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Ostholstein Eine Weide für Bienen: Ansturm auf Patenschaften
Lokales Ostholstein Eine Weide für Bienen: Ansturm auf Patenschaften
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20:06 25.07.2019
Landwirt Christian Höper-Rauert begutachtet eine Sonnenblume, die auf seiner Bienenweide in Neujellingsdorf wächst. Ringsherum blühen die lilafarbenen Phacelias. Quelle: Sebastian Musolf
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Fehmarn

In kräftigem Lila leuchten die Phacelias auf der neuen Bienenweide des Fehmaraner Jungbauern Christian Höper-Rauert in Neujellingsdorf. Ein Summen und Brummen liegt in der Luft, überall schwirren Insekten umher – Wildbienen und Hummeln suchen nach Nahrung. Am Rande des Dorfes im Süden der Sonneninsel ist dieses Jahr ein 10 000 Quadratmeter großes Biotop für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entstanden. Hintergrund des Projektes ist eine EU-Verordnung, die vorschreibt, dass Landwirte fünf Prozent ihrer Betriebsflächen als ökologische Vorrangfläche zur Verfügung stellen müssen.

Der 36-jährige Fehmaraner hatte in der Bevölkerung nach Unterstützern für seine Bienenweide gesucht – in den Lübecker Nachrichten erschien Anfang Juni ein Artikel über das Vorhaben: Für 30 Euro pro Jahr kann man Pate für 60 Quadratmeter Blühfläche werden. Als Dank spendiert Höper-Rauert dem Förderer ein Glas Honig und stellt ein Schild mit dessen Namen an der Blumenwiese auf.

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Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind nun auf dem ehemaligen Acker des Jungbauerns Christian Höper-Rauert beheimatet. Die Suche nach Paten für das Projekt auf Fehmarn war ein voller Erfolg.

Fast 100 Patenschaften für Wildbienen abgeschlossen

Nach dem Erscheinen des Artikels war die Resonanz groß: Mehr als 100 Leser meldeten sich innerhalb kürzester Zeit bei dem Familienvater zweier Kleinkinder und bekundeten Interesse. „Ich bin total begeistert. Ich hätte nie mit so viel Unterstützung gerechnet. Ich war die ersten Tage ständig am Telefonieren und mit dem Beantworten von E-Mails beschäftigt. Ich freue mich riesig“, sagt Höper-Rauert, der in der 19. Generation auf Fehmarn als Landwirt tätig ist. Letztendlich schlossen 60 Leute Patenschaften ab – manche gleich mehrere, sodass schließlich fast 100 Patenschaften für das Projekt „Bienenweide“ zusammenkamen. Zuvor hatten nur sechs Personen das Vorhaben finanziell unterstützt.

Einige der Paten stammen von Fehmarn, viele aus den Räumen Eutin und Neustadt. Eine Frau etwa wollte ihrem Ehemann eine Wildbienen-Patenschaft zum Geburtstag schenken. Ein älterer Mann aus Eutin spendete 150 Euro, ohne eine Patenschaft übernehmen zu wollen: „Das Geld werde ich für eine ganz teure Saatgutmischung für Wildblumen verwenden“, sagt Höper-Rauert, der seinen Master in Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen gemacht hat.

Viele Touristen sind ebenfalls dabei: Eine Dahme-Urlauberin las den Artikel und war sofort begeistert. „In Düsseldorf habe ich einen kleinen Garten, den ich auch mittlerweile bienenfreundlich angelegt habe“, schrieb sie dem Bauern. Ein Leser schickte eine E-Mail sogar aus seinem Mexiko-Urlaub und wollte Pate werden. Zu den Förderern gehören mittlerweile auch die Stadt Fehmarn sowie verschiedene politische Parteien und Kommunalpolitiker aus der Region.

