Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein „Beltretter“ warnen vor massiver Umweltzerstörung
Lokales Ostholstein „Beltretter“ warnen vor massiver Umweltzerstörung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:45 27.07.2019
Diese mit Matsch beschmierten Teilnehmer stellen Surfer dar. Die Protestaktion am Südstrand Burgtiefe auf Fehmarn richtete sich gegen den geplanten Fehmarnbelttunnel und wurde vom Verein „Beltretter“ initiiert. Quelle: Sebastian Musolf
Fehmarn

Schlammbeschmierte Menschen sitzen am Sonnabendvormittag auf der Promenade am Südstrand Burgtiefe in Badesachen um einen Holztisch herum und spielen das Kartenspiel Uno. Andere haben es sich in einer Strandmuschel oder im Liegestuhl bequem gemacht – alle eingerieben mit Matsch. Einige der mehr als 50 Teilnehmer der Protestaktion des Vereins „Beltretter“ halten Schilder mit der Aufschrift „Der bedrohte Schweinswal – aus der Ostsee vertrieben“ und „Ostsee-Tunnel – Acht Jahre die größte Baustelle Nordeuropas“ hoch.

Dritte Aktion dieser Art

Den dritten Tag in Folge machen die „Beltretter“ auf diese Weise auf mögliche Folgen der festen Fehmarnbeltquerung aufmerksam – hier vor allem auf die Belastung der Ostseestrände mit Schlamm und Dreck durch die Bauarbeiten. Zuvor fand die rund eineinhalbstündige Aktion bereits in Leipzig vor dem Bundesverwaltungsgericht, das noch über zehn Klagen gegen das Großprojekt entscheiden muss, und auf dem Asmus-Bremer-Platz in der Landeshauptstadt Kiel statt. Die „Beltretter“, die den Tunnel verhindern wollen, waren zuletzt in die Kritik geraten, als die Lübecker Nachrichten berichteten, dass es sich bei den meisten Teilnehmern an der Aktion in Kiel um gekaufte Darsteller gehandelt habe. Die Sprecherin der „Beltretter“, Karin Neumann, hatte zugegeben, dass der Protest zum Teil „inszeniert“ sei, mit Komparsen.

Politiker sprachen von einem handfesten Skandal. Dass die ,Beltretter’ so etwas nötig haben, hätte ich nicht gedacht“, ließ FDP-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz daraufhin verlauten. Es handle sich klar um eine „Täuschung der Öffentlichkeit“ und eine „sehr zweifelhafte Art und Weise, vom Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen“.

Bei der Aktion in Fehmarn betonte Neumann, dass es sich eben nicht um eine Demonstration, sondern um eine initiierte Aktion handele, mit der man das Thema einer breiten Öffentlichkeit vor Augen führen wolle: „Das machen andere auch.“ Die Finanzierung dieser Protestaktion stamme aus Spendengeldern an den Verein. Unter den Protestierenden am Südstrand seien dieses Mal sehr viele Fehmaraner und Ostholsteiner sowie Urlauber – vor allem aus Nordrhein-Westfalen, sagt Neumann.

Schlammbeschmierte Teilnehmer der Protestaktion spielen Beach-Volleyball auf der Promenade des Südstrandes in der Nähe des Schwimmbades „Fehmare“. Quelle: Sebastian Musolf

Grünen-Politikerin spricht von „Werbeaktion gegen den festen Belttunnel

Und auch die Fraktionsvorsitzende der Fehmaraner Grünen, Christiane Stodt-Kirchholtes, spricht bei der Veranstaltung von einer „Werbeaktion gegen den festen Belttunnel“, die auffallen solle. Der Tunnelbauer Femern A/S betreibe ebenfalls massiv Werbung für sein Vorhaben, etwa auf Festen auf Fehmarn. „Die Argumente sind auf unserer Seite“, sagt die Kommunalpolitikerin. „Für mich ist der Schutz des Schweinswales wichtig, die Tunnelbauer wollen ihn vergrämen. Die Naturzerstörung ist ein Drama.“

Und „Beltretter“-Sprecherin Neumann sagt: „70 Prozent der Deutschen haben noch nichts vom Belttunnel gehört, das geht nicht bei einem Projekt dieser Größe.“ Sie bezeichnet das Vorhaben als „größte Umweltsünde Nordeuropas“. Die Arbeiten werden sich massiv auf die Meereswelt auswirken, bereits heute werden jährlich zahlreiche tote Schweinswale an die Ostseestrände gespült.

