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Ostholstein Streit eskaliert: Grammdorf ohne Feuerwehr
Lokales Ostholstein Streit eskaliert: Grammdorf ohne Feuerwehr
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19:00 29.05.2019
Stille am Feuerwehrhaus in Grammdorf: Die zugehörige Ortswehr hat sich aufgelöst, die aktiven Mitglieder sind geschlossen ausgetreten. Quelle: Binder
Wangels

Gefährdet ein Streit innerhalb der Feuerwehr den Brandschutz in der Gemeinde Wangels? Alle 25 Grammdorfer Einsatzkräfte sind wegen Unstimmigkeiten mit der Amtswehrführung geschlossen ausgetreten; am Mittwoch hat der Kreis der Ortswehr daraufhin offiziell ihren Status als öffentliche Feuerwehr aberkannt. Bürgermeister und Kreiswehrführung reagieren bestürzt. Zwar sei die Sicherheit für die Einwohner bis auf Weiteres über ein Notfallkonzept gewährleistet – dass die Situation derart eskaliert, sei jedoch sehr traurig.

Streitigkeiten zwischen Orts- und Amtswehrführung

Der Auslöser für das Geschehen war offenbar eine Auseinandersetzung zwischen der bisherigen Grammdorfer Ortswehrführung und Amtswehrführer Sven Voß. Das Ganze gipfelte darin, dass Voß – bis vor Kurzem selbst Mitglied der Grammdorfer Truppe – nach Hansühn wechselte und seiner bisherigen Ortswehrführung zum Abschied Worte wie „Paragrafenreiter“ und „Klugscheißer“ an den Kopf warf. Die schmiss daraufhin das Handtuch, weil sie sich „nicht vom Amtswehrführer beleidigen lassen“ wollte. Voß wiederum hält dagegen, dass er sich damals nicht in seiner Funktion als Amtswehrführer geäußert habe, sondern als Mitglied der Grammdorfer Ortswehr, „dem es freisteht, seine persönliche Meinung zu sagen“.

Die weiteren Aktiven der Feuerwehr sind jetzt als Zeichen der Solidarität allesamt ausgetreten. „Irgendwann reicht es“, sagt der ehemalige Wangelser Gemeindewehrführer Jürgen Gradert, heute Mitglied der Ehrenabteilung in Grammdorf. Alle Aktiven seien bereit, ihr Ehrenamt wieder aufzunehmen – es sei jedoch an der Amtswehrführung und an der Gemeinde, auf die Kameraden zuzugehen.

Brandschutz über Notfallkonzept sichergestellt

Bürgermeister Eckhard Klodt (BGW) betont, dass er sich „sehr gewünscht hätte, dass wir eine Lösung finden“. Die Differenzen reichen viele Monate zurück; die Hintergründe sind komplex. Offenbar gab es zum Teil sehr unterschiedliche Auffassungen zu feuerwehrinternen Themen. Immer wieder gab es Gespräche, in denen Vertreter von Gemeinde und auch Kreiswehrführung versucht haben, zu vermitteln. Zuletzt schien Anfang März alles geklärt – bis die Situation plötzlich vollends eskalierte. „Das betrübt mich sehr“, sagt Klodt, „jeder, der die Feuerwehr verlässt, ist einer zu viel.“

Er sei dankbar, dass die Gemeindewehrführung kurzfristig ein Notfallkonzept aufgestellt habe, um den Brandschutz in Wangels weiterhin zu gewährleisten. „Das ist eine Ausnahmesituation“, betont der Bürgermeister, „ich bin sehr froh, dass wir darauf so schnell reagieren konnten.“

Trotzdem müsse die Gemeinde jetzt zusehen, dass sie ihr Brandschutz-Konzept überarbeite, erklärt der stellvertretende Kreisbrandmeister Michael Hasselmann, die Lage gestalte sich ohne die Grammdorfer Ortswehr natürlich völlig anders. „Mir tut es sehr leid, dass interne Unstimmigkeiten dazu geführt haben, dass 25 Ehrenamtler aus der Feuerwehr austreten“, sagt er, „das macht mich wirklich traurig.“ Er hoffe sehr, dass sich die Situation vielleicht doch noch wieder beruhige.

Fronten bleiben verhärtet

Dazu bedürfte es nach Ansicht des ehemaligen Grammdorfer Gruppenführers Martin Evers „eines klaren Zeichens des Amtswehrführers“. Persönliche Beleidigungen müsse sich niemand gefallen lassen – „schon gar nicht, wenn man eine Aufgabe freiwillig übernommen hat“. Das Vertrauen sei weg.

Sven Voß bezeichnet die Reaktion auf seine Äußerungen derweil als „etwas übertrieben“. Natürlich täte es ihm leid um die Ehrenamtler – er könne jedoch nicht verstehen, dass man gleich aus der Feuerwehr austrete. Er habe mit seinem Wechsel in die Hansühner Wehr „das Feld geräumt“, mit der Grammdorfer Ortswehrführer habe er seither keine Berührungspunkte mehr: „Ich spreche mit der Gemeindewehrführung, die Gemeindewehrführung spricht mit den Ortswehren.“

Bürgermeister Klodt kündigt derweil an, er wolle noch einmal mit jedem ausgetretenen Feuerwehrmitglied persönlich sprechen. Er hoffe sehr, dass sich der ein oder andere doch noch entschließen könne, wieder für den Brandschutz in der Gemeinde aktiv zu sein.

Jennifer Binder