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Ostholstein Experten-Gutachten: Woran es in Heiligenhafen mangelt
Lokales Ostholstein Experten-Gutachten: Woran es in Heiligenhafen mangelt
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07:00 29.10.2019
Die Heiligenhafener Innenstadt aus der Vogelperspektive: Oben sind Gras- und Steinwarder sowie die neuen Hotels zu erkennen. Im vorderen Bereich liegt die Altstadt. Für die Ortsmitte werden jetzt die Ziele der Stadtentwicklung abgesteckt. Quelle: Gäbler
Heiligenhafen

Die Stadt Heiligenhafen ist mit ihrer Ortsmitte in das Städtebau-Förderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ aufgenommen worden. Bevor jedoch Fördermittel fließen, gilt es ein großes Aufgabenbündel abzuarbeiten: Dazu gehören Informationsveranstaltungen für die Bürger, deren aktive Beteiligung, außerdem Städtebau- und Verkehrsgutachten. Schonungslos muss alles auf die Tisch. Denn Geld aus dem Förderprogramm gibt’s nur für die Behebung von Missständen.

Was ist bisher erarbeitet worden? Ende April fand das erste Bürgerforum statt. Außerdem gibt es jetzt eine umfassende Bestandsanalyse und Bewertung der Häuser, Straßen und Plätze in der Heiligenhafener Innenstadt sowie des fließenden und ruhenden Verkehrs. Auf dieser Grundlage wurden mit dem Projektbeirat – bestehend aus Vertretern der Stadt, lokaler Institutionen und Bürgerschaft – die nächsten Leitlinien und Ziele definiert.

Sie führten in Heiligenhafen durch den Abend: Links Städteplanerin Bele Anders-Brockmöller (BIG Städtebau) und Verkehrsgutachterin Pia Dölling (Wasser- und Verkehrs-Kontor, Neumünster). Quelle: Gäbler

150 Besucher beim zweiten Bürgerforum

Diese Bestandsanalyse, Leitlinien und Ziele standen jetzt beim zweiten Bürgerforum im Pavillon am Binnensee im Mittelpunkt des Abends. Gut 150 Besucher waren gekommen, um der Präsentation von Städteplanerin Bele Anders-Brockmöller (BIG Städtebau) und der Verkehrsgutachterin Pia Dölling (Wasser- und Verkehrs-Kontor Neumünster) zu lauschen und sich mit eigenen Vorstellungen und Ideen einzubringen.

„Die Städtebauförderung basiert auf mehreren Bausteinen“, erläuterte Bele Anders-Brockmöller. Gemeint sind eine Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes, ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept und eine verfahrensrechtliche Abwägung. „Der Projektbeirat steuert die Abläufe“, sagte Anders-Brockmöller und machte noch einmal deutlich: „Es gibt nur Geld für die Behebung von Missständen.“

Diese Mängel sieht die Städteplanerin

Und Missstände, sagte die Städteplanerin, gebe es in der Heiligenhafener Ortsmitte reichlich: Im öffentlichen Raum gebe es außerhalb der Sommersaison zu wenig zu erleben, an vielen Stellen hapere es noch mit der Barrierefreiheit, der zentrale Marktplatz werde seiner eigentlichen Funktion kaum gerecht. Bele Anders-Brockmöller: „Die Altstadt bietet insgesamt zu wenig Qualitäten.“

Nicht besser sehe es im Bereich „Wohnen“ aus. Es gebe in Heiligenhafen nicht genügend bezahlbaren Wohnraum und zu wenig altengerechtes Wohnen. Auch im Bereich „Soziale Infrastruktur“ sieht die Städteplanerin große Defizite: „Es gibt keinen zentralen Ort für das Zusammenkommen von Jung und Alt.“

Die Mängelliste der Verkehrsgutachterin

Die Missstände im Bereich „Verkehr und Erschließung“ benannte die Verkehrsgutachterin Pia Dölling. Die Stadt hatte das Wasser- und Verkehrs-Kontor in Neumünster mit einer Analyse des fließenden und ruhenden Verkehrs beauftragt. Ein für viele Besucher überraschendes Ergebnis war beispielsweise: Der Autoverkehr in Heiligenhafen fließt – in beiden Richtungen – hauptsächlich über die Straßen Wilhelmsplatz, Hafenstraße, Am Strande, Lauritz-Maßmann-Straße und Bergstraße. Kaum genutzt werde laut Pia Dölling dagegen die Südtangente (Wendstraße–Bergstraße).

Noch schlimmer: Jeder vierte Verkehrsteilnehmer fahre einfach nur durch die Stadt, um sie dann anschließend gen Norden oder Süden gleich wieder zu verlassen. „Das waren 25 Prozent der erfassten Autos, die in der Stadt keinen Halt eingelegt haben“, sagte Dölling zur Überraschung vieler Zuhörer.

Untermauert wurde diese Beobachtung durch die Parkdauererhebung: Ob am Tourismus-Service, in der Lauritz-Maßmann-Straße, Fischerstraße oder an der Stadtkirche – zwischen 63 und 93 Prozent der abgestellten Fahrzeuge waren Kurzparker (weniger als zwei Stunden). Nur in der Achterstraße überwogen die Langzeitparker (Parkdauer von mehr als sechs Stunden).

Heiligenhafener stecken die Ziele der Stadtentwicklung ab

Leitlinien für die nächsten 15 bis 20 Jahre

Eine Flut von Informationen, die sich über die Zuhörer ergoss. Im zweiten Teil des Abends ging es dann für sie darum, sich in Arbeitsgruppen mit den abgesteckten Leitlinien und Entwicklungszielen noch eingehender zu beschäftigen. Wie wichtig diese Bürgerbeteiligung ist, unterstrich noch einmal Bele Anders-Brockmöller: „Die gelten dann immerhin für die nächsten 15 bis 20 Jahre und beeinflussen alle weiteren Entscheidungen.“

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Von Louis Gäbler

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