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Ostholstein Jungbauer sucht Paten für Wildbienen
Lokales Ostholstein Jungbauer sucht Paten für Wildbienen
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18:46 04.06.2019
Landwirt Christian Höper-Rauert hat auf einem Hektar Ackerfläche eine Bienenweide angelegt. Von Juli an sollen hier unter anderem Wildbienen leben. Die Bevölkerung kann dies durch Patenschaften unterstützen. Quelle: Sebastian Musolf
Fehmarn

Der Schutz von Insekten, vor allem der Wildbiene, ist dem Fehmaraner Jungbauern Christian Höper-Rauert eine Herzensangelegenheit. Daher entschied sich der 36-Jährige aus Neujellingsdorf einen Hektar seines Ackerlandes, also 10 000 Quadratmeter, in eine Bienenweide umzuwandeln. Umrahmt wird diese durch die für Schleswig-Holstein typischen Knicks. „Es geht einfach nichts ohne Insekten“, sagt Höper-Rauert. „Auf der Weide sollen künftig Wildbienen, zahlreiche Insekten, aber auch Hasen und Rehe, Heimat und Unterschlupf finden. Spritzmittel und Dünger kommen hier nicht zum Einsatz.“ Die Bevölkerung kann dieses Projekt unterstützen: Der Familienvater zweier Kleinkinder bietet Interessierten ab sofort Insektenpatenschaften an – er sei mit dieser Idee der erste Landwirt auf Fehmarn, sagt Höper-Rauert.

Bauern müssen fünf Prozent Betriebsfläche bereitstellen

Hintergrund des Projekts in Neujellingsdorf ist eine EU-Verordnung, die vorsieht, dass die Bauern fünf Prozent ihrer Betriebsflächen als ökologische Vorrangfläche zur Verfügung stellen müssen. „Ich hätte statt der Bienenweide auch Feldrandstreifen anlegen oder Leguminosen, stickstoffsammelnde Pflanzen, anbauen können“, sagt Höper-Rauert, der in der 19. Generation auf Fehmarn als Landwirt tätig ist. Das Anlegen von Blühflächen, worunter die Bienenweiden fallen, sei ein neuer Trend, den viele Landwirte im Norden mitgehen: „Die Menschen werden in der Region Bienenweiden an vielen Ecken entdecken, beispielsweise an Fahrradwegen.“ Auf Höper-Rauerts Feld werden künftig farbenfrohe Sonnenblumen, Phacelia, Lupinen und verschiedene Kleesorten blühen – alles nektar- und pollenreiche Arten.

Heimische Pflanzen anbauen

Jeder Einzelne könne seinen Teil zum Insektenschutz beitragen, sagt die Leiterin der Geschäftsstelle des Umweltrates der Stadt Fehmarn, Beate Burow: „Man sollte darauf achten, in seinem Garten vor allem pollen- und nektarreiche Pflanzen anzubauen, keine gefüllten Sorten.“

Es sollten regionale und heimische Pflanzen zum Einsatz kommen. „Exoten sind oft nahrungsarm.“ Empfehlenswert sei, Pflanzen anzubauen, die auch im Frühjahr und Herbst blühen, damit die Insekten in diesem Zeitraum genügend Nahrung finden.

Im eigenen Garten könne man zudem Nistmöglichkeiten für die Wildbiene schaffen, etwa durch das Aufstellen von Insektenhotels mit ihren kleinen Röhrchen. Wildbienen nisten zudem in trockenen Mauern und Totholz. „Für Erdbienen und -hummeln kann man eine Ecke mit offener Erde bereitstellen oder eine Schale mit Lehmboden aufstellen“, sagt Burow.

Patenschaft kostet 30 Euro pro Jahr

Höper-Rauert, der hauptsächlich Weizen und Raps anbaut, will bei seinem Vorhaben die Bevölkerung mit ins Boot nehmen – das Land unterstütze die Bauern dabei nur begrenzt: „Jeder kann somit aktiv etwas gegen das Insektensterben unternehmen.“ Für 30 Euro pro Jahr kann man bei ihm eine Insektenpatenschaft für 60 Quadratmeter Fläche abschließen – ein Landwirt in Bayern hatte eine ähnliche Idee und hatte für sein Vorhaben Spender über die Internet-Plattform Ebay gesucht.

