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Ostholstein Bauarbeiten an der Autobahn 1: Neustadt steht im Dauerstau
Lokales Ostholstein Bauarbeiten an der Autobahn 1: Neustadt steht im Dauerstau
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18:02 25.09.2019
Die Autobahnanschlussstelle Neustadt-Pelzerhaken in Richtung Fehmarn ist gesperrt. In Folge dessen schiebt sich eine Blechlawine durch die Stadt, verschärft die eh schon schwierige Verkehrssituation. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

Wer durch Neustadt fahren will, muss derzeit viel Zeit einplanen. An den stockenden Verkehr auf der Eutiner Straße dürften sich die meisten Ostholsteiner gewöhnt haben. Durch die Sperrung der A-1-Anschlussstelle Pelzerhaken in Richtung Norden hat sich die Situation noch einmal extrem verschärft. Von morgens bis abends schieben sich die Fahrzeuge durch die Stadt – viele sind lediglich auf der Durchreise. Sie wollen nach Grömitz, Schönwalde oder Altenkrempe und sollen eigentlich erst in Lensahn von der Autobahn runter.

Geschäftsleute trifft die derzeitige Situation besonders. Unternehmer wie Dirk Bollmann (Fliesen Bollmann Natursteinwerk) sind genervt: „Der gesamte Verkehr quält sich im wahrsten Sinne des Wortes durch die Stadt. Rückstaus bis zur Autobahn beziehungsweise die gesamte Sierksdorfer Straße hoch, sind im Moment an der Tagesordnung.“ Bollmann ist sicher, dass es rund um die kommenden Feiertage und die Herbstferien eine Katastrophe geben wird.

Darum sind die Bauarbeiten notwendig

Die Sanierung der Autobahn 1 zwischen Neustadt-Pelzerhaken und dem Rastplatz Hasselburger Mühle läuft seit Anfang September. Die Fahrbahn an der Anschlussstelle Pelzerhaken ist laut Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr am Ende ihrer technischen Lebensdauer ankommen. Eine grundhafte Erneuerung ohne zeitlichen Aufschub sei nun erforderlich.

Die Bauarbeiten: Der Fahrbahnaufbau soll bis in eine Tiefe von 40 Zentimetern vollständig ausgetauscht werden. Hinzu kämen zeitintensive Arbeiten wie das Herstellen neuer Entwässerungsleitungen, das Setzen neuer Bordanlagen sowie die komplette Erneuerung der Schutzplanken.

Die Dauer: Die Arbeiten an der Anschlussstelle sollen voraussichtlich zum 22. November abgeschlossen werden. „Die Arbeiten im Zuge der Strecke werden dann mit dem Rückbau der Verkehrssicherung noch einige Tage länger bis voraussichtlich zum 29. November andauern. Die Freigabe soll so früh wie möglich erfolgen“, teilt der Landesbetrieb mit.

Die Umleitung: Wer in Richtung Fehmarn möchte, der wird ab der Anschlussstelle Neustadt-Pelzerhaken über die Bedarfsumleitung U 93 geleitet. Diese führt über die B 501, die K 59 sowie die L 58 zur Anschlussstelle Lensahn. Der abfahrende Verkehr aus Richtung Lübeck soll erst in Lensahn abfahren und sich nicht durch Neustadt quälen.

Die Kosten: Die Sanierung kostet mehr als drei Millionen Euro.

Taxi- und Busfahrten dauern längern

Ähnlich äußert sich Michael Janssen (Taxi Janssen): „Das ist eine Zumutung für uns als Beförderungsunternehmen und auch für die Anwohner, dass der Verkehr durch die Stadt geführt wird“, sagt er. Durch die angespannte Verkehrslage hätten seine Fahrer zudem Schwierigkeiten, alle Stationen im Linien- und Schülerverkehr pünktlich zu bedienen (Dies betrifft Strecken mit nur wenigen Fahrgästen, so dass sich Busse nicht lohnen). Fahrten durch die Stadt würden teilweise die doppelte Zeit oder länger dauern, was die Planung ziemlich durcheinanderbringe. „Zudem sollten die Verkehrsplaner wissen, dass die meisten Navi-Geräte nicht die Umleitung über Lensahn, sondern den direkten Weg durch Neustadt anzeigen“, sagt Janssen. Da helfe auch kein Schild an der Autobahnausfahrt auf dem „Bitte über Lensahn fahren“ stehe.

