Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Rückendeckung für Ostholsteiner Lärmschutz-Wünsche
Lokales Ostholstein Rückendeckung für Ostholsteiner Lärmschutz-Wünsche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:15 12.09.2019
Die Visualisierung, herausgegeben von der Deutschen Bahn, zeigt eine Troglösung für die Bahnstrecke am Bahnhof Bad Schwartau. Quelle: DB Netz AG/dpa
Berlin/Bad Schwartau

Der Schutz vor Lärm auf der künftigen Schienentrasse zur geplanten festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ) scheint nach dem Treffen einer Delegation aus Ostholstein mit Bundestagsabgeordneten wahrscheinlicher. Als oberster Fürsprecher für sogenannten übergesetzlichen Schutz der Anwohner trat Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) an. Er forderte den Bund auf, Zusagen für mehr Lärmschutz einzuhalten. „Wenn dies nicht geschehen sollte, läuft der Bund Gefahr, sich unglaubwürdig zu machen.“

Die jahrelange ehrenamtliche Arbeit von Dialogforum und Projektbeirat für die Hinterlandanbindung fand bei Verkehrs- und Haushaltspolitikern großes Lob. „Diese Arbeit darf nicht für die Katz’ gewesen sein“, warnte Günther in Richtung Bundesverkehrsministerium. Aus dem Hause von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) war kurz zuvor signalisiert worden, es werde keinen zusätzlichen Lärmschutz über die gesetzlichen Vorgaben hinaus geben, so etwa der Beauftragte für die Bahn, Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU), kürzlich in den Lübecker Nachrichten.

Die Bundestagsabgeordneten Ingo Gädechens und Bettina Hagedorn (hinten) hatten zum Lärmschutzgespräch nach Berlin eingeladen. Quelle: CDU/HFR

Gädechens und Hagedorn: Mehr Lärmschutz muss kommen

Die schroffe Ablehnung aus Berlin hatte nicht nur die betroffenen Verbände und Kommunen in Ostholstein empört, von denen Vertreter am Donnerstag nach Berlin gekommen waren, sondern auch heftigen politischen Gegenwind der Abgeordneten aus dem Norden ausgelöst. Der direkt gewählte Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens (CDU) formulierte seine Kritik noch diplomatisch. Er habe eine andere Antwort vom Parteikollegen Ferlemann „erhofft“. Zugleich verwies er darauf, dass nun für mehr Lärmschutz an der rund 55 Kilometer langen Neubau-Trasse von Lübeck bis Puttgarden politisch hart gekämpft werden müsse. „Das ist kein Selbstgänger“, sagte der CDU-Abgeordnete.

Ebenfalls für mehr Lärmschutz streitet Bettina Hagedorn, SPD-Finanzstaatssekretärin und eigentlich eine Gegnerin des dänisch-deutschen Tunnelprojekts. Die Ostholsteinerin erinnerte daran, dass der Bundestag im Januar 2016 einstimmig beschlossen hatte, dass an wichtigen Verkehrsprojekten im Interesse der Akzeptanz der betroffenen Anwohner sowie der Umwelt „im Einzelfall“ Lärmschutz über das gesetzliche Maß hinaus realisiert werden könne. Als Präzedenzfall gilt die Rheintalbahn in Baden-Württemberg, wo 1,5 Milliarden Euro in zusätzlichen Schutz fließen. „Das Parlament muss respektiert werden“, verlangte Hagedorn.

Damit lief sie bei Dialogforum und Projektbeirat offene Türen ein. Die seit Jahren tätigen ehrenamtlichen Gremien haben wichtigen Mitgliedern des Verkehrs- sowie des Haushaltsausschusses Donnerstag ihre Vorschläge dargelegt. Und als „Handreichung“ hatten sie einen fünfseitigen, formvollendeten Antragsentwurf an den Bundestag formuliert. Thomas Keller vom Projektbeirat, zugleich Bürgermeister von Ratekau, informierte über errechnete Mehrkosten für Lärmschutz in Höhe von 594,8 Millionen Euro. Davon entfielen 327,2 Millionen auf die Region, ohne Bad Schwartau. Für die sogenannte Troglösung in dieser Stadt würden weitere 267,6 Millionen Euro fällig.