Die Ostsee werde sich durch den Tunnelbau stark eintrüben, befürchtet Neumann. Die Auswirkungen seien bis in 300 Kilometer Entfernung zu spüren, bis in das Arkona-Becken bei Rügen. Neumann ist zuversichtlich, dass das Bundesverwaltungsgericht im Sinne der Tunnelgegner entscheiden werde: Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) habe die Baugenehmigungen zu schnell durchgewunken – diese seien mangelhaft, kritisiert Neumann.

Junge Fehmaranerin befürchtet Zusammenbruch des Tourismus

Unter den mit Matsch beschmierten Teilnehmern ist auch die 21-jährige Fehmaranerin Malin Binding aus Marienleuchte. Ihr Heimatort würde unmittelbar an der künftigen Tunnelbaustelle liegen. „Die Idylle, Ruhe und die schöne Natur bei uns werden durch eine riesige schmutzige Baustelle zerstört. Der Tunnel ist total unnötig“, sagt die Studentin. „Die Autos werden künftig hier durchrasen, keiner wird mehr auf Fehmarn halten. Der Tourismus wird zusammenbrechen“, befürchtet Binding.

Michaela Homann-Speck ist mit ihrer Familie aus Damlos angereist, um die „Beltretter“ am Südstrand zu unterstützen. Sie hält den Belttunnel für eine „Verschleuderung von Steuermitteln“, mit dem Geld sollten lieber marode Bahnstrecken ertüchtigt werden. Sie befürchtet ein ähnliches Chaos wie bei Stuttgart 21 oder beim Berliner Flughafen. „Die Folgen für Flora und Fauna sind nicht absehbar. Hier stehen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund“, sagt die Damloserin.

Die 21-jährige Malin Binding stammt aus Marienleuchte. Sie nimmt an der Protestaktion teil, weil sie denkt, dass Natur und Tourismus auf Fehmarn unter dem Belttunnel leiden werden. Quelle: Sebastian Musolf

Urlauber denken, dass der Tunnel nachteilig für die Insel sein werde

Familie Ehlers aus Diepholz in Niedersachsen macht gerade Urlaub auf Fehmarn und schaut der Protestaktion zu. Zuerst hatten sie sich gewundert, was das Ganze bedeuten soll. Aufgrund der blauen Kreuze – dem Zeichen des Widerstandes gegen den Belttunnel – dachten sie sich dann aber schon, dass sich die Aktion gegen die geplante Großbaustelle richte. „Der Tunnel ist ja schon seit Jahren ein Thema. Er bringt eher Nachteile für Fehmarn, finde ich“, sagt Nils Ehlers.

Gegen 12.30 Uhr versammeln sich alle Teilnehmer zum Gruppenfoto am Hauptsteg des Südstrandes. Sie hoffen, mit ihrer Aktion die Politiker wachzurütteln.

Bildergalerie von der Protestaktion am Südstrand:

Der Verein, der den geplanten Fehmarnbelttunnel verhindern will, macht auf die möglichen Folgen der Großbaustelle aufmerksam. Die Teilnehmer beschmierten sich mit Matsch und stellten typische Strandszenen nach. Sie befürchten eine starke Eintrübung der Ostsee durch die Tunnelarbeiten.

Sebastian Musolf

Reisezeit ist Einbruchszeit – Die Firma Lübecker Fenstertechnik bietet wirksamen Schutz gegen unerwünschte Gäste.

27.07.2019

Die Behörden warnen derzeit vor dem Baden in der Lübecker Bucht. Aufgrund „schlecht bis gar nicht sichtbarer Unterströmung“ bestehe Lebensgefahr.

27.07.2019

Der Flugplatz Neujellingsdorf auf Fehmarn ist klein. Eine Start- und Landebahn und kein riesiges Terminal. Dennoch begrüßt Flugplatzchef Klaus Skerra dort sogar regelmäßig Gäste aus dem Ausland.

27.07.2019