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Ostholstein Heino Kreutzfeldt: Nach 18 Jahren im Amt ist Schluss
Lokales Ostholstein Heino Kreutzfeldt: Nach 18 Jahren im Amt ist Schluss
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17:47 19.02.2019
Heino Kreutzfeldt vor dem Gerätewagen Logistik. Wenn er sein Amt im Juni an seinen Nachfolger abgegeben hat, wird er damit unterwegs sein. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Der Eutiner Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt (64) will sich bei der Jahresversammlung der Freiwilligen Feuerwehren nicht erneut zur Wahl stellen. Er wechselt zwar erst mit 67 in die Ehrenabteilung, will aber keine „angeknabberte“ Amtszeit. Sein Resümee nach 18 Jahren: Die Verwaltungsarbeit nimmt stetig zu. Sein Wunsch: mehr Wertschätzung von der Politik.

18 Jahre Gemeindewehrführer – das ist eine lange Zeit. Fällt es Ihnen schwer, sich zu verabschieden, oder sind Sie erleichtert, die große Verantwortung jetzt abgeben zu können?

Heino Kreutzfeldt: Weder noch. Ich bin da nicht emotionslos, aber ich sehe es vollkommen relaxed. Man weiß, dass man für sechs Jahre gewählt wird und dass danach wieder etwas anderes kommt. Man muss auch abgeben können.

Bislang gibt es zwei Bewerber, die Gemeindewehrführer werden möchten. Was können Sie demjenigen, der zu Ihrem Nachfolger gewählt wird, für die Aufgabe mitgeben?

Das Amt ist zeitintensiv, und man muss ein bisschen Fingerspitzengefühl mitbringen. Mit der Axt durch den Wald – das haut nicht hin. Als Gemeindewehrführer einer Feuerwehr mit Ortswehren hat man kein eigenes Personal. Personalangelegenheiten werden in den Ortswehren selbst geregelt, aber manchmal muss der Gemeindewehrführer helfend eingreifen und sich dafür vorher schlau machen. Wenn es aber Zwistigkeiten zwischen Mitgliedern und ihrem Ortswehrführer gibt, ist der Kreiswehrführer der Ansprechpartner. Außerdem muss man sich darauf einstellen, dass man nicht alles durchsetzen kann, was man sich zu Beginn seiner Amtszeit vorgenommen hat. Man muss Kompromisse suchen und die Mannschaft zusammenhalten.

Zwei Kandidaten treten an

Die Wahl des neuen Gemeindewehrführers wird die Jahresversammlung der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt am Freitag, 22. Februar, dominieren. Sie beginnt um 19.30 Uhr im Mehrzweckraum der „Ostholsteiner“, Siemensstraße 19 in Eutin. Es gibt zwei Bewerber, die Heino Kreutzfeldts Nachfolge antreten möchten: Marco Wriedt (50), seit April 2015 stellvertretender Gemeindewehrführer, und Ralf Klesny (48), seit 2003 Ortswehrführer in Neudorf.

Bei Ihrer letzten Wahl 2013 erhielten Sie 80 von 81 abgegebenen Stimmen. Das ist ein großer Rückhalt.

Ja, aber ich war der einzige Kandidat. Jetzt gibt es zwei Bewerber. Wenn für einen das Ergebnis bei knapp über 50 Prozent liegt, dann muss sich derjenige schon Gedanken machen, wie er sein Amt ausführen will. Denn er hätte dann einen Großteil der Mannschaft nicht hinter sich. Er müsste sich dann beweisen und sehen, dass er die anderen mit ins Boot holt. Nicht alles schönreden, aber sie mit Argumenten, besser noch mit Taten überzeugen.

Was waren in den vergangenen 18 Jahren Erlebnisse, die besonders hängengeblieben sind?

Natürlich der Einsatz beim Feuer im Voss-Haus 2006, das war eine richtige Granate. Es gab viele schwierige Einsätze, wobei manche gar nicht so spektakulär waren, mich aber persönlich berührt haben. Es ist noch gar nicht so lange her, da hat sich jemand das Leben genommen, und der Ehepartner gehört zu unserem Bekanntenkreis. Das geht mir dann schon nahe. Da muss man versuchen, seine Emotionen nach hinten zu drücken und den Einsatz erstmal abzuarbeiten. Wichtig war mir bei den Einsätzen immer die Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinweg. Mit den Gemeinden Bosau, Malente, Süsel klappt das sehr gut. Ich habe immer versucht, die Kontakte zu den Nachbargemeinden zu pflegen.