CSU-Verkehrsexpertin kritisiert Schwartauer Troglösung

Doch genau an diesem Punkt entzündete sich in Berlin auch Kritik. Die CSU-Verkehrsexpertin Daniela Ludwig monierte, ein sieben Meter tiefer Trog für die Bahntrasse durch die Stadt bringe nicht viel mehr Lärmschutz, koste aber viel mehr. Auch sei eine solche Baumaßnahme nicht ohne mehrjährige Sperrung der gesamten Bahnstrecke zu realisieren.

Lesen Sie auch:
Lärmschutz in Bad Schwartau: Ärger über Bericht aus Berlin

Während der Landrat von Ostholstein Reinhard Sager (CDU) seinen Kompromissvorschlag – ein 3,20 Meter tiefer Trog sowie Erschütterungsschutz für insgesamt rund 100 Millionen Euro – verteidigte, blieb der Schwartauer Bürgermeister Uwe Brinkmann (parteilos) bei der weitergehenden Forderung seiner Stadt. Gestützt auf fachliche Gutachten stelle Bad Schwartau „keine Maximalforderungen“, sondern verlange für seine Bürger einen Schutz vor Lärm und Erschütterungen, der „verhältnismäßig“ sei, meinte Brinkmann. Nach Angaben von Hagedorn will die SPD-Verkehrsexpertin Kirsten Lühmann nun in Gesprächen mit Bad Schwartau und der Bahn versuchen, doch noch einen Kompromiss zum Lärmschutz in der Stadt zu finden.

Wichtige LN-Berichte zum Belttunnel und der Hinterlandanbindung

Juli 2019: Kommentar: Ein Belttunnel nur für die Bahn wäre ein gutes Signal

Juli 2019: Darum klagt der Nabu gegen den Belttunnel

Mai 2019: Vorbereitung für den Bau des Belttunnels beginnt auf Fehmarn

Januar 2019: Besuch in Hamburger Zentrale: Diese Menschen planen Ostholsteins Bahn-Zukunft

Dezember 2018: EU-Gericht entscheidet, dass die Staatsbeihilfen für den Belttunnel überprüft werden müssen

Oktober 2018: Das sagt der Grüne-Umweltminister Jan Philipp Albrecht im LN-Interview zum Belttunnel

Oktober 2018: Zoff um Brandschutz im Tunnel – bei einem Feuer wäre die Stadt Fehmarn zuständig

Dezember 2017: So wollen die Wacken-Bosse am Belttunnel mitverdienen

Juli 2017: Wie gefährlich sind Minen aus dem Zweiten Weltkrieg für den Tunnelbau?

Juni 2017: So plant Femern A/S den Tunnelbau – Mit Video und Bildergalerie

Juni 2017: Dieses Riff wollen Meeresbiologen als Ausgleichsmaßnahme ertüchtigen

Dezember 2016: Zeit- und Kostenplan beim Belttunnel drohen aus dem Ruder zu laufen

Oktober 2016: 109 Millionen extra! So soll die Trasse zur Superschiene werden

September 2016: Kurswechsel: Die schleswig-holsteinischen Grünen sind jetzt nicht mehr gegen den Belttunnel

August 2016: Sechs Jahre voller Tests: Dieser Beton soll beim Belttunnel verwendet werden

November 2015: Pro und Kontra – das sind die Argumente von Befürwortern und Gegnern

Bildergalerie: So plant Femern A/S die Sicherheit im Belttunnel

Viele weitere Berichte über das gigantische Verkehrsprojekt sammeln wir auf dieser Themenseite

Von Reinhard Zweigler

Alles fing auf einer Weihnachtsfeier beim Ex-Regionalligisten Eutin 08 an. Freddy Kaps gab eine Gesangseinlage (Dancing on My Own von Calum Scott) zum Besten und seine damaligen Mitspieler waren total begeistert. Am Donnerstagabend singt er nun bei "The Voice of Germany".

12.09.2019

Einzigartigen und besonderen Reproduktionen und Bearbeitungen widmet sich das Kammermusikensemble Laubenheim in seinem Herbstprogramm „Recomposed“, zu hören am 26. September in der Gruber Kirche.

12.09.2019

Der Bau des Bootes für die DGzRS-Station in Grömitz hat begonnen. Der Tochter eines Grömitzer Seenotretters kam dabei eine wichtige Rolle zu. Sie hat eine Münze als Glücksbringer in den Rumpf eingelegt. Die Taufe ist zum Jahreswechsel 2020/2021 geplant.

12.09.2019