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Ostholstein Expertin über Gewalt in Süsel: „Vorbildfunktion der Eltern ist entscheidend“
Lokales Ostholstein Expertin über Gewalt in Süsel: „Vorbildfunktion der Eltern ist entscheidend“
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07:47 16.11.2019
Kinder in Ostholstein hatten Angst, zur Schule zu gehen, weil sie von Mitschülern drangsaliert wurden. Diplom-Psychotherapeutin Luise Bodenstein aus Neustadt/Holstein rät Eltern, sich im Zweifelsfall Hilfe bei Fachleuten zu holen. Quelle: Poppke/dpa/Montage: jad
Süsel

Luise Bodenstein aus Neustadt in Holstein ist Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin und hat sich auf Verhaltenstherapie spezialisiert. Im LN-Interview erzählt sie, welche Ursachen Aggressionen im Kindesalter haben können.

Wie kann es sein, dass Kinder im Grundschulalter derartige Aggressionen und Gewaltbereitschaft zeigen?

Ein sozial auffälliges Verhalten von Kindern im Grundschulalter erklärt sich entwicklungspsychologisch betrachtet aus anlagebedingten sowie sozial erworbenen Aspekten. Es gibt Kinder, denen ein gewisses Temperament vererbt worden ist oder eben auch Fälle, in denen diese aggressiven Verhaltensweisen durch das soziale Umfeld angelernt worden sind. Häufig resultieren Störungen des kindlichen Sozialverhaltens aus einer zu geringen frühen Bindungserfahrung, aus einem ineffektiven elterlichen Erziehungsverhalten und aus eingeschränkten sozialen Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten. Sehr ungünstig ist es für ein Grundschulkind, zuvor keinen Kindergarten besucht zu haben oder auch in einer sozial isolierten Familie aufzuwachsen.

Diplom-Psychotherapeutin Luise Bodenstein aus Neustadt/Holstein rät Eltern, sich im Zweifelsfall Hilfe bei Fachleuten zu holen. Quelle: Harald Poppke

Worauf sollten Eltern achten?

In erster Linie sollten Eltern sich selbst erzieherisch und entwicklungsfördernd engagieren – erst recht, wenn sie bemerken, dass ihr Kind „schwierig“ wird. Das heißt vor allem, spielerisch mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen, sie aber auch ganz einfach in Haushaltstätigkeiten mit einzubinden oder draußen etwas zu unternehmen. Die Vorbildfunktion der Eltern ist dabei etwas Entscheidendes.

Wie sollten Eltern bestenfalls mit ihrem Kind umgehen, sollte es aggressive Verhaltensweisen aufweisen?

Eltern mit einem sozial auffälligen Kind sollten sich nicht scheuen, Beratung durch Fachleute aufsuchen. Dies kann von pädagogischer, sozialpädagogischer, pädiatrischer oder auch psychotherapeutischer Seite erfolgen. Ein Teil der kindlichen Auffälligkeiten sind zudem Reifungsverzögerungen, die insbesondere der speziellen Förderung oder auch Therapie bedürfen.

Wie könnte die Therapie eines sozial auffälligen Kindes aussehen?

Ein Umgebungswechsel ist wichtig. Gerade, wenn es wahrscheinlich ist, dass das gewohnte soziale Umfeld negative Einflüsse auf die Verhaltensweisen des Kindes hat.

Welchen Rat geben Sie Eltern, deren Kinder unter sozial auffälligen Mitschülern leiden?

Die Eltern sollten sich ohne Anwesenheit der Kinder mit der Schule auseinandersetzen, sofern es um einen Mitschüler geht. Um sich darüber hinaus ein Bild von der schulischen Situation zu machen, bietet es sich beispielsweise an, als Elternteil die Pausenaufsicht zu unterstützen.

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