Blühflächen in Ostholstein und Lübeck

Im Kreis Ostholstein und in Lübeck gibt es aktuell laut Bauernverband schätzungsweise mehr als 390 Hektar Blühflächen. In ganz Schleswig-Holstein sind es insgesamt um die 6500 Hektar. Dank der Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde und des Landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufs (LEV) konnten 2019 in Ostholstein rund 130 Hektar Blühflächen angelegt werden. Die Landwirte im Kreis verzichteten dadurch auf rund 150 000 Euro Umsatz, sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Ostholstein-Lübeck, Holger Schädlich.

Schon fünf Wildbienenarten auf der Blühwiese entdeckt

Der Jungbauer genießt den Anblick seiner neuen Bienenweide, gerne schaut er den vielen Insekten bei der Suche nach Nektar zu: „Das ist sehr beruhigend.“ Seit Juli steht die Blühfläche in voller Pracht und beherbergt zahlreiche Tiere. Der 36-Jährige hat schon fünf Wildbienen- und fast so viele Hummelarten entdeckt. „Die Hummeln fühlen sich von der Bienenweide richtig angezogen. Aber auch Libellen, Laufkäfer und zahlreiche Schmetterlinge leben hier.“ Unter anderem schwirrt an diesem Ort der orange-bräunliche Distelfalter herum.

Schwalben, die in 100 Nestern auf Höper-Rauerts Bauernhof leben, fliegen zur Bienenweide hinüber und fressen sich an den vielen Insekten satt. „Fasanenküken laufen hier herum, Rehe kommen abends auf die Blühwiese, Hasen und Kaninchen sind ständig da“, berichtet der Landwirt. Mit den Knicks, die den ehemaligen Acker umrahmen, und dem abgestorbenen Holz in der Umgebung stehen weitere Überwinterungs- und Brutmöglichkeiten für zahlreiche Arten zur Verfügung. Höper-Rauert ist gerade dabei, ein Insektenhotel mit den typischen kleinen Röhrchen am Rand der Blühfläche zu errichten.

Für dieses Jahr seien so viele Patenschaften zusammengekommen, dass mit dem Geld weitere Vorhaben im kommenden Jahr umgesetzt werden sollten. „Die Bienenweide bleibt so bestehen wie sie ist. Südlich von Neujellingsdorf will ich an drei Stellen blühende Feldrandstreifen anlegen, etwa 6000 bis 8000 Quadratmeter“, kündigt Höper-Rauert an. Bei Imker Ingolf Pallas aus Uelzen, der 30 seiner Bienenvölker an der neuen Blumenwiese aufgestellt hatte, hat sich der 36-Jährige mit rund 200 Gläsern Honig eingedeckt: „Das reicht also noch für ein paar mehr Patenschaften.“

250 Tiere sollen im mobilen Hühnerstall leben

Für die Zukunft will der Fehmaraner weitere Projekte der naturnahen Landwirtschaft verwirklichen. So möchte er auf seinen Äckern bewuchsfreie Flächen anlegen, damit Feldlerchen dort besser starten können. Zudem plant er, für rund 40 000 Euro einen mobilen Hühnerstall zu kaufen: „Etwa 250 alte Hühner aus Legebatterien sollen hier noch einmal an der frischen Luft einen schönen Sommer erleben.“ Der Stall kann von Feld zu Feld gezogen werden. Dadurch bekommen die Tiere immer frisches Gras zu fressen, ihr Kot verteilt sich gleichmäßig und sie sind besser vor Parasiten geschützt.

Um das Projekt zu realisieren, will Höper-Rauert erneut die Bevölkerung mit ins Boot holen – etwa in Form einer „Ei-Aktie“: Unterstützer haben dann ein Anrecht auf Eier oder ein Suppenhuhn. Doch bis es soweit ist, erfreut sich der 36-Jährige weiter am Anblick seiner bunten Bienenweide.

Wer eine Wildbienen-Patenschaft übernehmen möchte, kann sich bei Christian Höper-Rauert unter Telefon 04371/3676 oder per E-Mail an info@urlaub-auf-fehmarn-bauernhof.de wenden.

Sebastian Musolf