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Kritik kommt auch von dem Busunternehmen Autokraft. Sprecher Egbert Meyer-Lovis bezeichnet die Lage als sehr belastend. „Ab 7 Uhr beginnt die Stauphase, die sich über den ganzen Tag hinzieht. Dies führt zu Verspätungen und längeren Fahrzeiten.“ Keine Schwierigkeiten meldet der Zweckverband Ostholstein, der auch für die Müllabfuhr zuständig ist.

Das sagt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr

Der für die Arbeiten entlang der A 1 verantwortliche Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) teilt mit, dass es vor Beginn zahlreiche Abstimmungsrunden mit Verwaltung, Polizei, ÖPNV, Rettungskräften und der Verkehrsbehörde gegeben habe. Am Ende werde der tragfähigste Kompromiss gesucht, der für die meisten Menschen vor Ort, die geringste Beeinträchtigung bedeute.

„Bei Planung der Maßnahme war klar, dass im Bereich Neustadt bedauerlicherweise keine leistungsfähigen Alternativrouten zur Verfügung stehen“, heißt es vom LBV. Jedoch gebe es keine Alternative zur Sanierung. Um die Auswirkungen möglichst gering zu halten, sei das Vorhaben bewusst in den verkehrsärmeren Herbst verlegt worden. „Auch wenn in den Herbstferien touristische Verkehre zu erwarten sind, so erreichen diese doch bei Weitem nicht das Belastungsniveau wie im Frühjahr oder im Sommer.“

Die Auffahrt in Richtung Fehmarn ist in Pelzerhaken gesperrt. Quelle: Sebastian Rosenkötter

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Appell an Autofahrer: Nicht durch Neustadt fahren

Um möglichst viele Fahrzeuge aus Neustadt herauszuhalten, wird Fahrern mit Ziel Grömitz empfohlen, erst in Lensahn abzufahren. Dass Verkehrsteilnehmer nicht den ausgeschilderten Umleitungsstrecken folgen, sondern sich eigene, ungünstigere Strecken suchen würden, verschärfe das Problem. „Hier kann man nur an die Verantwortung jedes einzelnen appellieren“, sagt der LBV.

Vorschläge zur Entlastung kommen auch von Betroffenen. Taxiunternehmer Michael Janssen schlägt vor: „Unseres Erachtens hätte die Umleitung über Lensahn oder über Sierhagen/Hasselburg erfolgen müssen.“ Zudem schlägt er ab dem zweiten Kreisverkehr in Richtung Stadtmitte ein Schild vor auf dem „Nur für Anlieger frei“ steht. Dirk Bollmann plädiert dafür, die Autobahnab- und auffahrt als erstes fertigzustellen und im Bereich Logeberg eine Zufahrt für Baustellenfahrzeuge zu schaffen.

So sieht der Blick auf Ein- und Ausfahrt in Pelzerhaken aus. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Die Stadt Neustadt hat kaum Einfluss

Neustadts Bürgermeister Mirko Spickermann (parteilos) erklärt lediglich, dass die Stadt kaum Einfluss habe, es jedoch gelungen sei, eine zusätzliche Beschilderung zur Umleitung des überörtlichen Verkehrs über Lensahn aufzustellen. „Trotzdem lassen sich Behinderungen nicht vermeiden, wenn größere Straßenbaumaßnahmen zum Erhalt dieser für uns sehr wichtigen Verkehrsinfrastruktur vorgenommen werden“, stellt Spieckermann klar.

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Von Sebastian Rosenkötter

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