Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein So plant Femern A/S die Tunnelsicherheit
Lokales Ostholstein So plant Femern A/S die Tunnelsicherheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:18 15.02.2019
Querschnitt durch den geplanten Fehmarnbelt-Absenktunnel: So stellt sich Tunnelbauer Femern A/S das Sicherheitskonzept vor.
Querschnitt durch den geplanten Fehmarnbelt-Absenktunnel: So stellt sich Tunnelbauer Femern A/S das Sicherheitskonzept vor. Quelle: Femern A/S
Anzeige
Fehmarn

Femern A/S will den knapp 20 Kilometer langen Absenktunnel zwischen Rødby und Fehmarn zum quasi sichersten Ort der Welt machen: Es soll je Fahrtrichtung für die Autos eine eigene Röhre geben, ebenso getrennte Röhren für den Zugverkehr, die ein Entgleisen unmöglich machen. Geplant sind Standstreifen in den Autoröhren, Notausgänge alle 110 Meter, die Verkehrslenkung durch eine Leitzentrale, Längslüftungssysteme und Brandbekämpfungs-Anlagen. Auf Fehmarn ist Freitag das Sicherheitskonzept für den geplanten Fehmarnbelttunnel vorgestellt worden.

Klicken Sie hier, um zu sehen, wie Femern A/S die Sicherheit im Belttunnel plant.

Matthias Laubenstein leitet auf deutscher Seite die Planfeststellung für Femern A/S. Der Bauingenieur kennt sich mit Tunnelbau aus. Laubenstein war am Bau des Berliner Spreebogentunnels ebenso beteiligt wie am Bau des Lübecker Herrentunnels. „Um alle möglichen Sicherheitsaspekte umzusetzen, arbeitet Femern A/S eng mit den deutschen und dänischen Behörden in der F-SURR-Gruppe (Anm. der Redaktion: Fehmarnbelt – Sicherheit, Unfall, Rettung und Räumung) zusammen.“ Diese Gruppe hat in Zusammenarbeit mit der International Fire Academy (IFA) das Sicherheitskonzept für Femern A/S erarbeitet.

Das in der Schweiz ansässige Non-Profit-Unternehmen genießt in Ostholstein hohes Ansehen – Kreisbrandmeister Thorsten Plath war selbst schon Teilnehmer bei verschiedenen IFA-Veranstaltungen, sein Kollege Hartmut Junge kennt die Organisation ebenfalls und äußerte gegenüber den LN seine Wertschätzung. IFA-Vertreter bei der Präsentation auf Fehmarn war Christian Brauner aus Freiburg. Er leitet die Entwicklung der International Fire Academy in der Schweiz und entwickelte als Wissenschaftler der Zürcher Hochschule, als Brandschutzexperte und aktiver Feuerwehrmann das Sicherheitskonzept.

Fünf Spezialkräfte auf jeder Seite des Tunnels im Dienst

Das Sicherheitskonzept beinhaltet im Wesentlichen folgendes: Femern A/S errichtet, schult, betreibt und finanziert eine schnelle Einsatzgruppe – die „Service- und Ersteinsatzeinheit“. Fünf Spezialkräfte sollen auf jeder Seite des Tunnels im Dienst sein. Um eine Rund-um-die-Uhr-Sicherheit das ganze Jahr über sicherzustellen, sind für den Drei-Schicht-Betrieb insgesamt 30 bis 40 Kräfte vorgesehen. Die Truppe soll schnellstmögliche Ersteinsätze im Tunnel sicherstellen, bevor die öffentlichen Einsatzkräfte vor Ort eintreffen. Laubenstein hierzu: „Eine Berufs- oder Werksfeuerwehr ist nicht geplant.“

Zweitens betreibt und finanziert Femern A/S eine Verkehrsleitzentrale, die rund um die Uhr besetzt ist. Kosten für die besondere Schulung von Freiwilligen Feuerwehren auf deutscher und dänischer Seite will Femern A/S ebenfalls tragen. Außerdem wollen sich die Tunnelbauer verpflichten, den Tunnel für Trainingszwecke zur Verfügung zu stellen. Auch die erforderliche Ausrüstung der Feuerwehren auf beiden Tunnelseiten werden vom Tunnelbauer übernommen. Laubenstein: „Darüber hinaus liegt es in der Zuständigkeit der nationalen öffentlichen Einsatzkräfte, den Rettungs- und Notfalleinsatz im Fehmarnbelttunnel zu gewährleisten.“

Erfahrung beim Schweizer Gotthard-Tunnel gesammelt

Angesichts dieser Planungen sagt Brauner: „Dies ist der sicherste Entwurf, mit dem wir uns bei der IFA bisher beschäftigt haben.“ Er sei ideal für Rettungs- und Notfalleinsätze. Brauner weiter: Die Planung des Fehmarnbelttunnels erfülle die deutschen und dänischen Sicherheitsanforderungen sowie die Sicherheitsanforderungen der europäischen Tunnelrichtlinien für Straßen- und Eisenbahnverbindungen.“

Brauner weiß, wovon er spricht, denn die Schweizer haben eine Fülle an Erfahrungen mit Tunnelbauten – unter anderem durch den Gotthard-Tunnel: Der führt 17 Kilometer durch die Alpen und verbindet die Schweiz mit Italien. Mehr als 150 Millionen Fahrzeuge sind seither hindurch gefahren, Lastwagen nicht mitgezählt. Der Gotthard ist allerdings ein Ein-Röhren-Tunnel.

Louis Gäbler

Mehr zum Thema:

Am Dienstag starten in Lübeck die Anhörungstermine zum Projekt.

Alles über das Projekt und den Bau der Hinterlandanbindung erfahren Sie auf unserer Themenseite