Fehmarn bekommt kein Corona-Impfzentrum
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Ostholstein Klare Kante: Keine Corona-Impfstation für Senioren auf Fehmarn
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Fehmarn bekommt kein Corona-Impfzentrum

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15:37 18.02.2021
Ist als Impfstation in Burg nach der Absage aus Kiel kein Thema mehr: Das Haus im Stadtpark war als zentrale Anlaufstelle für impfwillige Fehmaraner Senioren vorgeschlagen worden. 
Ist als Impfstation in Burg nach der Absage aus Kiel kein Thema mehr: Das Haus im Stadtpark war als zentrale Anlaufstelle für impfwillige Fehmaraner Senioren vorgeschlagen worden.  Quelle: Schwennsen/LN-Archiv
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Fehmarn

Endlich ist sie da, die langersehnte Antwort aus Kiel. Doch sie dürfte den meisten Fehmaranern nicht gefallen. Der gemeinsame Vorstoß der Awo und der Stadt Fehmarn beim Gesundheitsministerium Schleswig-Holstein, den über 80-jährigen Mitbürgern der Insel ein möglichst wohnortnahes und niederschwelliges Impfangebot zu unterbreiten, ist vorerst gescheitert. In einem Schreiben an Bürgermeister Jörg Weber (SPD) hat das Ministerium jetzt mitgeteilt, dass weder ein mobiles Extra-Impfteam noch die Einrichtung einer temporären Impfstation für Fehmarn in Frage kommen. Die Begründung: Es gebe genügend andere Landkreise, in denen die Situation ähnlich gelagert sei und Fehmarn dürfe deshalb nicht bevorzugt werden.

Gute Miene zur späten Absage aus Kiel: Als Bürgerbus-Fahrer und Awo-Ortsvereinsvorsitzender „darf“ sich Heinz Lange jetzt für impfwillige Ü80-Senioren um den Fahrdienst nach Lensahn kümmern. Quelle: Luisa Jacobsen

„Impfzentren sind in 60 Minuten zu erreichen“

Vorgabe des Landes sei, dass ein Impfzentrum binnen einer Pkw-Stunde vom Wohnort des Betroffenen zu erreichen sein müsse. Von der Insel Fehmarn aus könnten sowohl das Impfzentrum in Eutin als auch das in Lübeck innerhalb dieses Zeitraumes erreicht werden. Ab 1. März kämen weitere Ostholsteiner Zentren in Lensahn und Bad Schwartau hinzu. Die ersten Senioren der Insel hätten inzwischen das Einladungsschreiben für Eutin erhalten und auch in insularen Alten- und Pflegeeinrichtungen sei bereits durch ein mobiles Team geimpft worden.

Awo organisiert Busfahrten für betroffene Senioren

„Natürlich enttäuscht uns diese Antwort“, bekennt Heinz Lange, der als Vorsitzender der Awo Fehmarn besonders für die Impfstation auf der Insel gekämpft hat: „So bleibt Allen, die bereits einen Brief mit Telefonnummer und PIN erhalten haben und geimpft werden wollen, nur der weite Weg nach Lensahn.“ Er sei bereits dabei, für betroffene Senioren, die keine Möglichkeit haben, zum Impfzentrum nach Lensahn zu kommen, Termine zu vereinbaren und einen Fahrdienst mit dem Bürgerbus zu organisieren. „Voraussetzung ist, dass uns die Personen bereits ihre PIN (Persönliche Identifizierungs Nummer, d. Red.) mitgeteilt haben“, so Lange, der nähere Infos dazu in der Awo-Geschäftsstelle unter der Rufnummer 043 71/ 864 29 17 erteilt.

Not amused: SPD-Stadtvertreter Gunnar Gerth-Hansen (56), im wahren Leben Fischwirtschaftsmeister und Kapitän, fordert Gesundheitsminister Heiner Garg auf, „schnellstens nachzubessern“. Quelle: Beke Zill

Schockierter SPD-Stadtvertreter fordert „Nachbesserung“

Als Fehmarner SPD-Stadtvertreter ist Gunnar Gerth-Hansen „schockiert“ über das Schreiben und fordert Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) auf, „schnellstens nachzubessern im Sinne einer schnellstmöglichen Beendigung der Pandemie und zum Schutz derjenigen, die unsere Hilfe derzeit am Nötigsten brauchen – die alten Menschen“. Auch in seinem Bekannten- und Verwandtenkreis gebe es „viele über 80-Jährige, die nicht in stationären Pflegeeinrichtungen leben und nicht bereit sind, die Strapazen einer einstündigen Anreise auf sich zu nehmen“. Die Argumentation, Fehmarn wäre bei einer aufsuchenden Impfung im Vorteil und andere Orte würden benachteiligt, zeige eine falsche Herangehensweise auf. Gerth-Hansen betont: „Es geht hier nicht nur um Fehmarn. Es geht um die alten Menschen, die wir lieben und schützen wollen – und zwar überall in Schleswig-Holstein und anderswo.“ Allein auf Fehmarn seien dies etwa 1200 Betroffene.

Von Michael Kirchner, Andreas Oelker