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Ostholstein Fehmarn: Schlechtes Zeugnis für Stadtwerke
Lokales Ostholstein Fehmarn: Schlechtes Zeugnis für Stadtwerke
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21:10 27.06.2018
Burg a. F

Lange Gesichter am Dienstagabend im Stadtwerke- und Hafenausschuss: Die Wirtschaftsprüfer Claudia Greibke und Christian Mader (HAG Hanseatic Audit) beschönigen nichts. Druck kommt aber auch von der Kommunalaufsicht des Kreises Ostholstein, die sich zuvor intensiv in das besonders zähe Prüfverfahren eingeschaltet hat.

Die Liste der Mängel ist sehr lang: erhebliche Buchungsfehler, nicht ermittelte Rückstellungen, unzutreffende Darstellung der Tilgung von Kassenkrediten, unzureichende schriftliche Dokumentation von Vereinbarungen mit der Stadt. Auch die Tests der neuen IT-Anwendung werden als „unzureichend“ kritisiert. „Das erschwert alles die Prüfung sehr“, so Greibke. Die Folge: Erst jetzt liegt der Jahresabschluss für 2015 (!) mit einer Bilanzsumme von knapp 23,78 Millionen Euro auf dem Tisch. Heute Abend (19 Uhr, Senator-Thomsen-Haus) soll er von der Stadtvertretung endgültig abgesegnet werden.

„Wir brauchen dieses Ergebnis, damit wir mit dem Jahresabschluss für 2016 loslegen können“, so Werkleiter Rainer Loosen. Damit sind allerdings andere Prüfer beauftragt. Sobald die Fehler abgestellt seien, könne auch der Auftrag zur Prüfung des Jahresergebnisses für 2017 erteilt werden. Eigentlich soll es innerhalb von sechs Monaten nach Ende eines Wirtschaftsjahres erstellt werden.

Die Wirtschaftsprüfer räumen ein, dass personelle Engpässe bei den Stadtwerken eine – so Mader – „nachvollziehbare“ Rolle gespielt hätten. Bürgermeister Jörg Weber (SPD) bestätigt: Der kaufmännische Leiter wurde innerhalb der Verwaltung versetzt, ist jetzt Asylkoordinator, und wurde erst Monate später durch eine Sachbearbeiterin ersetzt. Teilweise übernahm die Kämmerei einige Aufgaben, doch der zuständige Mitarbeiter wechselte dann zum TSF.

„Das hat mich betroffen gemacht. In der freien Wirtschaft wäre es ein Grund gewesen, die Geschäftsführung abzusetzen“, urteilt Hans-Peter Thomsen (WUW). Ausschuss-Vorsitzende Christiane Stodt-Kirchholtes (Grüne) sieht jetzt einen klaren Arbeitsauftrag an den Eigenbetrieb Stadtwerke – und an die Politik. Denn laut Loosen wird es ohne personelle Aufstockung oder externe Dienstleiter nicht gehen.

Doch es kommt noch ein weiteres Problem hinzu. Die Kommunalaufsicht drängt darauf, dass es nicht ausreicht, eine „schwarze Null“ zu schreiben. Konkret fordert sie, die Eigenkapitalquote zu erhöhen. Derzeit liegt sie bei 22 Prozent, das Land fordert zwischen 30 und 40 Prozent. Loosen: „Das alles muss kurzfristig erfolgen und geht nicht ohne Gebührenerhöhung.“

gjs