Als Dankeschön stellt Höper-Rauert ein Schild mit dem Namen des Paten auf und dieser erhält ein Glas Rapshonig. Der Honig stammt von Imker Ingolf Pallas aus Uelzen, der 30 Bienenvölker bei der Weide in Neujellingsdorf angesiedelt hat – also rund 1,2 Millionen Bienen. „In erster Linie will ich aber die Wildbienen fördern. Bei deren Schutz hat meiner Ansicht nach auch die Politik in den vergangenen Jahren zu wenig getan“, sagt Höper-Rauert, der seinen Master in Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen gemacht hat. Bisher haben sechs Personen eine solche Patenschaft abgeschlossen, drei stammen von Fehmarn.

Jungbauer Christian Höper-Rauert hat eine Bienenweide in Neujellingsdorf angelegt. Auf dieser finden Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und weitere Insekten eine Heimat.

Überall auf Fehmarn gibt es geeignete kleine Felder

Höper-Rauert hofft, dass viele Bauern es ihm gleich tun werden: „Es wäre schön, wenn ein Biotopverbund entstehen könnte. Es gibt hier überall kleine Felder, die für Bienenweiden geeignet wären.“ Aber auch jeder könne zu Hause etwas gegen das Insektensterben unternehmen, sagt der Jungbauer: „Man sollte in seinem Garten oder auf dem Balkon Blumen pflanzen.“ Künftig wolle der Neujellingsdorfer Feldlerchen-Fenster anlegen. Dieser Vogel, der auf Äckern lebt, braucht bewuchsfreie Flächen (Fenster) von etwa zehn Quadratmetern, um starten zu können. „In Schleswig-Holstein wird so etwas leider noch nicht gefördert“, sagt Höper-Rauert.

Im Kreis Ostholstein und in Lübeck gibt es laut Bauernverband aktuell schätzungsweise mehr als 390 Hektar Blühflächen, in ganz Schleswig-Holstein sind es um die 6500 Hektar. Seit zwei Jahren existiert das Projekt „Ostholstein blüht auf“, das der Kreisbauernverband Ostholstein-Lübeck gemeinsam mit dem Kreis verwirklicht hat. Die Untere Naturschutzbehörde habe dieses Jahr die Bauern mit 5000 Euro für Blühflächen-Saatgut unterstützt, berichtet der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Holger Schädlich. „Es ist ein sehr unbürokratisches Verfahren. Der Landwirt verpflichtet sich dabei, das Saatgut noch dieses Jahr auszusäen.“

Landwirte verzichten im Kreis auf rund 150 000 Euro Umsatz

Das Geld reichte für rund 90 Hektar Blühfläche. Da deutlich mehr Betriebe Interesse angemeldet hatten (insgesamt 102), hatte der Landwirtschaftliche Ein- und Verkauf (LEV) die Kosten für das restliche Saatgut übernommen, sodass 2019 rund 130 Hektar Blühflächen im Kreis Ostholstein angelegt werden konnten. Die Landwirte im Kreis verzichteten dadurch auf rund 150 000 Euro Umsatz, sagt Schädlich. Auf Betreiben der Kreistagsfraktionen der CDU und der Grünen werde der Landkreis den Betrag für das Saatgut künftig auf 8000 Euro aufstocken und ihn als dauerhaften Posten in den Kreishaushalt einstellen.

Schädlich ist erfreut, dass nun überall Blühflächen entstehen – diese öffentlichkeitswirksame Aktion habe zahlreiche Vorteile: „Sie hilft den Insekten, die Auflockerung der Landschaft kommt bei den Touristen sehr gut an, unsere Landwirte kriegen positive Rückmeldungen von Bürgern und Radfahrern und der Landwirt freut sich selbst über die schönen Blühflächen, die entstehen.“ Der biologischen Vielfalt sei dadurch sehr geholfen.

Kontakt

Wer eine Patenschaft übernehmen möchte, kann sich bei Christian Höper-Rauert unter Telefon 043 71/36 76 oder per E-Mail an info@urlaub-auf-fehmarn-bauernhof.de wenden.

Sebastian Musolf

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