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Ostholstein Bürgerentscheid über Hotel auf Fehmarn: Das steht in den Wahl-Unterlagen
Lokales Ostholstein

Fehmarn: Briefe für Bürgerentscheid über Hotel in Meeschendorf versandt

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06:00 17.03.2021
So könnte das neue Familienhotel in Meeschendorf aussehen.
So könnte das neue Familienhotel in Meeschendorf aussehen. Quelle: Jufa
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Fehmarn

Die Einwohner der Stadt Fehmarn haben derzeit oft den Stift in der Hand, um mit ihrem Kreuzchen über die Zukunft der Insel mitzuentscheiden. Nach dem ersten Urnengang zur Bürgermeisterwahl und vor der Stichwahl am kommenden Sonntag, 21. März, sind erneut Abstimmungsunterlagen in den Briefkästen gelandet. Diesmal geht es um das umstrittene Bauprojekt am Meeschendorfer Strand. Beim Bürgerentscheid am Sonntag, 18. April, können sich rund 11 200 Insulaner für oder gegen das geplante Familienhotel aussprechen.

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Mit den offiziellen Dokumenten wurden nicht nur die „Amtliche Abstimmungsbenachrichtigung“ und allgemeine Infos verschickt, sondern auch die jeweils zweiseitigen Stellungnahmen der Stadt und der Projektgegner. Sie sollen dem Bürger bei seiner Entscheidung helfen, schlussendlich die Fragestellung „Sind Sie dafür, dass auf dem Gelände des früheren Ferienlagers des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, in der Straße Zum Meeresstrand, kein Hotel gebaut, die Planung eingestellt und der gefasste Aufstellungsbeschluss aufgehoben wird?“ mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten.

Worum es im Detail geht

In dem Projekt geht es um das Gelände der ehemaligen „Erholungsstätte Meeschendorf“ des Landkreises Hersfeld-Rotenburg. Auf dem rund 11 000 Quadratmeter großen Grundstück am Meeschendorfer Strand möchte die Jufa-Hotelgruppe aus Österreich anstelle der nicht mehr wirtschaftlich zu betreibenden Einrichtung ein ganzjährig betriebenes Ferienhotel für Familien mit Kindern und Jugendlichen mit rund 200 Betten errichten. Es sollen neben Tagungsräumen auch Freizeiteinrichtungen wie ein großer Indoor-Spielbereich und ein Outdoorspielplatz sowie ein Café-Restaurant entstehen.

In Meeschendorf soll anstelle der Erholungsstätte des Landkreises Hersfeld-Rotenburg ein Familienhotel entstehen. Quelle: Luisa Jacobsen

Der Landkreis wird für den Bau die Fläche aber nicht verkaufen, sondern mit einem Erbbaurecht belegen und Eigentümer bleiben. Die Jufa wurde als Vertragspartner gewonnen, die das Recht zur Nutzung des Bereichs erhält. Aus dem aktuellen Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans geht hervor, dass ein dreigeschossiges Hotel mit allen erforderlichen Nebeneinrichtungen entstehen und die Grundfläche des Gebäudes 2155 Quadratmeter einnehmen darf, zudem dürfen die einzelnen Gebäudeteile eine Höhe von 13,30 Meter beziehungsweise von 15,10 Meter über Gelände haben.

Wettbewerb an der Ostsee: Was die Stadt Fehmarn möchte

Wie die Stadt Fehmarn in ihrer Stellungnahme schreibt, würden die vorhandenen Hotels der Insel nicht über ein vergleichbares Konzept verfügen. Im Wettbewerb mit anderen Tourismusdestinationen an der Ostsee werde aber ein breiteres Unterkunftsangebot benötigt. Der Nachholbedarf sei gerade im Hotelsektor enorm. „Der teilweise marode „Charme der 70er“ solle auch auf der Insel ausgedient haben. Die Standortwahl stehe mit landesplanerischen Zielen in Einklang und für das Vorhaben werde nicht von erheblichen Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes ausgegangen.

Würden die Planungen nicht fortgesetzt, fehlten künftig Kurabgabeeinnahmen von mindestens 50 000 Euro pro Jahr, Steuereinnahmen und mindestens bis zu sechs Millionen Euro an touristischen Umsätzen pro Jahr auf Fehmarn durch die Hotelgäste, so das Schreiben der Stadt. Außerdem befinde sich das geplante Hotel im naturschutzrechtlichen Gewässerrandstreifen. Nach dem Landesnaturschutzgesetz Schleswig-Holstein dürfe nur innerhalb einer Übergangsfrist bis zum 23. Juni 2021 ein Bebauungsplan aufgestellt werden, sonst müssten Bauten einen Abstand von mindestens 150 Meter zum Meer einhalten.

Gegen das Hotel am Strand: Was die Hotel-Gegner möchten

Die Projektgegner wollen nicht, dass die Strandlage mit einem in ihren Augen so massiven Hotel bebaut wird. Für sie sei es wichtig, dass das dörfliche, durch flache Gebäude geprägte Gebiet erhalten bleibe. In ihrer Stellungnahme prangen sie an, dass sich die Bestandshöhe gegenüber der Erholungsstätte verdoppeln würde und sich nicht in die vorhandene Landschaft einfüge. Sie stünden für einen sanften Tourismus und eine naturnahe Entwicklung Fehmarns.

Darüber hinaus wäre der Meeschendorfer Strand generell schon am Rande seiner Kapazitäten. So würden sich die Verkehrsflüsse weiter verstärken und öffentlicher Parkraum für Einheimische und andere Gäste reduziert.

Das Terrain der ehemaligen Erholungsstätte und des geplanten Familienhotels grenzt an den Campingplatz Insel-Camp. Quelle: Andreas Oelker

Die Gegner, die über ein Bürgerbegehren den Bürgerentscheid erwirkt haben, stellen sich gegen den Ausbau des Meeschendorfer Strandes als zweiten touristischen Hotspot der Insel. Es gehe durch die Bebauung „Raum, Licht und Weite“ verloren. Sie sind darüber hinaus der Meinung, dass das Projekt jetzt auf „die Schnelle“ entstehen solle, bevor es nicht mehr genehmigt werden könne. Wie die Vertretungsberechtigte des Bürgerbegehrens, Ulrike Hübner, noch mitteilt, würden auf dem neu geschaffenen Onlineauftritt unter www.facebook.com/bbmeeschendorf weitere Infos geteilt.

Von Markus Billhardt