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Ostholstein Dänemark bereitet den Tunnelbau vor
Lokales Ostholstein Dänemark bereitet den Tunnelbau vor
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14:03 21.10.2018
In Dänemark laufen die vorbereitenden Untersuchungen für den Bau des Belttunnels nach Fehmarn. Quelle: BINDER
Rødbyhavn/Fehmarn

Schnellere Verbindungen, dafür mehr Verkehr, zusätzliche Arbeitsplätze, dafür Baulärm – während Ostholstein nach wie vor gespalten ist bei der Frage, ob die geplante feste Beltquerung Fluch oder Segen ist, laufen in Dänemark die vorbereitenden Maßnahmen für den Bau des Tunnels auf Hochtouren. „Wir sind bereit“, sagt Lollands Bürgermeister Holger Schou Rasmussen, „hier freuen sich alle auf das Projekt.“ Ein Besuch auf der anderen Seite des Belts.

Auf dänischer Seite laufen die vorbereitenden Maßnahmen für den Bau des Belttunnels.

Die Dänen wollen 2028 den Tunnel eröffnen

Vorhabenträger Femern A/S will 2020 mit dem Tunnelbau beginnen, acht Jahre später soll die neue Verkehrsverbindung fertig sein. Aktuell wartet man in Dänemark auf den deutschen Planfeststellungsbeschluss; er soll voraussichtlich zum Ende des Jahres gefasst werden. Danach stehe dem angepeilten Baustart nichts mehr im Wege, ist Holger Schou Rasmussen überzeugt. Während Deutschland diskutiert habe, „haben wir unsere Arbeit fortgesetzt“. Die archäologische Untersuchung des künftigen Baugrunds etwa sei bereits in vollem Gange: Es sei mit Vorlauf kalkuliert worden, damit nicht am Ende überraschende Funde die Planung verzögerten. Ähnlich argumentiert auf deutscher Seite die Bahn; die Bereiche entlang der geplanten Schienenanbindung zur Beltquerung werden ebenfalls bereits archäologisch untersucht (die LN berichteten).

Josephine Valerie Forsberg und ihre Kollegen sind mit den archäologischen Untersuchungen in Dänemark befasst. Quelle: BINDER

In Dänemark wird ein insgesamt 600 Hektar großes Areal bei Rødbyhavn erforscht. Nach Angaben von Staatstochter Femern A/S ist es die größte Ausgrabungsfläche, die es in Dänemark jemals gegeben hat. 53 Millionen Euro werden in das aktuelle Maßnahmen-Paket – im Vorfeld hat es bereits weitere Untersuchungen gegeben – investiert, zu dem neben der archäologischen Recherche beispielsweise auch die Vorbereitung von Versorgungsleitungen oder Wegen für die späteren Bauarbeiten gehören.

300 000 steinzeitliche Funde

Für die Archäologen sei es im Prinzip eine Luxus-Situation, sagt Bjørnar Måge vom Museum Lolland-Falster, der die Ausgrabungen leitet. Normalerweise würden nur verhältnismäßig kleine Bereiche untersucht: „In der Regel graben wir vereinzelt kleine Löcher und müssen anhand der dortigen Funde versuchen, das große Bild zusammenzusetzen.“ Jetzt werde eine riesige Fläche unter die Lupe genommen, wodurch sehr viel deutlichere Erkenntnisse gewonnen werden könnten.

Hunderttausende steinzeitliche Funde wurden auf dem Gelände bereits dokumentiert. Quelle: BINDER

Fest steht für die Experten: Schon während der Steinzeit haben sich Menschen im betreffenden Gebiet angesiedelt. Entdeckt wurden unter anderem Überbleibsel von Kochstationen, Fischfangzäunen, Werkzeugen und auch Knochen. Seit 2012 laufen die Untersuchungen; insgesamt seien bisher schätzungsweise 300 000 Funde dokumentiert worden, berichtet Bjørnar Måge, die meisten davon aus dem Zeitraum 4500 bis 2000 vor Christus, einige aber auch bis zu 9000 Jahre alt. Und nicht nur die – oft gut erhaltenen – Andenken an früheres Leben gäben Einblicke in eine andere Zeit, so der Archäologe, auch die Bodenbeschaffenheit lasse diverse Rückschlüsse zu. Etwa darauf, dass einst Fjorde die Landschaft durchzogen und lebenswichtige Ressourcen mit sich gebracht hätten.

Ausgrabungen in Ostholstein sollen 2019 beendet werden

Måge rechnet damit, dass die Ausgrabungen im Küstenbereich im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Anschließend soll das Untersuchungsgebiet weiter ins Landesinnere verlagert werden. In Ostholstein sollen die Ausgrabungen entlang der zukünftigen Bahntrasse ebenfalls im Laufe des kommenden Jahres beendet werden. Ursprünglich sollte schon 2018 Schluss sein, aufgrund von besonderen Funden – etwa im Oldenburger Bruch – wurden die Arbeiten an einigen der 30 Grabungsstätten jedoch noch einmal verlängert. Insgesamt wurden nach Angaben der Bahn bisher mehr als neun Millionen Euro in die archäologischen Untersuchungen investiert.

Suche nach „verträglicher Lösung“ geht weiter

Bahn, Kreis und Gemeinden suchen bei der Schienenanbindung derweil weiter nach der „verträglichsten Lösung“ für die Region. Das Bundesverkehrsministerium hat gerade erst die Frist verlängert und allen Beteiligten ein halbes Jahr länger Zeit gegeben, gemeinsam ein Konzept für Schutzmaßnahmen zu erarbeiten (die LN berichteten). Letzteres soll als Grundlage für den Beschlussvorschlag dienen, den das Ministerium dem Bundestag vorlegen will.

Lollands Bürgermeister Holger Schou Rasmussen gibt sich überzeugt davon, dass die Infrastruktur auf deutscher Seite rechtzeitig fertig wird. Er habe Verständnis für die Sorgen mit Blick auf die Hinterlandanbindung, betont er, „dafür muss man sich Zeit nehmen“. Er treffe sich regelmäßig mit Bürgermeistern ostholsteinischer Gemeinden, um die Thematik zu besprechen. In Dänemark sei die Akzeptanz für das Vorhaben groß. Er gehe davon aus, dass auch die Deutschen erkennen würden, welche Chancen das Projekt mit sich bringe – „gerade für Fehmarn und ganz Ostholstein“.

Jennifer Binder

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