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Ostholstein Fachkräfte-Mangel: Hotels werben um Nachwuchs
Lokales Ostholstein Fachkräfte-Mangel: Hotels werben um Nachwuchs
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16:12 31.05.2019
Der Scharbeutzer Belveder-Hoteldirektor Moritz Schmid-Burgk sucht händeringend Fachpersonal und Auszubildende. Quelle: Saskia Bücker
Weissenhäuser Strand/Scharbeutz

Köche, Restaurant- und Hotelfachleute gesucht: Die Hotel-Branche an der Ostsee klagt über einen steigenden Fachkräfte-Mangel. Auch Auszubildende zu finden, gestalte sich immer schwieriger. Mit Vergünstigungen und übertariflichen Gehältern versuchen Hoteldirektoren deshalb, den Nachwuchs für Jobs im Tourismus zu gewinnen. Doch das könne das Problem auf lange Sicht nicht lösen, befürchtet der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Am Ende leide der Service für die Touristen.

Moritz Schmid-Burgk ist frustriert. Das erste Mal in elf Jahren findet der Hoteldirektor keine neuen Auszubildenden für sein Fünf-Sterne-Hotel Gran Belveder in Scharbeutz. Dabei benötige er dringend Nachwuchs. Der Markt an der Lübecker Bucht sei wie leer gefegt. Im Service, in der Küche, im Hotel – überall fehle Fachpersonal, berichtet der Hoteldirektor. „Die Suche nach neuen Mitarbeitern war noch nie so schwierig.“

Kaum Bewerber für Ausbildung im Hotelgewerbe

Nicola Lucas, Sprecherin der Lübecker Industrie- und Handelskammer, bestätigt, dass der Fachkräftemangel gerade in der Hotellerie und Gastronomie groß sei. „Konkrete Zahlen, wie viele Ausbildungsplätze an der Lübecker Bucht angeboten und nicht besetzt werden, gibt es allerdings nicht“, sagt Lucas.

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Auch David Depenau, Geschäftsführer des Ferienparks Weissenhäuser Strand, berichtet: „Die Bewerber stehen nicht Schlange.“ Während die Auftragslage und die Buchungen an der Küste rasant nach oben gehen, sinke gleichzeitig das Mitarbeiter-Potenzial. Stephan Muuss, Eigentümer vom Niendorfer Hotel Atlantic und stellvertretender Vorsitzender vom Dehoga-Ortsverband Lübecker Bucht, hat dieses Jahr eine Ausbildungsstelle nicht besetzen können. Weitere drei Stellen im Hotel seien seit geraumer Zeit unbesetzt.

Restaurants schließen früher

„Den Hotels wird oft vorgeworfen, dass sie nicht genug ausbilden“, sagt Muuss. „Das Problem ist inzwischen aber, dass wir erst gar keine jungen Menschen finden, die den Job machen wollen.“ Wenn das so weitergehe, prognostiziert Muuss, müssten in Zukunft viele Hotels ihren Service herunterfahren. Muuss kenne bereits ein Restaurant in Timmendorfer Strand, das zwei Tage pro Woche geschlossen bleibe – wegen fehlenden Personals.

Laut Stefan Scholtis, Dehoga-Geschäftsführer in Schleswig-Holstein, gibt es mehrere Gründe für den fehlenden Nachwuchs im Hotelgewerbe: Da seien zum einen der demografische Wandel und damit sinkende Schülerzahlen. Zudem habe die Politik jahrelang einseitig das Studium forciert und die duale Ausbildung vernachlässigt. Das Ergebnis: „Früher konnte sich der Betrieb den Auszubildenden aussuchen“, sagt Scholtis. „Heute ist das genau umgekehrt.“ Hotels und Gastronomien seien gut beraten, mit attraktiven Konditionen für sich zu werben, etwa mit einer übertariflichen Bezahlung, dem Stellen einer Unterkunft und einem Dienstwagen.

Bessere Bezahlung, Unterkunft und Fahrzeug stellen: So versuchen Hotels, Auszubildende zu finden, sagt Stefan Scholtis, Dehoga-Geschäftsführer in Schleswig-Holstein. Quelle: Hfr

Anders als früher: Betriebe werben bei Auszubildenden

Belveder-Hoteldirektor Moritz Schmid-Burgk hat etwa angekündigt, statt 700 Euro im ersten Lehrjahr neuerdings 875 Euro zu bezahlen. „Unserer Meinung nach wird es höchste Zeit, dass wir als Branche Hotellerie und Gastronomie unserem Nachwuchs auch finanziell eine höhere Wertschätzung zugestehen“, sagt Schmid-Burgk. Zudem werbe der Betrieb mit Vergünstigungen wie der kostenlosen Nutzung der Therme, einem Zuschuss zur Zahnersatzversicherung und kostenlosen Parkplätzen.

Auf ein ähnliches Konzept setzt auch David Depenau in Weissenhäuser Strand und bietet seinen Mitarbeitern Ermäßigungen, beispielsweise im Supermarkt, für Taxifahrten und im Blumenladen. Außerdem werbe er für seinen Ferienpark Fachkräfte aus dem Ausland an. Von seinen 500 Mitarbeitern kämen 120 aus Rumänien, 40 aus Spanien. Um Nachwuchs zu generieren, kooperiere Depenau neuerdings sogar mit Hotelfachschulen und Hochschulen in China. Das berge ein „unglaubliches Potenzial“.

David Depenau ist Chef des Ferienzentrums Weissenhäuser Strand. Er hofft, dass junge Menschen aus dem Ausland eine Ausbildung in seinem Betrieb machen wollen. Quelle: Louis Gäbler

Die Idee: Junge Leute mit guten deutschen Sprachkenntnissen kommen aus Peking und Shanghai nach Deutschland, um in der hiesigen Tourismus-Branche eine dreijährige duale Ausbildung zu absolvieren. Seit einem Jahr gebe es die Kooperation bereits. Das Angebot werde derzeit allerdings noch nicht so gut angenommen wie erhofft. „Wir wollen den Kontakt zu den Hotelfachschulen in China noch intensivieren“, berichtet Depenau, der gerade erst wieder in China unterwegs war.

Saskia Bücker

Seit 32 Jahren ist Urte Kleingarn als Immobilienmaklerin tätig, mit ihrem eigenen Maklerbüro Résidence-Immobilien erfüllte sie sich einen Traum

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