„Ich habe jede Menge schöner Erinnerungen“

Was hat Sie in der Zeit geärgert oder genervt? Was ist als schöne Erinnerung abgespeichert?

Nervig ist alles, was an unnötigem Verwaltungskram aufläuft. Das sind Dinge, die teilweise unverständlich und absolut überflüssig sind. Wir dokumentieren uns zu Tode. Zu Beginn meiner Laufbahn mussten wir für eine Hilfeleistung eine halbe DIN-A4-Seite ausfüllen. So ein Bericht kann heute durchaus sechs Seiten beinhalten. Mein Amtsbruder in Segeberg sagt immer „Wir wollen doch nur Feuer ausmachen“, und ich kann ihm nur beipflichten. Ich habe jede Menge schöner Erinnerungen. Es gibt jährliche Zusammenkünfte von Wehrführern größerer und mittlerer Städte. Wir sind Gründungsmitglied dieser Vereinigung, deshalb dürfen wir in der Liga mitspielen, obwohl Eutin nicht deren Einwohnerstärke hat. Einmal im Jahr treffen wir uns gemeinsam mit unseren Frauen. Das zweite Mal ist inzwischen zu einem dreitägigen Seminar an der Landesfeuerwehrschule geworden mit hochrangigen Referenten. Das ist immer sehr lehrreich.

Kommen Menschen nach Einsätzen auf Sie zu?

Überwiegend erfahren wir bei Einsätzen eine gewisse Dankbarkeit, nach dem Motto ,toll, dass ihr da seid und uns geholfen habt’. Manche schreiben uns hinterher einen Brief – das ist auch das, was unser Ehrenamt ausmacht. Diese Briefe bewahren wir gut auf. Heute kommt so etwas auch per E-Mail oder Facebook. Diese Streicheleinheiten tun uns gut. So etwas vermisse ich bei unseren Obrigkeiten, den Parteien, der Wirtschaft, wie auch immer. Es wäre schön, wenn wir nicht nur auf der Jahresversammlung angesprochen würden, sondern einfach mal einer bei uns vorbeikommen würde. Der muss auch kein Fass Bier mitbringen. Mal auf die Schulter klopfen, das reicht.

Auf ein neues Feuerwehrgerätehaus wartet die Eutiner Wehr seit etlichen Jahren. Sind Sie zuversichtlich, dass es nach dem Abrücken vom Standort Festplatz in den kommenden drei Jahren gebaut werden wird?

Das ist seit 19 Jahren Thema. Im Jahr 2000 war die Feuerwehrunfallkasse im Haus und hat die Mängel aufgelistet. Ich bin zumindest zuversichtlich, dass in den nächsten drei Jahren entschieden wird, wo es hinkommt. Dass es schon stehen wird, glaube ich nicht. Wenn es ein Grundstück gibt, für das Baurecht besteht, kann es schnell gehen. Wenn noch Bebauungspläne geändert werden müssen, wird es sich hinziehen. Es frustriert schon, die Feuerwehr hat ihre Hausaufgaben gemacht, ein Raumbuch erstellt, Testfahrten vorgenommen. Ich hätte bis zum Ende meiner Amtszeit wenigstens gern den Grundstein gelegt.

„Ich sehe die Zahlen nicht als gravierendes Problem“

Die drei Eutiner Ortswehren erfüllen nicht die vorgeschriebene Mindeststärke. Ist das aus Ihrer Sicht vorübergehend, und was wird dagegen unternommen?

Fissau hat 26 Aktive inklusive Reserveabteilung. In Neudorf gibt es 24 Aktive und fünf Zweitmitglieder. Eutin hat 70 Aktive und fünf Zweitmitglieder, die auch am Tag verfügbar sind. Ich sehe die Zahlen nicht als gravierendes Problem. Wir sind aber dabei, aktive Mitglieder zu werben. Dazu wollen wir Hausbesuche machen und einen Imagefilm drehen.

Bleiben Sie bis zum Wechsel in die Ehrenabteilung „normaler“ Feuerwehrmann?

Bis zur Sitzung der Stadtvertretung im Juni bin ich Gemeindewehrführer. Danach melde ich mich in meiner alten Einheit zurück. Früher bin ich auf dem Schlauchkraftwagen gefahren. Den gibt es nicht mehr. Das ist heute der Gerätewagen Logistik. Dann heißt es wieder üben, in manche technischen Dinge werde ich mich einfuchsen müssen. Und dann verteile ich keine Aufgaben mehr – ich bekomme sie zugeteilt.

So kennt man ihn: Heino Kreutzfeldt im Einsatz, hier in der Lübecker Straße in Eutin.

Ulrike Benthien

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