müssen viele Aspekte: Soll die Bahnhofstraße wie im RMP-Entwurf vorgesehen bis zur Plöner Straße umgestaltet werden oder nur bis zur Einfahrt zum Parkplatz? Dazu sind auch die Stadtwerke zu hören, die neue Leitungen und Hausanschlüsse verlegen wollen. Ist die Stadt bereit, 172000 Euro für die Neugestaltung der Straße Am Mühlenberg und eine von dort in die Peterstraße führende, 35000 Euro teure Treppe (zu beiden Summen kommt die Mehrwertsteuer hinzu) auszugeben? Auch über das Material für die Pflasterung (Granit oder Klinker) soll in Hinblick auf Barrierefreiheit erneut gesprochen werden. Außerdem möchten die Stadtvertreter erfahren, was einzelne Maßnahmen kosten.

Auch wenn Bauamtsleiter Bernd Rubelt noch in der vergangenen Woche keine Parallele zu den Vorgängen zur Stadtbucht-Umgestaltung sehen wollte (kräftig gestiegene Kosten, Bauausschuss unter Zeitdruck), so drängte er am Dienstag doch auf eine Entscheidung: „Es ist schwierig zu schieben.“ Planer Haggeney untermauerte das: „Wir müssen die Ausschreibungen auf den Weg bringen, die Arbeiten in diesem Teil der Stadt sollen ja im Jahr 2015 fertig werden.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Matthias Rachfahl war wie alle anderen Ausschussmitglieder angesichts der um ein Drittel höheren Summe für die Stadtsanierung (wir berichteten) erstaunlich gelassen geblieben. Philip Haggeneys Begründung für die Kostenexplosion geriet umfänglich: Arbeiten in der Bahnhofstraße auf der doppelten Länge; mehr erforderliche Leitungen und Schächte; sein Büro habe erst kürzlich das vollständige Vermessungsaufmaß erhalten; in weit mehr Bereichen als vorgesehen müsse Pflaster fest eingebaut werden; in Teilbereichen seien Drainagen erforderlich; aufwändige Baugrunduntersuchungen; Kostenpuffer für Sonn- und Feiertagsarbeit. Dazu sagte Rachfahl später: „Wir wollen nichts blockieren. Aber wir haben dies heute erstmals gehört. Wie bekommen wir die Kuh vom Eis?“

Der Sonderausschuss (vermutlich kommenden Mittwoch) erschien auch den anderen Fraktionen als Möglichkeit — und verschafft etwas Luft, um auch noch einmal über Schüler- und Besucherströme oder barrierefreie Rampen mit entsprechender Steigung nachzudenken.

Ersatzbäume und neue Fledermaus-Quartiere
Die Fällungen im Seepark haben viele Eutiner bereits in Aufregung versetzt, auch im Süduferpark werden im Zuge der Stadtentwicklung und im Vorwege der Landesgartenschau (LGS) noch Bäume abgenommen. Begründungen zu den bereits erfolgten und noch bevorstehenden Maßnahmen lieferte am Mittwoch im Bauausschuss Raimund Weidlich vom Planungsbüro Prokom. Karsten Lutz, Biologe aus Hamburg, ergänzte seinen Vortrag um Betrachtungen von Fauna und Artenschutz.
Weidlich beteuerte, es habe eine umfassende Baumkartierung („das habe ich so noch nie erlebt“) gegeben. Die meisten der bislang gefällten Bäume seien wegen der Verkehrssicherungspflicht abgenommen worden oder weil sie andere im Wuchs behinderten. „Es wurden nur ganz wenige Bäume gefällt, weil an ihrem Standort ein Weg oder eine Spielfläche angelegt werden soll.“ Für diese Eingriffe im Seepark und im Süduferpark — dabei ging es um Bäume mit einem Stammdurchmesser von 60 Zentimetern — sei im Dezember von der Naturschutzbehörde des Kreises die Genehmigung erteilt worden.
Mindestens drei Ersatzbäume seien für jeden einzelnen Baum mit dem genannten Durchmesser, der wegen der Planungen weichen müsse, zu pflanzen, erklärte Raimund Weidlich. So sei vorgesehen, drei Erlen im Erlenbruch im Seepark zu setzen, im Süduferpark werden es Hainbuchen und Obstbäume sein.
Die „Landschaftspflegerischen Begleitpläne“ sähen außerdem 1100 Quadratmeter Schilffläche im Seepark (zur Stadtbucht gewandt) vor, so Weidlich. Vorgabe sei es, das alte Wegesystem in das neue zu integrieren, dennoch müsse die Stadt zwei Hektar Ausgleichsfläche schaffen, das könne sie über ihr Ökokonto an der Dodauer See-Niederung.
Sehr umfänglich legte Karsten Lutz dem Ausschuss das Verhalten von Vögeln, Amphibien, Fledermäusen, Juchtenkäfern (Eremiten) und Fischottern in Seepark und Süduferpark und mögliche Beeinträchtigungen durch Gartenschau-Besucher dar. Sein Fazit: In Einzelfällen könnten Ruhestätten von Fledermäusen zerstört werden, dem sei durch Schaffung neuer Quartiere entgegenzuwirken. Die Wanderbeziehungen der Otter würden nicht leiden, die Juchtenkäfer in der Eichenreihe am Forstamt behielte man im Auge, die anderen Tiere hätten einen nur wenig veränderten Lebensraum. ben
„Wir müssen die Ausschrei- bungen auf den Weg bringen.“
Planer Philip Haggeney

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